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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tooke - Topasbrack

Tooke (spr. tuhk), John Horne-, engl. Schriftsteller, geb. 25. Juni 1736 zu Westminster, studierte Theologie und kaufte sich dann eine Pfründe in Kent. Als Schriftsteller machte er sich 1765 durch sein Eintreten für den Volksmann Wilkes gegen die Regierung bekannt. Infolge seiner Parteinahme für die im Kampfe mit England begriffenen Amerikaner wurde er 1777 zu einjährigem Gefängnis verurteilt. Wegen einer polit. Flugschrift wurde er 1794 des Hochverrats angeklagt, doch freigesprochen. 1801 wurde er für Old-Sarum ins Parlament gewählt, seine Wahl indes für ungültig erklärt. Er starb 18. März 1812 in Wimbledon. Unter seinen Schriften werden die im Gefängnis begonnenen geistvollen "Έπεα πτερόεντα, or the diversions of Purley" (2 Bde., Lond. 1786-1805 u. ö.) hoch geschätzt. - Vgl. Stephens, Life of Horne Took (2 Bde., Lond. 1813).

Tooke (spr. tuhk), Thomas, engl. Nationalökonom und Statistiker, geb. 1774 in Petersburg, wurde im 30. Lebensjahre Teilhaber eines der größten Handelshäuser Londons, gab aber 1824 seine Geschäftsthätigkeit auf und widmete sich ganz dem schriftstellerischen Beruf sowie der Förderung und Beaufsichtigung gemeinnütziger und industrieller Unternehmungen. Er war einer der rührigsten Vorkämpfer für den Freihandel, lange Zeit Direktor der Royal Exchange Assurance Corporation, Mitbegründer und Präsident der Katharine's Dock Company, Verwaltungsrat der Eisenbahn London-Birmingham u. s. w. Bei wichtigen Enqueten der Regierung über Fabrikgesetzgebung war er hervorragend thätig, wurde Mitglied der Royal Society, korrespondierendes Mitglied des Französischen Instituts und Vicepräsident der Statistical Society of London. T. starb 26. Febr. 1858 in London. Sein Hauptwerk ist: "A history of prices and of the state of the paper circulation from 1793-1856" (6 Bde., Lond. 1838-57; die letzten beiden Bände von W. Newmarch vervollständigt; deutsche Übersetzung von C. W. Asher, 2 Bde., Dresd. 1858-59). Außerdem sind zu nennen: "An inquiry into the currency principle" (Lond. 1844) und "On the bank charter act of 1844" (ebd. 1856), in welchen Schriften er als Gegner der Currency-Schule (s. d.) und der Peelschen Bankakte (s. d.) auftrat.

Toowoomba (spr. tuwum-), Stadt in der brit.-austral. Kolonie Queensland, an der von Brisbane (170 km) nach Charleville führenden Bahn, ist Mittelpunkt des Weidedistrikts der Darling Downs, hat (1891) 7007 E., mehrere Kirchen, darunter drei deutsch-lutherische für die 1000 Deutschen, Stadthaus, Hospital, Obergericht, mehrere Banken; Mühlen, Sägemühlen, Brauerei und Weinbau.

Top (engl.), Spitze, s. Topp.

Topas, ein Edelstein, der rhombisch, meist in achtflächigen, von Pyramiden und Domen begrenzten Säulen ohne (s. nachstehende Abbildung 1) oder mit Geradendfläche (s. Abbildung 2) krystallisiert. An sich farblos, erscheint er oft weingelb, auch grün, blau, selten rosa. Er ist durchsichtig, hat Glasglanz und ist vollkommen spaltbar nach der Geradendfläche; sein spec. Gewicht beträgt 3,5, seine Härte 8. Vor dem Lötrohr ist er unschmelzbar, von Salzsäure unangreifbar. Die Analyse ergiebt 47,2 Proz. Thonerde, 27,7 Kieselsäure, 15,5 Fluoraluminium und 9,6 Fluorsilicium (mit 17,5 Fluor); er ist eine Mischung von 5 Molekülen Zweidrittel-Aluminiumsilikat mit 1 Molekül des analogen Kieselfluoraluminiums, 5 Al2SiO5 + Al2SiF10, worin aber ein Teil von F durch OH vertreten wird. Unter dem Mikroskop zeigt er häufig Flüssigkeitseinschlüsse, darunter auch solche von flüssiger Kohlensäure. Der T. findet sich unter anderm am Schneckenstein bei Gottesberg (im Topasfels, s. d.), zu Ehrenfriedersdorf, Schlaggenwald in Böhmen, in Cornwall, zu Cairngorm in Schottland, namentlich schön aber im Ural und in Transbaikalien sowie bei Villarica in Brasilien, zu Stoneham in Maine (fast durchsichtige, bis 6 cm lange Krystalle). Nur ein parallel-stengliges Aggregat von T. ist der Pyknit von Altenberg im Erzgebirge. Sehr merkwürdig sind die aus Tasmanien und aus Sachsen bekannt gewordenen Quarzporphyre, deren Feldspat in T. umgewandelt ist. Überhaupt sind einerseits die alten granitischen Gesteine, andererseits die Zinnerzlagerstätten die Hauptheimat des T., ganz ausnahmsweise fand er sich mit Granat in Höhlungen tertiärer Rhyolithe von Colorado und Utah. Auch kommt er losgelöst im Flußsande vor, wie die schönen wasserhellen Gerölle von T. aus Brasilien, die Pingos d'agoa, oder Gouttes d'eau (d. h. Wassertropfen) genannt werden. Die schön gefärbten und durchsichtigen Varietäten werden als Edelsteine benutzt und erhalten gewöhnlich Treppen- oder Tafelschnitt, die wasserhellen Brillantschliff; die weniger schön gefärbten, z. B. die sächsischen, bekommen eine Goldfolie als Unterlage. Die gewöhnlichen weingelben T. Sachsens haben heute kaum einen Marktpreis von 8 bis 10 M., während sie bei ihrem Bekanntwerden 1737 mit 300 M. bezahlt wurden. Der bedeutende Export der brasil. Topasgeschiebe läßt auch eine Preisbesserung des T. nicht erwarten. Zudem werden Amethyste und Rauchquarz in großer Menge durch Erhitzen gelb gemacht (wie auch die minder schönen T.) und als T. (Goldtopase, s. Edelsteinimitationen) verkauft. Die unbrauchbaren Steine (Topasbrack) dienen als Schleifpulver für andere Edelsteine. Der böhmische und falsche indische T. ist nur gelblich gefärbter Bergkrystall (Citrin, s. Böhmische Steine), der falsche T. ist gelber Flußspat und der orientalische oder Saphirtopas ist gelber Saphir. Die verschieden gefärbten echten T. haben im Handel sehr verschiedene Bezeichnungen; so nennt man den meergrünen sibirischen T. Aquamarin, den rosenroten brasilianischen und sibirischen brasilianischen Rubin, den bläulichen sibirischen brasilianischen Saphir, den goldgelben brasilianischen T. schlechthin, den safrangelben indischen und brasilianischen indischen T., den sächsischen weingelben sächsischen Chrysolith. Die künstliche Herstellung von T. ist noch nicht gelungen. Dagegen kann er durch Glasflüsse, denen Uranoxyd als Färbemittel zugesetzt ist, nachgeahmt werden. Eine Ersetzung des T. durch minderwertige Steine dürfte infolge seines billigen Preises nur selten vorkommen.

^[Fig. 1.]

^[Fig. 2.]

Topasbrack, s. Topas.