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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tjalk - Tlaloc

deckt den Fehltritt der Kallisto (in Madrid; Wiederholungen in Wien und in der Bridgewater-Galerie zu London), Das Bacchanal (in Madrid und im Palast Pitti zu Florenz), Danae auf ihrem Lager (mehrfach wiederholt: im Museum zu Neapel [1545], Madrid, Wien, Petersburg), Diana und ihre Nymphen im Bade von Aktäon überrascht (1559; London, Bridgewater-House). Sodann gehören hierher die Venusbilder T.s, deren Hauptmotiv gewöhnlich die ganz oder teilweise unbekleidete weibliche Gestalt ist, aber dargestellt in einer verklärten Sinnlichkeit, Hoheit der Auffassung und einer Absichtslosigkeit, daß die Vorwürfe dem Schönheitsideal der Antike während der klassischen Epoche gleichkommen, und in einer so zarten Farbenbehandlung, daß die schwellenden Formen von glühendem Leben durchpulst erscheinen. Berühmt ist die Venus auf einem Ruhebett mit Amor und einem Lautenspieler (Fitzwilliam-Museum zu Cambridge, Kopie in der Dresdener Galerie); sodann ragen hervor: die sog. Venus von Urbino (wahrscheinlich die Herzogin Eleonora von Urbino, um 1537; Tribuna der Uffizien zu Florenz), Venus und Adonis (Madrid, Pradomuseum; alte Kopie in der Londoner Nationalgalerie), das obengenannte Venusfest, Ausrüstung Amors durch Venus und die Grazien (um 1560; Rom, Galerie Borghese), Toilette der Venus (1563; Eremitage zu Petersburg), endlich auch Venus mit Bacchantin und Satyrn (Alte Pinakothek zu München). An diese Werke reihen sich einige poet. Bilder allegorischen Inhalts, wie: Himmlische und irdische Liebe, d. i. zwei auf dem Rande eines Marmorsarkophags sitzende weibliche Gestalten, von denen die eine nackt, die andere ganz bekleidet (Galerie Borghese zu Rom) und die Drei Menschenalter (London, Bridgewater-House).

Mit seiner Meisterschaft in der würdevollen und ruhigen Darstellung menschlicher Schönheit hängt es auch zusammen, daß T. eine der ersten Stellen unter den Bildnismalern aller Zeiten einnimmt. Berühmte Gemälde, wie die sog. "Maitresse du Titien", d. i. Junge Frau am Putztisch, hinter ihr ein Mann mit zwei Spiegeln (um 1520; im Louvre), die sog. Flora, d. i. Venetianerin beim Ankleiden, mit Blumen in der Hand (Uffizien in Florenz), die sog. Bella di Tiziano (um 1535; im Palast Pitti zu Florenz; Stich von Perfetti), beweisen ebenso wie auch die genannten Venusbilder, in welch hohem Grade T. es verstand, die ideale Schönheit mit dem Reize des Persönlichen auszustatten. Unter den wirklichen Porträten stehen obenan T.s Selbstbildnis (unfertig; im Berliner Museum) und die Bildnisse seiner Tochter Lavinia: mit der Fruchtschale auf erhobenen Händen (Berliner Museum), als Tochter der Herodias (Pradomuseum zu Madrid), als Büßende Magdalena (Eremitage zu Petersburg), als Neuvermählte (1555 vermählt mit Cornelio Sarcinelli) und als reifere Frau (letztere beide in der Dresdener Galerie), etwa 40 J. alt (im Hofmuseum zu Wien). Sodann interessieren die Bildnisse der kaiserl. Familie, zunächst: Kaiser Karl V. zu Pferde in der Schlacht bei Mühlberg, stehend mit Dogge (beide im Museum zu Madrid), alt im Lehnstuhl sitzend (1548; Münchener Pinakothek), dann seine Gemahlin Isabella von Portugal (Museum in Madrid), König Philipp II. (ebenda). Ferner sind unter den Bildnissen hervorzuheben: Francesco Maria della Rovere, Herzog von Urbino und seine Gemahlin Eleonora Gonzaga (1537; Uffizien zu Florenz), Kurfürst Johann Friedrich der Großmütige von Sachsen, T.s Arzt Parma (beide im Hofmuseum zu Wien), Pietro Aretino (1545; Palast Pitti zu Florenz). Endlich sind zu nennen der sog. L'homme au gant, d. i. junger Mann in schwarzer Tracht mit Handschuhen (Louvre zu Paris), das nach demselben Modell wie die berühmte Venus und die Bella gemalte Bildnis eines Mädchens im Pelz (Hofmuseum in Wien), die sog. Eitelkeit des Irdischen, d. i. schönes Weib eine verglimmende Kerze haltend (Alte Pinakothek zu München).

Noch mehrere Angehörige der Familie widmeten sich der Malerei, so T.s Sohn Orazio Vecellio, der sich an vielen der spätern Werke des Vaters beteiligte und gleichzeitig mit ihm 1576 der Pest erlag; Francesco Vecellio, T.s Bruder, der in verschiedenen Städten des Friaul thätig war; Cesare Vecellio, T.s Vetter, der mit ihm in Augsburg war und ein interessantes Trachtenbuch: "Abiti antichi e moderni", zusammenstellte; endlich Marco Vecellio, ein jüngerer Atelierschüler des großen Meisters. - Von Einfluß war T. insbesondere auf Paris Bordone, Schiavone, Tintoretto, Paolo Veronese und Bassano. - Vgl. Crowe und Cavalcaselle, Biographie T.s (deutsch von M. Jordan, 2 Bde., Lpz. 1877); Jordan in Dohmes "Kunst und Künstler", Bd. 3 (ebd. 1879); Lafenestre, La vie et l'œvre du T. (Par. 1886); Knackfuß, Tizian (Bielef. 1897).

Tjalk, Holland. Lastschiff, s. Schmack.

Tjendana, Tschindana, Insel im Indischen Ocean, s. Sumba.

Tjettek, s. Pfeilgifte.

Tjost, Ritterkampfspiel, s. Buhurt.

Tjuk-karasu, Meerbusen, s. Mertwyj Kultúk.

Tjumen (spr. -ménj). 1) Bezirk im westl. Teil des russ.-sibir. Gouvernements Tobolsk, im Gebiet des Tobol (mit der Tura und Tawda), hat 18 239,4 qkm, darunter 591 qkm Seen, 101 256 E.; Getreide-, Flachs-, Hanfbau, Seilerei, Herstellung von Holzwaren, Glas-, Tuchfabriken und Gerbereien. - 2) Bezirksstadt im Bezirk T., an der Mündung der Tjumenka in die Tura und an der Linie Jekaterinburg-T. der Uraleisenbahn, hat (1897) 29 588 E., 13 Kirchen, Mönchskloster, Realschule, Mädchengymnasium, 2 Buchdruckereien, 2 Buchhandlungen, 4 Banken (darunter eine Filiale der Russischen Reichsbank), 2 Flußhäfen (mit Dampfschiffahrtsverbindung); Herstellung von Teppichen, 150 industrielle Etablissements, darunter Gerbereien, Seilereien, Eisengießerei, Zündhölzchenfabrik u. a., und bedeutenden Transithandel von und nach Sibirien, indem hier die Waren vom Wasser- zum Landtransport oder umgekehrt übergehen. T. ist die älteste von den Russen 1586 in Sibirien gegründete Stadt.

Tkwibuli, Ort im russ. Gouvernement Kutais in Transkaukasien, am Dsewruli und an der Linie Rion-T. (52 km) der Transkaukas. Eisenbahn, hat in der Umgebung Steinkohlenlager von 12 bis 15 m Mächtigkeit, die zu Tage liegen. Produktion 1892: 949 292 Pud.

Tl, chem. Zeichen für Thallium (s. d.).

Tlacotalpan, Stadt im mexik. Staate Veracruz, an der Mündung des Papaloaban in einen Strandsee des Golfs von Campeche, hat etwa 10 000 E.

Tlalhuica, Volksstamm, s. Nahua.

Tlaloc, mexik. Gott, s. Huitzilopochtli.