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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tolubalsam - Tomaschow

wohner. Auch der Charakter der Altertümer macht es zweifellos, daß es eine nahuatlakische Ansiedelung war, die dort in alter Zeit bestanden und geblüht hat und deren Bedeutung sich den mexik. Völkern und den mit diesen in Berührung kommenden anderssprachigen Nationen so tief eingeprägt hat. Als Gott der Tolteken wird neben dem alten Licht- und Himmelsgott (Tonacatecutli oder Ometecutli) Quetzalcoatl, der Windgott und der Gott der Priester, angegeben. (S. auch Amerikanische Rasse.)

Tolubalsam (Balsamum Tolutanum), der halbflüssige oder erhärtete Harzbalsam von Myroxylon toluiferum H. et B. (s. Myroxylon). Es werden in die Bäume Löcher gebohrt, aus denen der Balsam ausfließt; man fängt ihn in Kalabassen auf. Der T. ist im Handel in der Regel halbweich, rotbraun und durchscheinend, in der Hand schon erweichend und dann knetbar. Der Geruch ist höchst angenehm, an Vanille und Benzoe erinnernd, der Geschmack ist aromatisch, seine Dichte = 1,2. Bei längerm Aufbewahren erstarrt er völlig und geht in eine spröde Masse über. Er löst sich in Aceton, Alkohol, Chloroform, Essigsäure und Alkalilauge, Schwefelkohlenstoff löst ihn nur zum Teil. Es findet sich in dem T. ein Kohlenwasserstoff von der Zusammensetzung des Terpentinöls, des Tolen und außerdem Cinnameïn (der Benzyläther der Zimmetsäure). Bei der trocknen Destillation liefert er unter anderm das Toluol (s. d.). Der T. wird besonders zu Parfümeriezwecken benutzt. Import hauptsächlich über Hamburg, London und Neuyork in Blechdosen. Wert im Großhandel (1897) 5,6‒8,5 M. das Kilogramm.

Tolūca, das alte Toloccan, Hauptstadt des Staates Mexiko, 45 km südwestlich von der Bundeshauptstadt Mexiko, 2260 m ü. d. M., ostnordöstlich von dem 4500 m hohen Nevado de T., einem ausgebrannten Vulkan, wahrscheinlich aus Hornblendeandesit, dessen mit Schnee bedeckter Gipfel einen Kratersee trägt. T. liegt an der Eisenbahn Mexiko-T.-Morelia, ist regelmäßig gebaut, hat (1895) 23648 E. und ist bekannt durch seine Aktienbrauerei, Baumwollspinnerei, Seifen- und Kerzenmanufakturen sowie durch Schweinezucht und Handel mit Würsten und Schinken.

Tolucānaöl, s. Carapaöl.

Toluidīn, Amidotoluol, C6H4(CH3)(NH2) ^[C<sub>6</sub>H<sub>4</sub>(CH<sub>3</sub>)(NH<sub>2</sub>)], eine mit dem Anilin (s. d.) homologe organische Base, die aus Nitrotoluol in analoger Weise wie Anilin aus Nitrobenzol dargestellt wird. Es ist eine farblose Flüssigkeit von 1,0 spec. Gewicht, die bei 199,5° C. siedet. Im Verein mit Anilin bildet T., von dem es drei isomere Modifikationen: das Orthotoluidin, das Metatoluidin und das Paratoluidin giebt, das Rohmaterial zur Fabrikation der Anilinfarben.

Toluol, Methylbenzol, C7H8 = C6H5(CH3) ^[C<sub>7</sub>H<sub>8</sub> = C<sub>6</sub>H<sub>5</sub>(CH<sub>3</sub>)], eine wasserhelle und leicht bewegliche, das Licht stark brechende Flüssigkeit von 0,882 spec. Gewicht, welche bei 111° siedet und dem Benzol, mit welchem es homolog ist, ähnlich riecht. Es entsteht bei der trocknen Destillation des Tolubalsams und der Destillation der Toluylsäure mit Kalk, dann neben Benzol bei der Destillation der Steinkohle, wo es in dem leichten Steinkohlenteeröl enthalten ist und daraus durch fraktionierte Destillation gewonnen werden kann. Es verhält sich chemisch dem Benzol analog, giebt mit Salpetersäure ein dem Bittermandelöl ähnlich riechendes Nitrotoluol, aus dem durch reduzierende Agentien eine dem Anilin homologe Base, das Toluidin (s. d.), erhalten wird. Es findet sich stets als Beimengung im rohen Teerbenzol. Wegen seines großen Ausdehnungskoefficienten wird es in neuerer Zeit als Thermometerflüssigkeit benutzt.

Tolusafranin, s. Safranin.

Toluylēnblau, s. Indamine.

Toluylēnrot, s. Eurhodine.

Tölz. 1) Bezirksamt im bayr. Reg.-Bez. Oberbayern, hat 742,64 qkm und (1895) 15035 (7415 männl., 7620 weibl.) E., 17 Gemeinden mit 242 Ortschaften. – 2) Marktflecken und Hauptort des Bezirksamtes T., an der Isar, wo sie aus dem Gebirge tritt, an der Nebenlinie Holzkirchen-T. (21,5 km) der Bayr. Staatsbahnen, Sitz des Bezirksamtes, eines Amtsgerichts (Landgericht München Ⅱ) und Rentamtes, hat (1895) 4185 E., darunter 105 Evangelische, Postexpedition, Telegraph, drei kath. Kirchen, darunter die schöne got. Pfarrkirche, eine evang. Kirche, Denkmal des Feldhauptmanns Kaspar von Winzerer, gewerbliche Fortbildungsschule, Institut der armen Schulschwestern, Franziskanerkloster, Krankenhaus, histor. Museum, Sparkasse, Wasserleitung, Elektricitätswerk, Märkte und wird als Luftkurort besucht. Am Fuß des 5 km entfernten Blombergs (1113 m) in 830 m Höhe die jod-, schwefel- und natronhaltigen Quellen Krankenheil (1846 erbohrt) mit Kurhaus. Hauptquellen sind die Bernhard- und die Johann-Georgen-Quelle (+7½ °C.) 1 km von T. entspringt die Annaquelle. Die Bäder, das Quellsalz, die Quellsalzseife und die Pastillen werden gegen Haut-, Drüsen- und andere Krankheiten angewendet. Außerdem werden auch Molken- und Kräutersäfte gebraucht. – Vgl. Höfler, Bad Krankenheil-Tölz und seine Wirkungen (3. Aufl. 1896); Höfler, Führer von T. und Umgebung (6. Aufl., Münch. 1895); Letzel, Der Kurgast in Krankenheil (Tölz 1888); ders., Bad Krankenheil-Tölz (ebd. 1888); Westermayer, Chronik der Burg und des Marktes T. (2. Aufl., ebd. 1892‒93).

Tom, richtiger Tomj, linker Nebenfluß des Ob im russ.-sibir. Gouvernement Tomsk, entspringt im Abakanischen Gebirge und mündet nach 843 km, schiffbar von Kusnezk an. An ihm liegt rechts die Stadt Tomsk.

Tom, engl. Dichter, s. D’Urfey.

Tom., Abkürzung für Tomus (lat., Band).

Tomahawk (spr. -hahk), die Streitaxt der nordamerik. Indianer, die von ihnen auch als Symbol des Krieges überhaupt betrachtet wird; daher der Ausdruck: den T. begraben, d. i. Frieden halten.

Tomân (Thomân, Tuman), in Persien geprägte goldene Handelsmünze, gesetzlich 2,875 g schwer und 900 Tausendteile fein, also im Feingewicht von 2,5875 g und (zum Preise von 2790 M. für ein kg Feingold) = 7,219 M. Die Angabe, der T. gelte 10 Kran (s. d.), ist unrichtig, da er kein gesetzliches Zahlungsmittel bildet und sein Preisverhältnis zur Silbermünze schwankt. (S. auch Tomin und Tabelle beim Artikel Münze.)

Tomaschek, Wilh., Geograph, s. Bd. 17.

Tomáschow. 1) Kreis im südöstl. Teil des russ.-poln. Gouvernements Lublin, im S. an Galizien grenzend, hat 1380,9 qkm, 90696 E.; Ackerbau, Schafzucht, 75 Fabriken, darunter 1 Zuckerfabrik, 2 Branntweinbrennereien und Mühlen. – 2) Kreisstadt im Kreis T., in einem sumpfigen Kessel mit Abfluß zum Bug, 5 km von der galiz. Grenze, hat (1894) 6798 E., Post, Telegraph, 1 russ., 1 kath. Kirche, 1 Synagoge, Ruinen eines Klosters, 2 Ka-^[folgende Seite]