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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tobias - Tobler

wurde 1880 für die Berliner Nationalgalerie angekauft. Er modellierte auch das Reiterstandbild Friedrich Barbarossas für das Kaiserhaus in Goslar, im Auftrage des Kaisers die Statue Friedrichs d. Gr. (Jugendbild) für das Schloß zu Berlin.

Tobias, in der griech. Bibel Tob, Name einer unter den Apokryphen des Alten Testaments erhaltenen Erzählung mit moralischer, belehrender Tendenz. Derselbe behandelt die Geschichte eines frommen Juden Namens Tobiel vom Stamme Naphtali (in Luthers Übersetzung ebenfalls T.) und seines Sohnes T. Der Vater ist unter Salmanassar deportiert worden, doch ist es ihm und seinem Weibe Anna immer gelungen, streng nach den Bestimmungen des Gesetzes zu leben. Weil er von Sanherib hingerichtete Landsleute begräbt, muß er fliehen. Nach Sanheribs Tode trifft ihn das Unglück zu erblinden. Um eine alte Schuld von einem frühern Geschäftsfreunde einzufordern, sendet er seinen Sohn T. unter allerlei frommen Ratschlägen nach Rhages in Medien, wohin sich diesem der Engel Raphael als Begleiter anbietet. Unterwegs badet sich T. im Tigris, wobei er einen Fisch fängt. Auf Raphaels Geheiß schneidet er diesem Herz, Leber und Galle heraus und nimmt sie mit. Sie kommen nach Ekbatana und übernachten bei Raguel, der in T. einen Verwandten erkennt. Raguels Tochter Sara ist ebenfalls von unverschuldetem Unglück betroffen worden. Sieben ihrer Männer sind nacheinander in der Brautnacht von dem bösen Geiste Asmodi (s. d.) getötet worden, und die Rede geht, Sara selbst sei die Mörderin. Da wird der junge T. mit Hilfe des Engels Raphael zum Retter der Jungfrau und seines Vaters. Er nimmt Sara zum Weibe und vertreibt den bösen Geist in der Brautnacht durch den Rauch des auf glühende Kohlen gelegten Herzens des Fisches. Den Auftrag des Vaters führt an seiner Stelle der Engel Raphael aus. Nach der glänzenden Hochzeitsfeier kehrt T., mit der Hälfte der Habe seines Schwiegervaters beschenkt, nach Ninive zurück und heilt die Blindheit des Vaters mit der Galle des Fisches. Sein Begleiter giebt sich, als er belohnt werden soll, als ein Engel zu erkennen und verschwindet. Die Erzählung von T. gehört zweifellos in die spätjüd. Zeit, wie schon die ausgebildeten Vorstellungen von Engeln und Dämonen, aber auch die überall durchblickende gesteigerte gesetzliche Strenge zeigt, die an pharisäische Anschauungen erinnert. Doch dürfte sie noch vor Erbauung des Tempels des Herodes geschrieben sein. Eine geschichtliche Grundlage ist nicht anzunehmen. Es ist auch ein chaldäischer Text erhalten, doch ist er nicht die Grundlage des griechischen. Kommentare lieferten Fritzsche (Lpz. 1853) und Zoeckler (Münch. 1891). - Vgl. Schürer, Geschichte des jüd. Volks im Zeitalter Jesu Christi, Bd. 2 (Lpz. 1886): Rosenmann, Studien zum Buche Tobit (Berl. 1894).

Tobiasfisch, s. Sandaale.

Tobit, griech. Schreibung für das biblische Buch Tobias (s. d.).

Tobitschau, slaw. Tovačov, Stadt im Gerichtsbezirk Kojetein der österr. Bezirkshauptmannschaft Prerau in Mähren, an der March, hat (1890) 2632 meist czech. E., zwei kath. Kirchen, Synagoge, ein ehemals befestigtes Schloß, Sitz des Geschlechts der Herren von Cimburg. Bei T. wurde 15. Juli 1866 die Avantgardenbrigade des 8. österr. Korps von der preuß. Brigade Malotki, welche der Kavalleriedivision Hartmann zu einer Rekognoszierung die Defilés öffnen sollte, angegriffen und zurückgedrängt, wobei drei Eskadrons des Kürassierregiments Nr. 5 18 feuernde Geschütze nahmen.

Tobitschauer Rechtsbuch (czech. Kniha Tovačovská), eine Beschreibung der Rechtsgebräuche in Mähren, die 1481 von Ctibor von Cimburg und Tobitschau verfaßt und 1186-89 verbessert wurde. (S. Czechisches Recht.) Das T. R. wurde zuerst herausgegeben von Demuth (Brünn 1858), kritisch von Vincenz Brandt (ebd. 1868).

Toblach, Dorf im Gerichtsbezirk Welsberg der österr. Bezirkshauptmannschaft Bruneck in Tirol, auf dem Toblacher Felde, der Wasserscheide zwischen Rienz und Drau, an der Linie Villach-Franzensfeste der Österr. Südbahn, hat (1890) 1035, als Gemeinde 1626 E., ein großes Hotel der Südbahn und wird als Ausgangspunkt für den Besuch des Thals von Ampezzo benutzt.

Toblacher Feld, s. Pusterthal und Toblach.

Tobler, Adolf, Romanist, geb. 23. Mai 1835 in dem Dorfe Hirzel (Kanton Zürich), wo sein Vater, Salomon T. (geb. 1794, gest. 1875 zu Zürich), besonders durch die epischen Dichtungen "Die Enkel Winkelrieds" (Zur. 1837) und "Columbus" (ebd. 1816) litterarisch bekannt, damals Pfarrer war. T. studierte in Zürich und Bonn und lebte seit 1857 meist zu Rom, in Toscana und zu Paris, bis er 1861 die Stelle eines Lehrers an der Kantonsschule zu Solothurn erhielt. 1866 siedelte er als Gymnasiallehrer nach Bern über, wo er sich im Frühjahr 1867 an der Universität habilitierte. Bereits im Herbst desselben Jahres folgte er einem Rufe als Professor der roman. Sprachen nach Berlin. Seit 1881 ist er Mitglied der Berliner Akademie der Wissenschaften. T. ist einer der gründlichsten Forscher auf dem Gebiete der roman. Sprachen. Unter seinen Arbeiten sind hervorzuheben: die Ausgabe der altfranz. Dichtungen des Jehan de Condet (Stuttg. 1860), "Bruchstück aus dem Chevalier au Lyon" (Soloth. 1862), "Mitteilungen aus altfranz. Handschriften" (Lpz. 1870), "Die Parabel von dem echten Ringe" (ebd. 1871; 2. Aufl. 1884), "Vom franz. Versbau alter und neuer Zeit" (ebd. 1880; 3. Aufl. 1894; in franz. Übersetzung, Par. 1885), "Vermischte Beiträge zur franz. Grammatik" (Lpz. 1886 u. 1894), die Ausgabe des altfranz. Gedichtes "Li proverbe au vilain" (ebd. 1895), Ausgaben altital. Sprachdenkmäler in den "Abhandlungen" der Berliner Akademie und Beiträge zu gelehrten Zeitschriften.

Tobler, Ludw., Germanist, Bruder des vorigen, geb. 1. Juni 1827, war von 1866 bis 1872 Professor an der Universität in Bern, dann an der in Zürich, wo er 19. Aug. 1895 starb. Er veröffentlichte eine Schrift "über die Wortzusammensetzung" (Berl. 1868) und eine Sammlung "Schweiz. Volkslieder" (2 Bde., Frauenf. 1882-84). Seit 1881 gab er mit F. Staub das "Schweiz. Idiotikon" heraus, dessen erster Band 1885 vollendet wurde. Seine "Kleinen Schriften zur Volks- und Sprachkunde" gaben Bächtold und Bachmann (Frauenf. 1897) heraus.

Tobler, Titus, schweiz. Gelehrter, geb. 25. Juni 1806 zu Stein im Kanton Appenzell, studierte zu Zürich, Wien, Würzburg und Paris Medizin, wirkte dann in seiner Heimat als Arzt und lebte seit 1840 zu Horn im Kanton Thurgau. Hier zur Revision der Thurgauer Verfassung mitberufen, wurde er 1853 von der Landesgemeinde von Appenzell-Außerrhoden zum Mitglied des Nationalrats ernannt.