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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Timgad - Timotheus (athenischer Staatsmann)

etwa 4000 und erscheint auch in einer halbwöchentlichen und einer Wochenausgabe.

Timgad, Stadt in Algerien, s. Bd. 17.

Timid (lat.), furchtsam, zaghaft; Timidität, Furchtsamkeit.

Timnehpapagei (Psittacus carycinurus Rchw.), ein Verwandter des allbekannten Jakos oder Graupapageis (s. d.) aus dem nördl. Westafrika und mit diesem auf den Vogelmarkt gelangend. Er unterscheidet sich von ihm besonders durch seinen braunroten Schwanz und durch die geringere Größe, ist aber im Preise und Sprachtalent gleichwertig.

Timosejew, Jermak oder German, der Eroberer Sibiriens, s. Jermak.

Timok, rechter Nebenfluß der untern Donau in Serbien, entsteht aus den beiden Quellarmen Beli T. (westlich) und Trgovišti T. (östlich), von denen der letztere auf der Stara Planina entspringt, fließt nach der Vereinigung nördlich, bildet nach Aufnahme des Crni T. die Grenze zwischen Serbien und Bulgarien und mündet bei Radujevac. Seine Länge beträgt 171 km, sein Gebiet 4735 qkm. Der serb. Kreis T. (s. Karte: Rumänien u. s. w.) hat (1895) auf 2056 qkm 98 541 E. Hauptstadt ist Knjaževac (5056 E.).

Timokratie (grch.), Staatsverfassung, in der die polit. Rechte nach Vermögen und Einkommen der Staatsbürger verteilt werden.

Timoleon, Feldherr und Staatsmann, aus einer Adelsfamilie in Korinth, geb. 410 v. Chr., veranlaßte, oder ließ wenigstens zu die Ermordung seines Bruders Timophanes 364, als dieser die Tyrannis an sich reißen wollte. Von seiner Mutter wegen dieser That verflucht, zog er sich von allen Staatsgeschäften zurück, bis er 344, als die Syrakusaner gegen die Tyrannen Dionysius (s. d.) den Jüngern und Hiketas von Leontini in Korinth Hilfe verlangten, mit 10 Schiffen und 700 Söldnern nach Sicilien abging. Hier wurde er bald durch Zuzug aus der Insel verstärkt, befreite Syrakus und andere Städte, organisierte Stadt und Verfassung in Syrakus von Grund auf neu und zwang endlich die Karthager durch die Schlacht am Krimisos (343 v. Chr.) zum Frieden. Nach diesem Siege verzichtete er auf die ihm übertragene höchste Gewalt und lebte bis an seinen Tod (336 v. Chr.) als schlichter Bürger. Sein Leben und Wirken beschrieben Plutarch und Cornelius Nepos in besondern Biographien.

Timomachus von Byzanz, ein berühmter griech. Maler. Cäsar (oder Octavian?) kaufte zwei Gemälde desselben, einen rasenden Ajax und eine (unvollendete) Medea, im Begriff ihre Kinder zu ermorden, um 30 Talente (etwa 375 000 M.). Von dieser Darstellung ist wahrscheinlich eine Nachbildung in einem Gemälde aus Herculanum, jetzt im Museum zu Neapel, erhalten. Wenn er lebte ist nicht sicher; wahrscheinlich gehörte er noch der hellenistischen Zeit an.

Timon, aus Phlius im Peloponnes, der Sillograph genannt, geb. um 325, gest. um 235 v. Chr., widmete sich der Philosophie, in der er den Unterricht des Stilpon von Megara und des Pyrrhon von Elis genoß, verband aber damit, wie es scheint, das Studium der Heilkunde. Er lebte und lehrte hauptsächlich in Chalcedon und Athen, zeitweilig vielleicht auch in Alexandria. Er hat die skeptische Lehre Pyrrhos, die dieser bloß mündlich überlieferte, dargestellt und verbreitet. Unter seinen zahlreichen, teils poet., teils prosaischen Schriften zeichneten sich besonders die "Sillen" (s. d.) aus.

Timon, ein durch seinen bittern Menschenhaß bekannter Athener (daher der Misanthrop genannt), Zeitgenosse des Sokrates, stritt mit der Waffe des beißendsten Spottes gegen die damals in Athen einreißende Sittenverderbnis, vermied dabei allen Umgang mit Menschen und baute sich ein abgelegenes turmähnliches Haus. T. diente häufig den Komikern zur Zielscheibe ihres Witzes; die Komödie "Timon" von Antiphanes ist verloren, aber von Lucian in einem seiner witzigsten Dialoge, dem "Timon", benutzt; Shakespeare behandelt ihn in seinem Drama "T. von Athen". - Vgl. Binder, Über T., den Misanthropen (Ulm 1856).

Timor, die wichtigste und größte der Kleinen Sunda-Inseln (s. Karte: Malaiischer Archipel), bedeckt mit Rotti (1670 qkm), Kambing, Samao, Landu u. s. w. 32 586 qkm mit etwa 600 000 E. Die Insel weicht von den übrigen Sunda-Inseln in ihrem Bau ab. Sie wird von einer paläozoischen Gebirgskette gebildet, in welcher Kerne von Granit und krystallinischen Schiefern hervortreten, letzterer namentlich an der Nordwestküste. Der Norden und äußerste Südwesten ist tertiär; an der Südwestspitze liegen Solfataren. Im Gunung Allas erhebt sich dasselbe an der Südküste zu 3600 m. Das Gestein ist der Bebauung nicht günstig. Es herrscht Trockenheit und scharfer Gegensatz der Jahreszeiten. Doch ist T. reich an Sandelholz. Das Klima ist an der Küste sehr ungesund. Die Fauna enthält ind. und papuanische Elemente. Abgesehen von Fledermäusen und fliegenden Hunden sind drei Arten von Säugetieren sicher einheimisch: eine Kusuart, eine Spitzmaus und ein Schwein. Der gemeine Javaneraffe (Macacus cynomolgus L.), ein Hirsch und ein Rollmarder (Paradoxurus fasciatus Sh.) sind wohl durch den Menschen eingeführt. Von Landvögeln bewohnen 160 Arten die Insel. Die Insekten sind zwar nicht zahlreich, aber (besonders die Tagfalter) durch sehr schöne Formen vertreten. Das benachbarte Meer ist reich an Fischen und andern Tieren, von denen Holothurien (s. d.) einen wichtigen Handelsartikel ausmachen. Die Flora bildet einen Übergang zu Australien. Die Einwohner sind Papua, sowohl rein als mit Malaien, Chinesen, Portugiesen und Niederländern vermischt.

Der südwestl. Teil gehört den Niederländern und bildet mit Flores, Sumba, Savu, sowie Notti die Residentschaft T. Hauptort ist Kupang an der Südwestspitze. Von der Hauptinsel besitzen aber die Portugiesen die Nordosthälfte mit dem Hafenorte Deli, dem Sitze des Gouverneurs, und die nördlich gelegene Insel Kambing, zusammen 16 300 qkm mit 300 000 E. - Vgl. Bastian, Indonesien, oder die Inseln des Malaiischen Archipels, 2. Lsg.: Timor (Berl. 1885); Forbes, A naturalist's wandering in the Eastern Archipelago (Lond. 1885; deutsch von Teuscher, Jena 1885); Zondervan, T. en de Timoreezen in der "Tijdschrift van de Aardrijkskundig Genootschap", 2. Serie, Tl. 5 (1888).

Timorlaut, größte der Tenimber-Inseln (s. d.).

Timotheus, athenischer Staatsmann und Flottenführer, Sohn des Konon, Schüler des Isokrates, half wesentlich den zweiten Seebund der Athener begründen, schlug im Kriege zwischen dem mit Theben verbündeten Athen und Sparta 375 v. Chr. die peloponnes. Flotte bei Alyzia und gewann den Athenern die Inseln Kephallenia und Kerkyra und die Akarnanen und Epiroten zu Bundesgenossen. Da ihm aber infolge der Ränke seiner Gegner der Oberbefehl