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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Thujopsis; Thule; Thulium; Thum; Thüm; Thumann; Thümen; Thumenicus; Thumer Stein; Thümmel

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Thujopsis - Thümmel

oberseits glänzend dunkelgrün, unterseits heller. T. orientalis L. (Biota orientalis Endl.), der morgenländische Lebensbaum, ist in Japan und China heimisch und unterscheidet sich von T. occidentalis hauptsächlich durch die Fruchtzapfen und die Verzweigung in senkrecht und radial gestellten Ebenen. Er ist in Deutschland nicht überall und nicht in allen seinen Formen winterhart, wird 6-8 m hoch und ist von pyramidalem Wuchs. Von den vielen von ihm stammenden Spielarten ist eine der schönsten aber gegen Winterkälte am empfindlichsten var. aurea, von niedrigem, kugeligem Wuchs und prächtig gelbgrüner Belaubung. Dagegen hat sich var. elegantissima als eine der winterhärtesten bewährt, die sich durch einen scharf pyramidalen Wuchs und goldgelbe Färbung auszeichnet. Außerdem sind in Bezug auf Farbe der Nadeln und Habitus bemerkenswert die Spielarten var. argentea, glauca, variegata, compacta, filiformis u. a. m.

Thujopsis Sieb. et Zuck., Pflanzengattung aus der Familie der Nadelhölzer (s. d.), Abteilung der Cupressineen, von der nahe verwandten durch die fünfsamigen Zapfenschuppen unterschieden. Th. dolabrata Koch (s. Tafel: Schutzmittel der Pflanzen, Fig. 2, Bd. 17) aus Japan ist bei uns häufig Zierbaum.

Thule, bei den Alten eine Insel oder Inselgruppe im nordwestlichen europ. Ocean, von der zuerst Pytheas (s. d.) den Griechen eine noch ziemlich dunkle Kunde zugebracht hatte, und die seitdem als das nördlichste Stück der bewohnten Erde betrachtet wurde (daher ultima T. genannt). Der Name, der bei den röm. Dichtern öfters zur Bezeichnung des äußersten Nordens überhaupt gebraucht wird, ist ohne Zweifel auf die Shetlandinseln zu beziehen. - Vgl. Müllenhoff, Deutsche Altertumskunde, Bd.1 (2. Aufl., Berl. 1890).

T. heißt auch der 279. Planetoid.

Thulium (chem. Zeichen Tm), noch zweifelhaftes und mangelhaft untersuchtes, dem Ytterbium nahestehendes chem. Element.

Thum, Stadt in der Amtshauptmannschaft Annaberg der sächs. Kreishauptmannschaft Zwickau, im Erzgebirge, in 512 m Höhe, am nördl. Fuß des Granitfelsens Greifenstein (731 m), an der Nebenlinie T.-Oberherold (1,9 km) der Sächs. Staatsbahnen, hat (1895) 4134 E., darunter 33 Katholiken, Post, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Vorschußverein, Sparkasse, zwei Wasserleitungen; Fabrikation von Strumpfwaren, Posamenten, Cigarren, Sprit und Liqueur, je zwei Färbereien und Gerbereien, Brauerei, Mühlen, Sägewerke, Kram- und Viehmärkte. T. wird als Sommerfrische besucht.

Thüm., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Baron Felix von Thümen, einen österr. Mykologen, geb. 6. Febr. 1839 zu Dresden, gest. 13. Okt. 1892 zu Schönau bei Teplitz. Er war längere Zeit Adjunkt an der Versuchsstation zu Klosterneuburg, schrieb über Pilze und gab umfangreiche Pilzsammlungen heraus.

Thumann, Paul, Maler, geb. 5. Okt. 1834 in Tzschacksdorf in der Lausitz, erhielt seine Bildung seit 1853 an der Berliner Akademie, dann bei Hübner in Dresden, arbeitete 1860-63 als Illustrator in Leipzig und vollendete bei Pauwels in Weimar seine Ausbildung. Hier erhielt er 1866 die Professur an der Kunstschule, die er niederlegte, um 1872 nach Dresden und 1875 als Professor an die Akademie in Berlin zu gehen. Im Anfange machte sich T. durch seine Illustrationen bekannt, die (etwa 3000) teils als Beiträge, teils als geschlossene Werke erschienen sind: Auerbach-Kalender, Spinnstube, Enoch Arden, zu Chamissos "Frauenliebe und -Leben" (1879), Hamerlings "Amor und Psyche" (1882), Jul. Wolffs "Rattenfänger von Hameln", Vaterunser. Als Maler trat er mit der 1871 gemalten Trauung Luthers auf, der fünf Bilder aus dem Leben des Reformators für die Wartburg folgten. Mit Ausnahme von zwei Monumentalmalereien in der Aula des Gymnasiums zu Minden, Rückkehr Hermanns des Cheruskerfürsten nach der Teutoburger Schlacht und Taufe Widukinds (1883 und 1884), gehören seine spätern Schöpfungen dem antiken oder idealen Genre an; so: Unaufmerksame Schülerin, Liebesfrühling, Die Parzen, Psyche am Wasser, Die Sirenen, Kunst bringt Gunst u. a. Daneben malte er eine Anzahl Bildnisse und weibliche Studienköpfe. Nach mehrjährigem Aufenthalt in Italien kehrte er 1891 nach Berlin an die Akademie als Lehrer zurück.

Thumenicus, Sohn des Arminius (s. d.).

Thümen, Botaniker, s. Thüm.

Thumer Stein, Thumīt, Mineral, s. Axinit.

Thümmel, Friedrich Wilhelm, evang. Theolog, geb. 6. Mai 1856 zu Barmen, studierte in Bonn und Leipzig, wurde 1879 Hilfsprediger in Geldern, dann in Lohne bei Soest, 1881 Pfarrer in Geldern, 1884 in Remscheid. Infolge einer derben, aber in der Weise des Heidelberger Katechismus gehaltenen Kritik der kath. Lehre von der Transsubstantiation wurde T. 1886 auf Grund des §. 166 des Deutschen Strafgesetzbuches zu drei Wochen Gefängnis verurteilt und die nach Abbüßung der Strafe von ihm veröffentlichte scharfe Rechtfertigungsschrift "Rhein. Richter und röm. Priester" (Barm. 1887; 2. Aufl. 1888) zog ihm seitens des Landgerichts zu Elberfeld, und nach Aufhebung dieses Urteils durch das Reichsgericht, seitens des Landgerichts zu Cassel eine weitere Verurteilung zu. Ein im Juni 1888 auf einer Versammlung des "Evangelischen Bundes" zu Solingen in einer evang. Kirche gehaltener Vortrag (gedruckt in 6. Aufl. Barm. 1891) über die in diesem Jahr stattfindende "Aachener Heiligtumsfahrt" endete mit der polizeilichen Auflösung der Versammlung. T. schrieb ferner: "Offener Brief an den Herrn Erzbischof Krementz von Köln" (Barm. 1889), "Clarenbachs Asche" (8. Aufl., Berl. 1890), "Die Anbetung der lückenhaften Stoffteile in Trier" (Barm. 1891), "Zur Beurteilung des Donatismus" (Halle 1893), mit welcher Schrift T. in Halle zum Licentiaten der Theologie promovierte. Die scharfe "Antwort an die päpstl. Priesterschaft in Breslau" (Barm. 1894) rief wieder eine Gerichtsverhandlung hervor, in der T. freigesprochen wurde. - Vgl. Nippold, Die Thümmelschen Religionsprozesse (2 Hefte, Halle 1888); Prozeß Thümmel-Wiemann (Barm. 1887).

Thümmel, Mor. Aug. von, Schriftsteller, geb. 27. Mai 1738 auf dem Rittergut Schönefeld bei Leipzig, studierte seit 1756 in Leipzig die Rechte und trat 1761 als Kammerjunker in die Dienste des Erbprinzen, nachherigen Herzogs Ernst Friedrich von Sachsen-Coburg; bei dessen Regierungsantritt wurde er Geh. Hofrat und 1768 Wirkl. Geheimrat und Minister. Nachdem er sich 1783 von den öffentlichen Geschäften zurückgezogen hatte, lebte er teils auf dem Familiengute seiner Gattin, in Sonneborn, teils in Gotha, teils auf kleinen Reisen. Er starb 26. Okt. 1817 zu Coburg. T. wandelte ähn-^[folgende Seite]