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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tisza (Ludwig, Graf von) - Titanen

Rücktritt die Leitung des Finanzministeriums, wogegen er das Ministerium des Innern provisorisch an Freiherrn von Orczy abgab, legte aber 1889 beide Portefeuilles nieder, so daß er nur noch das Präsidium behielt. Den Widerstand, auf den er bei der Revision des Heimatsgesetzes stieß, nahm er zum Anlaß, um seine Entlassung einzureichen, die er 13. März 1890 erhielt. (S. Ungarn, Geschichte.) - Vgl. Visi, Koloman T. (Budap. 1880).

Tisza (spr. tissa), Ludwig, Graf von, ungar. Staatsmann, Bruder des vorigen, geb. 12. Sept. 1832 zu Geszt, wurde 1861 Mitglied des Reichstags, gehörte anfangs zur Opposition, trat später zur Deák-Partei über, wurde 1807 Obergespan des Biharer Komitats, 1869 Vizepräsident des Baurates in Budapest, 1871 Minister der Kommunikationen und öffentlichen Bauten, trat 19. Dez. 1873 zurück und wurde nach der Katastrophe von Szegedin 1879 königl. Kommissar zur Rekonstruktion der verwüsteten Stadt. Zur Belohnung für seine Thätigkeit hierbei erhielt er 1883 den Rang eines "Grafen von Szegedin", nachdem ihm schon 1869 die k. k. Kämmerers- und 1873 die Geheimratswürde verliehen war. Am 11. Nov. 1892 wurde er im Ministerium Wekerle zum Minister am königl. Hoflager ernannt, welches Amt er 11. Juni 1891 niederlegte.

Tisza-Eszlár (spr. tissa éßlahr), Groß-Gemeinde im Stuhlbezirk Gáva des ungar. Komitats Szabolcs in Ungarn, südlich von Tokaj, am linken Ufer der Theiß, hat (1890) 2091 meist magyar. E.; Ackerbau, Viehzucht, Fischerei. T. ist durch den im Juli 1883 geführten Prozeß gegen israel. Bewohner wegen angeblich ritueller Ermordung des Christenmädchens Esther Solymossy bekannt geworden, in dem die Angeklagten vom Gerichtshofe Nyiregyháza freigesprochen wurden. - Vgl. Nathan, Der Prozeß von T. (Berl. 1892).

Tisza-Földvár (spr. tissa), s. Földvár.

Tisza-Füred (spr. tissa), s. Füred.

Titan (chem. Zeichen Ti; Atomgewicht 48,1), ein metallisches chem. Element, das in seinem chem. Verhalten dem Silicium nahe verwandt ist; es findet sich, wie letzteres, in der anorganischen Natur nur mit Sauerstoff verbunden, als Titansäureanhydrid, TiO2, und in titansauren Salzen. Das reine Titansäureanhydrid kommt im Mineralreiche in drei durch ihre Krystallform in voneinander verschiedenen Mineralien, dem Rutil, Brookit und Anatas (s.diese Artikel), vor; unter ihren Verbindungen, den Titanaten, ist das Titaneisen und der Titanit (s. d.) bemerkenswert. Im Titaneisenerz (s. d.) wurde das T. 1790 von Gregor, im Rutil 1795 von Klaproth entdeckt. Es ist nur sehr schwierig und auf umständliche Weise darzustellen. Gewöhnlich erscheint es als ein dunkelgraues nicht krystallinisches Pulver vom Aussehen des mit Wasserstoff reduzierten Eisens. Es ist im höchsten Grad schwerschmelzend. Von Salzsäure wird es beim Erwärmen unter Entwicklung von Wasserstoff gelöst. Das T. gehört zu den Elementen, die sich mit Stickstoff zu in der Glühhitze beständigen Verbindungen vereinigen. In den Spalten der Eisenhochöfen, wo man titanhaltige Eisenerze verhüttet, findet man nicht selten und in ziemlicher Menge kupferrote, metallglänzende Würfel (Titan Würfel), die eine Verbindung von Titanstickstoff mit Cyantitan sind. In der Porzellandekoration benutzt man in beschränkter Weise das T. zur Erzielung gelber Farben. Auch grüne und andere Farben zum Malen und Anstreichen hat man aus T. darzustellen versucht. Die ebenfalls versuchte Anwendung des T. als Zusatz zum Stahl (Titanstahl), um diesen zu verbessern, hat sich nicht bewährt.

Titan, einer der Titanen (s. d.). - T. heißt auch der hellste der Saturnmonde.

Titanate, die Salze der Titansäure (s. Titan).

Titaneisenerz, ein eisenschwarzes, undurchsichtiges, halbmetallisch glänzendes Mineral, das mit Eisenglanz und Korund isomorph krystallisiert und rhomboedrische (teilweise nach den Gesetzen der rhomboedrischen Tetartoedrie gebildete) sowie tafelartige Individuen aufweist, von der Härte 5 bis 6 und dem spec. Gewicht 4,5 bis 5,2. In chem. Hinsicht sind die verschiedenen Varietäten des T. (Ilmenit, Iserin, Kibdelophan, Washingtonit, Crichtonit) wesentlich titansaures Eisenoxydul mit einer Beimischung von mehr oder weniger Eisenoxyd, also entsprechend der allgemeinen Formel x FeTiO3 + y Fe2O3; manchmal enthält das Erz auch mehr oder weniger Magnesia, d. d. es ist MgTiO3 hinzugemischt. Vorkommnisse von Krystallen oder größerer körniger und schaliger Massen finden sich zu Harthau bei Chemnitz, Hofgastein, Aschaffenburg, im Tiroler Stubaithal, bei Bourg d'Oisans in der Dauphiné, zu Arendal, Egersund, Tvedestrand in Norwegen, Litchfield in Connecticut, am Ilmensee bei Mijaßk (Orenburg). Eine große Verbreitung besitzt aber das T. als makro- und mikroskopischer Gemengteil vieler Gesteine, z. B. von Doleriten, Diabasen, Gabbros, Melaphyren u. s. w., auch krystallinischer Schiefer, wo seine oft sechsseitigen Tafeln sehr häufig in eine schmutzig-grauweiße Substanz (Leukoxen, Titanomorphit) verändert erscheinen, die ein manchmal feine Rutilprismen enthaltendes Aggregat von Titanit ist. Auch Anatas geht sekundär aus einer Umwandlung des T. hervor. Anhäufungen von rundlichen losen Körnern des T. finden sich an der Iserwiese im Riesengebirge (Iserin), Ablagerungen von Titaneisenerzsand in Cornwall (Menaccanit) sowie in großer Menge an der Ausmündung des Moisieflusses und anderer Zuflüsse des St. Lorenz in Canada.

Titanen, nach der mytholog. Anschauung der Griechen ein uraltes Göttergeschlecht, Kinder des Uranos (s. d.) und der Gaia. Auf Anstiften der Gaia stieß einer der T., Kronos, den Vater vom Throne und entmannte ihn, worauf Uranos seine Kinder verfluchte. Der Fluch ging in Erfüllung, indem Zeus, der Sohn des Kronos, nach langem und hartnäckigem Kampfe, der sog. Titanomachie, welche von spätern griech. und röm. Dichtern öfters mit der Gigantomachie (s. Giganten) vermengt wird, mit Hilfe der Hekatoncheiren und der Kyklopen den Kronos und die übrigen T. besiegte, sie (mit Ausnahme des Okeanos, der auf seiten des Zeus im Kampfe stand) in den Tartaros hinabstürzte, wo sie, gefesselt, von den Hekatoncheiren bewacht wurden, und nun die neue Weltordnung unter der Herrschaft der olympischen Götter begründete. Name und Zahl der T., die Personifikationen gewaltiger, einer geregelten Weltordnung vielfach widerstrebender Naturkräfte sind, werden von den Alten verschieden angegeben. Nach Hesiods Angabe sind es zwölf, sechs männliche (Okeanos, Koios, Kreios, Hyperion, Iapetos und Kronos) und sechs weibliche (Theia, Rhea, Tethys, Phoibe, Mnemosyne und Themis), während sonst auch Prometheus, Atlas, Aigaion, andererseits Helios, Selene, Hekate u. a. den Namen T. führen.