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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Thoth; Thou; Thouars; Thouet; Thouletsche Lösung; Thoune; Thourout; Thout; Thouvenin

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Thoth - Thouvenin

Thoth, richtiger Thout (ägypt. Dhoute), ägypt. Gott, den die Griechen mit ihrem Hermes verglichen. Sein heiliges Tier ist der Ibis, er wird deshalb gewöhnlich mit einem Ibiskopfe dargestellt. Außerdem ist ihm der Hundskopfaffe heilig. T. ist ursprünglich ein Mondgott, und da der Mond bei den Ägyptern, wie bei vielen Völkern, der Zeitteiler war, so wurde T. zum Gotte des Maßes, der Zeiteinteilung und der Wissenschaft überhaupt. Er gilt als Erfinder der Schrift, als der Gelehrte unter den Göttern, der "Herr der Bibliothek". T. war nach dem Mythus der Verteidiger und Rechtfertiger des Osiris gegen seine Ankläger. Er wurde besonders in der Stadt Aschmunein (ägypt. Chmunu) in Mittelägypten verehrt, welche daher auch "Thoth-Stadt", Hermopolis, hieß, und zwar magna zur Unterscheidung von Hermopolis parva, in Unterägypten. Ein häufiger hieroglyphischer Beiname des T. ist "der zweimal große"; erst in sehr späten Inschriften findet sich die Bezeichnung "der dreimal größte" (trismegistos), unter der er von den griech. Mystikern in den ersten Jahrhunderten n. Chr. viel genannt und als Offenbarer aller Urweisheit hoch verehrt wurde. (S. Hermes Trismegistus.)

Thou (spr. tu), Jacques Auguste de, lat. Thuanus, franz. Geschichtschreiber und Staatsmann, geb. 8. Okt. 1553 zu Paris, wo sein strengkath. Vater erster Präsident des Parlaments war, studierte die Rechte in Orléans und unter Cujacius in Valence, wo er mit Scaliger Freundschaft schloß. Er war 1572 Zeuge der Bartholomäusnacht und bereiste dann Italien, die Niederlande und Deutschland. Heinrich III. übertrug ihm mehrere Sendungen und machte ihn 1576 zum geistlichen Rat beim Parlament; 1581 mußte er als königl. Kommissar in Guyenne mit den prot. Häuptern verhandeln. 1581 wurde er, indem er in die rein weltliche Laufbahn übertrat, Requetenmeister, 1588 Staatsrat. In den Unruhen der kath. Liga (s. d.) stand er zu Heinrich III., dem er wertvolle Dienste als Unterhändler leistete, indem er ihn 1589 mit Heinrich von Navarra zusammenführen half; dann hielt er, nachdem der letztere als Heinrich IV. den Thron bestiegen hatte, getreu zu diesem, dessen Vertrauen er sich durch seine Offenheit, Rechtschaffenheit und Kenntnisse erwarb. Er erhielt die Vicepräsidentschaft des Parlaments und zugleich das Amt eines Großmeisters der königl. Bibliothek. Ein aufrichtiger Katholik, aber von der staatsgesinnten Richtung der Politiker (s. d.), suchte er den innern Frieden zu befestigen. T. wirkte mit bei der Abfassung des Edikts von Nantes und stand, solange Heinrich lebte, in reicher polit. Beschäftigung. Nach der Ermordung des Königs ernannte ihn die Regentin Maria von Medici zu einem der Finanzdirektoren. Doch zog er sich schließlich von den öffentlichen Geschäften zurück und lebte den Wissenschaften. Er starb 7. Mai 1617 zu Paris.

T. hinterließ ein berühmtes Geschichtswerk, die "Historiae sui temporis", die vom Tode Franz' I. bis zur Ermordung Heinrichs IV., 1547-1610, reichen sollten. Er teilte die ganze Arbeit in 143 Bücher, von denen er die 18 ersten 1604 veröffentlichte. Eine neue Ausgabe, die bis zum 49. Buche reichte, veranstaltete er 1606. Im J. 1614 erschien das Werk bis zum 80. Buche, das die Ereignisse bis 1584 erzählt. Die päpstl. Censur hatte 1609 das Buch auf den Index gesetzt, weshalb T. viele Stellen milderte. Der Tod überraschte ihn, nachdem er sein Werk (in 138 Büchern) bis 1607 geführt, bei Veranstaltung einer neuen Ausgabe, die erst 1620 durch Dupuy und Nic. Rigault zu stande kam. Später erschien diese Ausgabe mit dem ursprünglichen Texte u. d. T. "Thuanus restitutus" in Amsterdam (1663). Rigault setzte die Arbeit aus den Materialien T.s bis zu dem gesteckten Ziele fort. Endlich erschien das Werk vollständig in sieben Foliobänden (Lond. 1733). T. erzählt die Geschichte, die er nach authentischen Stoffen hergestellt hatte, oder deren Augenzeuge er selber war, mit Genauigkeit, Wahrheitsliebe und Freimut, im Stil Livius nachahmend, gerecht, aber ganz annalistisch und somit ohne histor. Tiefe; sein Werk spiegelt den polit. und versöhnenden Geist der Epoche Heinrichs IV. Zu seiner Rechtfertigung schrieb T. seit 1614 u. d. T. "Thuani commentarius de vita sua, libri VI" (Orléans 1620; deutsch in Seybolds "Selbstbiographien berühmter Männer") Memoiren, die ebenfalls wohl von Rigault beendet, vielleicht überhaupt nicht ganz von T. redigiert wurden. Eine Sammlung seiner Poesien in lat. Sprache kam u. d. T. "Posteritati; poematum opus notis perpetuis illustratum a. D. Melanchtone" (Amsterd. 1678) heraus. - Vgl. Düntzer, De T.s Leben, Schriften und histor. Kunst (Darmst. 1837).

Der älteste Sohn François Auguste de T., geb. 1607 zu Paris, war Parlamentsrat und erhielt nach dem Tode des Vaters auch die Stelle des Großmeisters der königl. Bibliothek. T. war ein Freund des Herzogs von Orléans, der Herzogin von Chevreuse sowie des jungen Cinq-Mars (s. d.), und diese Verbindungen zogen ihn in den Gegensatz zu Richelieu hinein. Als die Verschwörung Cinq-Mars' an das Licht trat, ließ der Minister auch T. verhaften, der mit seinem Freunde 12. Sept. 1642 zu Lyon das Schafott besteigen mußte.

Thouars (spr. tŭahr), Stadt im Arrondissement Bressuire des franz. Depart. Deux-Sèvres in Poitou, rechts am Thouet, über den eine 27 m hohe Hängebrücke führt, an den Linien Tours-Sables d'Olonne und Saumur-Niort der Staatsbahnen, die beide unterhalb T. auf einem über 38 m hohen Viadukt den Fluß überschreiten, hat (1896) 3992, als Gemeinde 5033 E.; die Kirchen St. Medard mit prächtigem roman. Portal und St. Laon (12. und 15. Jahrh.), Reste alter Befestigungen, sowie ein auf dem Felsen über dem Flusse im 16. Jahrh. erbautes großes Schloß (jetzt Gefängnis) mit schöner got. Kapelle (1514) und in Felsen gehauener Krypta; Handel mit Getreide, Branntwein, Vieh und Nüssen.

Thouet (spr. tŭeh), linker Nebenfluß der Loire im westl. Frankreich, entspringt am Ostende der Hauteurs de la Gâtine im Depart. Deur-Sevres, fließt in romantischem Thale nach Parthenay, wendet sich nach N., erhält links den Thouaret und den Argent und geht im Depart. Maine-et-Loire an Montreuil-Bellay vorüber, vereinigt sich rechts mit der Dive und mündet unterhalb Saumur.

Thouletsche Lösung (spr. tuleh-), s. Petrographie.

Thoune, franz. Name von Thun.

Thourout (spr. turuh), Stadt in der belg. Provinz Westflandern, an den Bahnlinien Ostende-Ypern und Brügge-Kortrijk, hat (1897) 9680 E., ein bischöfl. Lehrerseminar; Leinenweberei, Gerberei, Landwirtschaft und Pferdemärkte. In der Nähe die restaurierten Ruinen des Schlosses Wynendaele.

Thout, ägypt. Gott, s. Thoth.

Thouvenin (spr. tuw'näng), Louis Etienne de, franz. Brigadegeneral, verdient um die Ausbildung