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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Tokiobai; Tokkieren; Tököly; Tokushima; Tola; Tolbiăcum; Toldy

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Tokiobai - Toldy

westl. Hälfte geteilt, sowie von einer Anzahl breiter und tiefer, wohl unterhaltener Kanäle durchflossen. Von den vielen meist hölzernen Brücken sind die Niponbashi (d. h. Japanbrücke), Azumabashi (jetzt Kettenbrücke) und Riogokubashi zu nennen. T. besteht aus 15 Stadtteilen, von denen zwei, Hondsho und Fukagawa, auf dem östl. Ufer des Sumidagawa liegen. Das Ooshiro oder Schloß ist mit einem breiten Graben und einer hohen und dicken Mauer umgeben und enthält jetzt die Residenz des Kaisers, einen Komplex von Wohngebäuden, prachtvollen Gärten u. s. w. Diesen Teil umgiebt gürtelförmig und mit Ringmauer und Gräben versehen das Sotoshiro, worin sich früher die Quartiere der frühern Reichsvasallen (Daimio) sowie der Hatamoto befanden, die jetzt modernen Gebäuden, wie Ministerien u. s. w., Platz gemacht haben. Ringsherum breitet sich die übrige Stadt aus, deren oft unregelmäßige Straßen in manchen Teilen, z. B. dem vornehmsten Teil, dem Westen, Hohlwege bilden. Nahe der Mündung des Sumidagawa liegt das Fremdenviertel Tsukidshi, wo die Fremden allein Landbesitz erwerben dürfen. Die schönsten Parkanlagen sind der Ujenopark im Norden mit Museum und einer Rennbahn sowie der Shibapark im Süden mit den Gräbern von sechs Shogunen. Die wichtigsten Straßen sind die Ginza und deren Fortsetzungen nach beiden Seiten mit Kaufläden europ. Stils, die Nakadori mit den Verkaufsstellen japan. Kuriositäten, deshalb auch Curiostraße genannt, die Nagata-tschu mit den Residenzen der meisten europ. Diplomaten u. s. w. Der beste Bazar in T. ist der Kwankoba (d. i. Bazar) am Nordeingang in den Shibapark. Es befinden sich in T. 2 engl., 1 amerik., 1 röm.-kath., russ.-orthodoxe und deutsch-evang. Kirche. Von den zahlreichen Tempeln sind erwähnenswert: im Stadtteil Asakusa der Tempel des Kwannon, dessen Bild aus dem 6. Jahrh. v. Chr. stammen soll. Der ihn umgebende Garten (Asatusa Koëntschi) ist der Hauptvergnügungsort für die mittlern und untern Klassen und enthält einen 1890 erbauten, in 12 Stockwerken 70 m hohen Turm. Der Shokonsha oder Jasukuni, 1869 errichtet, ist ein Shintotempel modernster Art, im strengsten Sinne des Shintoismus gehalten und deshalb fast leer. Der berühmte buddhistische Tempel Eko-in am linken Ufer des Sumidagawa wurde 1657 zur Erinnerung an eine Feuersbrunst gebaut, der über 100000 Menschen zum Opfer gefallen sein sollen. Er ist die Hauptverehrungsstätte der Toten, besorgt aber auch Totenfeiern für Haustiere. Der Higashi Hongwandschi, gewöhnlich Monseki genannt, ist der ungeheure Haupttempel der buddhistischen Montosekte. Der Confuciustempel Seido, ein prächtiges Beispiel chines. Stils, enthält jetzt ein Unterrichtsmuseum. Shogunengräber befinden sich auch in zwei Tempeln in der Nähe des Ujenoparks, wovon besonders der zweite ein prächtiges Gebäude in Gold und blendenden Farben ist. Im NO. der Stadt befindet sich der Joshiwara, das staatlich überwachte Quartier der Freudenmädchen. Seit 1885 hat T. ein Elektricitätswerk und seit 1890 Telephonanlage. Eine eigentümliche Erscheinung in den Straßen sind die Jinrikisha, d. h. leichte, zweiräderige, von einem Mann gezogene Fuhrwerke, die mehr und mehr an die Stelle der Sänften getreten sind. Auch finden sich seit 1882 Pferdebahnen. Von den zwei Bahnhöfen liegt der Shimbashibahnhof im Süden, der Ujenobahnhof im Norden, ersterer für die Linie nach Jokohama und die Südbahn, letzterer für die Nordbahn. Beide sind miteinander verbunden durch die Tokio-Akabane-Verbindungsbahn, meist Ringbahn genannt, mit mehrern Stationen in den Vororten der Stadt; von einer derselben führt eine Zweiglinie nach Hatschiotschi im W. von T. Die Universität von T., bis 1896 die einzige des Landes, zählte Ende Juni 1896: 86 Professoren, 28 Docenten und 1588 Studierende. Sie zerfällt in 6 Fakultäten, 36 Abteilungen und 127 verschiedene Fächer. - T. wurde 1456 gegründet, blieb aber bis Ende des 16. Jahrh, unbedeutend und ist recht eigentlich eine Schöpfung der Shogune der letzten Dynastie, welche 1590 ihren Wohnsitz dorthin von Suruga verlegten. T. ist seit 1869 dem Fremdenverkehr geöffnet, doch ist Jokohama, mit dem es schon seit 1872 durch eine Eisenbahn verbunden ist, als der eigentliche Hafen für den Handel mit dem Auslande anzusehen. Am 20. Juni 1894 wurde T. von einem verheerenden Erdbeben heimgesucht.

Tokiobai, s. Tokio.

Tokkieren (vom ital. toccare, berühren), in der Malerei die Farben in kurzen Pinselstrichen auftragen, wobei der Pinsel fast wie ein Bleistift in Anwendung gebracht wird.

Tököly, Emmerich, Graf von, ungar. Parteigänger von serb. Abkunft, geb. 1656 auf dem Schlosse Kesmark in Ungarn, floh nach dem Tode seines Vaters (1670), der als Teilnehmer an der ungar. Magnatenverschwörung (s. Frangipani) geächtet war, nach Siebenbürgen, focht seit 1678 an der Spitze der ungar. Mißvergnügten gegen Leopold I. und eroberte mehrere Festungen und Bergstädte, so daß der Kaiser 1681 auf dem Reichstag zu Ödenburg mit ihm unterhandelte. Trotzdem begannen die Unruhen von neuem, die insgeheim von den Türken unterstützt wurden. T. eroberte 1682 Kaschau, und als der Krieg zwischen dem Kaiser und der Pforte offen ausbrach, ließ er sich von dem Sultan zum Fürsten von Oberungarn ernennen und zog mit den Türken gegen Wien (1683). Obgleich die österr. Armee siegreich in Ungarn vordrang, setzte T. den Krieg mit wenigen Getreuen fort, wurde aber 17. Aug. 1684 in seinem Lager überfallen und konnte sich nur mit Mühe retten. Von nun an war T. ohne festen Boden in Ungarn. Nach einem erfolglosen Einfall in Siebenbürgen (1690), zu dessen Fürsten ihn die Pforte bestimmt hatte, schlug er im Jan. 1691 den Prinzen August von Hannover bei Teres, mußte aber bald aufs neue in die Walachei zurückweichen. Bei der Niederlage der Türken bei Slankamen 1691 befehligte T. die türk. Reiterei, und auch später nahm er fortdauernd an allen Kämpfen der Türken gegen Österreich teil; 1699 begab er sich nach Konstantinopel. Der Sultan verlieh ihm mehrere Güter und den Titel eines Fürsten von Vidin. Er starb 1705 auf einem Landgute bei Nikomedien in Kleinasien.

Tokushima, Hauptstadt des gleichnamigen Regierungsbezirks, größte Stadt auf der japan. Insel Shikoku, an der Mündung des Josinagawa, war Sitz des Daimio Hachis(u)ka und hat (1896) 59997 E.

Tola, brit.-ostind. Gold- und Silbergewicht = 180 engl. Troygrän = 11,6638 g.

Tolbiăcum, lat. Name von Zülpich (s. d.).

Toldy, Franz, eigentlich Schedel, ungar. Litterarhistoriker, geb. 10. Aug. 1805 in Ofen, studierte in Pest Philosophie und Medizin und wirkte einige Zeit als Bezirksarzt in Pest, wandte sich aber bald ausschließlich litterar. Studien zu. Er ging 1829