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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tierheilkunde

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Tierheilkunde

Mas a Fuera und Juan Fernandez. Auch diese Region ist reich an originellen Formen; plattnasige Affen, Lamas, Gürteltiere, Ameisenfresser, Faultiere, eine Anzahl merkwürdiger und altertümlicher Nagetiere findet sich nur hier, über 700 Gattungen von Vögeln bewohnen diese Region und davon sind sechs Siebentel ausschließlich hier zu finden, wie unter anderm die wunderbaren Pfefferfresser und eine besondere Form der Strauße (Rhea). Merkwürdig reich ist auch die Fischfauna des süßen Wassers an Welsen. Bereits hat zwischen der Fauna Südamerikas und der Nordamerikas, seitdem die Verbindung hergestellt ist, ein lebhafter Austausch stattgefunden. Von Norden eingewandert sind Hirsche, Katzen, Marder, Bare, Sylvien, Zaunkönige, Wasseramseln, Waldsänger (Minotiltidae), nordische Laufkäfer u. s. w., aber die meisten von ihnen finden sich mehr in den kühlen Bergen. Es sind aber auch neotropische Formen in Nordamerika eingedrungen, zahlreiche Insekten, namentlich Schmetterlinge, eine Reihe Vögel, Tanagras, Tyrannen, Kolibris, vielleicht auch wieder die Papageien, und von Säugetieren Opossums und Pekaris.

Ganz ähnlich wie die Verhältnisse Südamerikas zu Nordamerika als zoolog. Region liegen die der äthiopischen zu Europa-Asien. Die äthiopische Region (Karte orange) besteht aus ganz Afrika und Arabien südlich vom Wendekreis des Krebses, nebst Madagaskar, den Comoren, Seychellen und Maskarenen. Das tropische Afrika nebst Madagaskar ist vermutlich einmal ein Archipel gewesen mit einer charakteristischen Fauna, aber der jetzige kontinentale Teil hob sich, es verband sich ein Teil der einzelnen Inseln und im Norden wurden große Landstriche dem Meere entrückt; in dies neu gebildete Land fand eine starke Einwanderung aus Nordosten statt, es erschienen Affen, Katzen, Hyänen, Hunde, Marder, Pferde, Rhinocerosse, Wiederkäuer, zahlreiche Nagetiere, Springmäuse, Hasen, Eichhörnchen, Zaunkönige, Meisen, Spechte, Nashornvögel, Geier, Kraniche, Strauße u. s. w. und bevölkerten Afrika, aber keine einzige dieser Formen konnte bis jetzt das isoliert gebliebene Archipelstück Madagaskar erreichen, so daß sich auf dieser, von größern Raubtieren freien, an kleinern armen Insel ein originelles Tierleben erhalten und weiter entwickeln konnte, während vielfache Beziehungen zwischen den Faunen des kontinentalen Afrika, Europa und Asien sich herausbilden mußten.

Auch die indische oder orientalische Region (auf der Karte rosa) hat, nach Norden durch die große Landbarriere des Himalaja und im Osten und Westen durch breite oder tiefe Meere von den benachbarten Regionen getrennt und zum Teil in Inseln zerfallen, sehr viel Eigenartiges. Zu dieser Region gehört ganz Asien südlich vom Himalaja und Jang-tse-kiang mit den Inseln südlich von Japan und westlich der Grenzlinie der austral. Region (vgl. oben). Sie hat 118 Gattungen Säugetiere und davon finden sich 56 nur hier, während von den 342 Geschlechtern der Landvögel 62 ihr ausschließliches Eigentum sind. Sie hat in Celebes manche Berührungspunkte mit der australischen, in Ostafrika mit der äthiop. Region, während sie mit der paläoarktischen (Europa, Nordafrika und Asien nördlich vom Himalaja und Jang-tse-kiang nebst dem japan. Archipel; auf der Karte gelb) hauptsächlich an zwei Stellen, im Westen in Südpersien und Afghanistan, im Osten in Japan, sich mischt. Charakteristisch für die orient. Region sind unter anderm die Gibbons, die Koboldmakis, die Flattermakis, die Binturongs und andere Viverren, Sonnenbäre, von Vögeln die Drosselmeisen (Liotrichidae), die Pfauen, Argusfasane u. s. w.

Die paläoarktische Region bei ihrer ungeheuern Ausdehnung hat nur 100 Gattungen von Säugetieren und 177 von Landvögeln, und von den erstern sind nur 29 und von den letztern 59 ihr speciell eigen. Besonders gut entwickelt in dieser Region sind Insektenfresser und einige Steppenformen von Nagetieren, und unter den Vögeln die echten Sänger (Sylviidae), Meisen und namentlich in den südöstl. Gebirgen die Hühnervögel, von Insekten herrschen ganz besonders die Laufkäfer vor. Tropische Formen dringen in der südwestl. Hälfte ein (z. B. Honigsauger in Palästina, Viverren, Stachelschweine bis Südeuropa u. s. w.) und dann wieder ganz im Osten nach Japan und der Küste entlang bis zum Amur.

Sehr nahe der paläoarktischen Region steht die neoarktische (auf der Karte violett), ganz Amerika nördlich vom Wendekreis des Krebses, arm an Säugetieren (74 Gattungen, 23 speciell eigentümliche), etwas reicher an Landvögeln (168 Gattungen, 41 ausschließlich hier vorhandene). Was die neoarktische Fauna von der paläoarktischen unterscheidet, sind im wesentlichen eingewanderte südamerik. Formen. Charakteristisch für Nordamerika sind Eichhörnchen, Hirsche, überhaupt Tiere der gemäßigten Waldgegenden, aber infolge der ausgedehnten Flußsysteme und Seen auch Süßwassertiere: Flußschildkröten, Lachse, Glanzschupper, geschwänzte Amphibien, Malermuscheln u. s. w.

Über die specielle T. von Deutschland vgl. die Erläuterungen zu Karte II.

Litteratur. Alfr. Russel Wallace, The geographical distribution of animals (2 Bde., Lond. 1876; deutsch von A. B. Meyer, 2 Bde., Dresd. 1876); E. L. Trouessart, Die geogr. Verbreitung der Tiere (aus dem Französischen von W. Marshall, Lpz. 1892); Berghaus, Physik. Atlas (neue Aufl., Gotha 1886 fg., Abteilung "Tiergeographie", bearb. von W. Marshall und Reichenau).

Tierheilkunde oder Tierarzneikunde (Zooiatrik), derjenige Zweig der allgemeinen Heilkunde, der sich mit der Behandlung der Krankheiten der nutzbaren Haustiere (Pferde, Esel, Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Hunde, Katzen und Hausgeflügel) befaßt. Weiter kommt der T. die hochwichtige Bestimmung zu, die verheerenden Tierseuchen einzuschränken und zu unterdrücken (Veterinärpolizei) und durch Überwachung des Milch- und Fleischverkehrs die Übertragung der von den Haustieren auf den Menschen übergehenden Krankheiten zu verhindern (Sanitätspolizei). Die T., die sich heute dank den großen Fortschritten der letzten 30 Jahre eine ebenbürtige Stellung im Kreise der übrigen wissenschaftlichen Berufszweige errungen hat, ist erst seit etwa 100 Jahren der Gegenstand wissenschaftlicher Pflege. Vorher lag die Ausübung derselben in den Händen von Empirikern, von Schäfern, Schmieden, Abdeckern, überhaupt von Leuten, die gewerbsmäßigen Umgang mit Tieren hatten. Dennoch hatte die T. bereits im Altertum eine gewisse Blüte erreicht. Publius Vegetius Renatus, der im 4. Jahrh. n. Chr. lebte, hat das vollständigste Werk über T. ("Artis veterinariae sive mulomedicinae libri quattuor") verfaßt. Im Mittelalter gingen im Abendlande die Kenntnisse über T. verloren. Lediglich eine Reihe von Beschwörungsformeln neben