Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Titĭes; Titillation; Titisee; Titius; Titlis; Titre; Titrieren; Tittmoning; Titulār; Titulārbischöfe; Titulārrat; Titulatūr; Titŭrel; Titurieren; Titus

870

Tities - Titus (römischer Kaiser)

standen haben, da Wassermarken an den Ufern festzustellen sind. Er enthält viele, meist hohe Inseln und empfängt zahlreiche Bergströme, deren Sand, Schlamm und Geröll seinen Umfang von Jahr zu Jahr verringern. Ungeachtet der hohen Lage sind die Ufer dennoch angebaut, auch finden sich Überreste altperuan. Baukunst. Am berühmtesten ist die Insel Titicaca, nach der der See benannt ist, mit Resten eines Palastes und des Sonnentempels. Bei dem Dorfe Tiahuanaco in Bolivia liegen Ruinen riesiger Bauten. Der einzige Abfluß ist der Desaguadero. Der See wird mit Dampfbooten befahren. Das Wasser hat einen kaum merklichen Salzgeschmack und birgt sieben oder acht eigentümliche Arten von Fischen. - Karte von Baluarte 1:500000 (Lima 1893).

Titĭes, nach der Überlieferung die Tribus der Sabiner, eine der drei ersten Tribus in Rom.

Titillation (lat.), Kitzel, Kitzelempfindung.

Titisee, schön gelegener See im Schwarzwalde, am Ostfuß des Feldberges, 850 m u.d.M., 1,25 km lang und bis 40 m tief; an seinem Ostende zwei vielbesuchte Gasthäuser.

Titius, Fluß, s. Kerka.

Titlis, Bergstock der Dammagruppe in den Berner Alpen (s. Westalpen), aus Kalkstein der mittlern Juraformation bestehend, erhebt sich südlich vom Engelbergcr Thal (s. d.) auf der Grenze der schweiz. Kantone Bern und Unterwalden zu 3239 m Höhe. Nach O. und S. fällt er steil mit kahlen Felswänden ab, dagegen gestattet der allmählich sich abdachende, vergletscherte Nordwestabhang leichten Anstieg. Der höchste Gipfel, eine abgerundete Firnkuppe, der Nollen genannt, gewährt eine prächtige Rundsicht.

Titre (frz., spr. titr), s. Titer; auch franz. Bezeichnung für Korn (s. Schrot und Korn).

Titrieren (frz.), die Ermittelung der quantitativen Zusammensetzung einer chem. Verbindung mittels der Titrieranalyse (s. Analyse).

Über T. der Seide s. d.

Tittmoning, Stadt im Bezirksamt Laufen des bayr. Reg.-Bez. Oberbayern, links an der Salzach, in 370 m Höhe, an der Nebenlinie Freilassing-T. (36,9 km) der Bayr. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Traunstein), hat (1895) 1590 kath. E., Postexpedition, Telegraph, ein Schloß mit Park und wird als Sommerfrische besucht.

Titulār (vom lat. titulus), nur dem Titel nach; häufig in zusammengesetzten Wörtern.

Titulārbischöfe, s. In partibus (infidelium).

Titulārrat, jeder Ratstitel, der kein bestimmtes Amt anzeigt; dahin gehören z. B. der Amts-, Hof-, Kanzlei-, Kommerzien-, Kommissions-, Rechnungsrat. Der T. rangiert im Königreich Preußen und im Deutschen Reiche mit der fünften Rangklasse der Räte, der Geheime Hof-, Kommerzienrat u. s. w. in der vierten Rangklasse.

Titulatūr (neulat.), das Prädikat, welches jemand seinem Stand und Amt gemäß, besonders in der Anrede, erhält.

Titŭrel, der Urgroßvater des Parzival (s. d.), der erste König vom Heiligen Gral (s. d.), dessen Tempel er auf Monsalwäsche (mons silvaticus, "Waldberg", mißverstanden als mons salvationis, "Berg des Heils") baute und dessen Rittertum er gründete. Nach seinem zufällig in der ersten Zeile des Gedichts vorkommenden Namen benannte man bereits im Mittelalter die beiden herrlichen Lieder,

^[Spaltenwechsel]

die Wolfram von Eschenbach voll der Liebe Schionatulanders und Sigunens, der Pflegeschwester Parzivals, gedichtet hatte. Eben jene Unvollständigkeit des sog. "Ältern T." reizte um 1270 einen gewissen Albrecht (nicht Albrecht [s. d.] von Scharfenberg) zur Fortsetzung; er verleibte Wolframs echte Strophen seinem ungeheuren, in der durch Binnenreime verkünstelten Titurelstrophe verfaßten "Jüngern T." ein. In unerträglicher Breite (mehr als 6000 Strophen) und in verzwickt gelehrter, dunkler und schwülstiger Darstellung führt Albrecht alle die Andeutungen, die Wolfram in seinen Epen giebt, mit vielen eigenen Erfindungen zu einer umfänglichen langweiligen Geschichte des Grals bis zu seinem Zuge nach Indien zum Priester Johannes sowie zu einer öden Schilderung der Abenteuer Schionatulanders und Gahmurets aus; am besten ist noch die Schilderung des Graltempels, nach der Kaiser Ludwig der Bayer in Ettal ein Ritterstift bauen ließ. Der alte Druck des "Jüngern T." von 1477 ist brauchbarer als die Ausgabe Hahns (Quedlinb. 1842); Auszug im 2. Bde. von San-Martes "Leben und Dichten Wolframs von Eschenbach" (Magdeb. 1841). - Vgl. Zarncke, Der Graltempel, Vorstudie zu einer Ausgabe des Jüngern T. (Lpz. 1876).

Titurieren, eine Operation der Amalgamation.

Titus, Flavius Vespasianus, röm. Kaiser (79-81), der ältere Sohn seines Vorgängers und gleichnamigen Vaters, zur Unterscheidung mit dem Vornamen T. benannt, während dem Vater der Zuname Vespasianus (s. d.) als gewöhnlicher Name gegeben wird, wurde 30. Dez. 41 n. Chr. geboren und am Hofe Neros mit Britanniens, mit dem er eng befreundet war, erzogen. Frühzeitig zeichnete sich T. durch litterar. Bildung, als geschickter Sachwalter und auch im Kriege als Tribun in Germanien und Britannien aus. Als Vespasian 67 nach Syrien gesendet wurde, um die Empörung der Juden zu unterdrücken, begleitete ihn T. und blieb, während sein Vater 69 Palästina verließ, um sich der Kaiserwürde zu bemächtigen, zur weitern Führung des Krieges zurück. Er beendete diesen durch die Eroberung und Zerstörung Jerusalems im Herbst 70. Nachdem T. mit seinem Vater in Rom einen prächtigen Triumph gefeiert hatte, dessen Gedächtnis der noch stehende sog. Titusbogen verewigt, wurde er früh zur Teilnahme an der Regierung gezogen. Nach Vespasians Tode folgte ihm T. ohne Schwierigkeit. Die ihm entgegengebrachte Gunst des Volks wußte er geschickt zu steigern. Er löste das unpopuläre Liebesverhältnis mit der syr. Prinzessin Verenice. Die Verfolgungen wegen Majestätsverbrechen hörten unter ihm auf, die Delatoren wurden unter entehrenden Strafen aus der Stadt vertrieben. Bei den schweren Unglücksfällen, die Rom und Italien unter seiner Regierung heimsuchten, der Verschüttung der Städte Herculaneum und Pompeji durch einen Vesuvausbruch, 24. Aug. 79, bei einer großen dreitägigen Feuersbrunst in Rom, die das Kapitol und den schönsten Teil der Stadt in Asche legte (80), griff er thatkräftig ein. Die von seinem Vater begonnenen Riesenbauten, das Kolosseum und die nach T. benannten Thermen anf dem Esquilin, führte er zu Ende und weihte sie mit rauschenden Festen ein (81). Kurz danach, 13. Sept. 81, starb T., der längst kränkelte, am Fieber. Die Mit- und Nachwelt hat T. als das Ideal eines Herrschers gefeiert: Liebe und Lust des Menschengeschlechts (amor et deliciae generis humani) nennt ihn sein Zeitgenosse und