Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

910

Torpedo - Torpedoabteilungen

Inbetriebsetzung seiner eigenen Maschinerie durch Luftdruck oder Pulver möglichst schnell herausgestoßen wird, da seine eigene, etwa 32 Seemeilen betragende Geschwindigkeit nicht groß genug ist, um bei in Fahrt befindlichem Schiff schnell genug aus dem Rohr ins freie Wasser zu kommen. Diese Rohre, allgemein Lancierrohre genannt, sind entweder Unterwasserrohre, die fest im Schiff eingebaut sind, so daß durch Steuern mit dem Schiffe Ziel genommen werden muß, oder sie befinden sich über Wasser, entweder fest oder beweglich zum Nehmen von Höhen- und Seitenrichtung (Fig. 5a u. b). Befinden sie sich auf einer fahrbaren Lafette, so nennt man sie Torpedokanonen. Mit allen Ausstoßrohren ist ein Patronenraum, Preßluft oder etwas Pulver enthaltend, verbunden. Das Abfeuern besteht im Öffnen eines Ventils, das die Preßluft in das Rohr eintreten läßt, oder durch Entzünden des Pulvers. Der T. wird hierdurch aus dem Rohr getrieben, wobei noch ein kleiner Hebel im Rohr das Luftventil des T. öffnet, so daß mit dem Moment des Freiwerdens vom Rohr die eigene Maschine des T. zu wirken beginnt. Die Treffweite beträgt etwa 800 m, doch liegt die Grenze für einen sichern Schuß innerhalb 400 m. Bei Seegang wird das Schießen erschwert. In neuerer Zeit ist man fast allgemein zu dem Schießen aus Unterwasserrohren, als dem zuverlässigsten, übergegangen, weil hier der Übergang aus der Luft ins Wasser und die damit verbundene Ablenkung wegfällt. Die Fischtorpedos kosten 6000 bis 9000 M. das Stück. Ähnlich dem Lupis-Whitehead-Torpedo sind die von Howell, Hall, Peck, Paulsen und MacEvoy erfundenen, die ebenfalls die Treibapparate selbst enthalten, oder in denen, wie beim Howelltorpedo, der in Nordamerika Verwendung findet, die bewegende Kraft vorher aufgespeichert wurde. Nur der Howelltorpedo hat einige Vorzüge vor dem Whiteheadtorpedo; er führt schwerere Ladung und ist kräftiger gebaut, also namentlich zum Unterwasserbreitseitschuß, dem schwierigsten Punkt der ganzen Torpedoballistik, besser geeignet. Ein 1895 gefertigter Howelltorpedo von 4,4 m Länge und 46 cm Durchmesser trägt 104 kg Ladung und läuft 32 Seemeilen.

In neuester Zeit hat man sog. Lokomotivtorpedos konstruiert, T., die ihre Triebkraft von außen erhalten und dabei gleichzeitig von der am Land oder auf Schiffen befindlichen Stelle der erzeugenden Kraft aus gelenkt werden. So wurden in England von der Admiralität Versuche mit dem lenkbaren elektrischen Brennantorpedo gemacht, der durch zwei sich abrollende Drähte von einer Dynamomaschine am Land seine Triebkraft erhält, etwa 1300 kg wiegt, die Form eines Lachses und einen Wirkungsbereich von 2 Seemeilen hat. Er kann so reguliert werden, daß er entweder an der Oberfläche oder bis zu 3 m unter Wasser läuft. Seine vom Land aus elektrisch lenkbare Steuervorrichtung gestattet ihm Kursänderungen um 40°. Die Sprengladung besteht aus Nitrogelatine. Zum Anzeigen der Richtung befindet sich bei Tage auf dem T. eine Flagge, bei Nacht ein dem Feind verdecktes Glühlicht. Der einzige Nachteil dieses zur Küstenverteidigung sehr geeigneten T. besteht darin, daß er zu dem Ort, von dem er abgelassen wurde, nicht zurückgelenkt werden kann, sondern mittels einer Dampfwinde eingeholt werden muß. Eine Abart des Brennantorpedos ist der in Australien eingeführte Victoriatorpedo von 7,3 m Länge. In Amerika und Frankreich wurden eingehende Versuche mit dem lenkbaren Patrick- und dem verbesserten Lay-Haight-Torpedo gemacht, der mit 204 kg komprimierter Kohlensäure getrieben wird, 8 m lang, 0,61 m dick, 500 kg schwer ist und 36 kg Dynamitladung führt, auch durch einen elektrischen Draht gelenkt wird; ähnliche Waffen sind der Nordenfeldt-, der Sims-Edison-, der Bertan-und der Ende 1889 erfundene Halpin-Savage-Torpedo. Alle diese T. haben stärkere Sprengladungen als der Brennantorpedo, erreichen jedoch dessen Geschwindigkeit bei weitem nicht, bleiben vielmehr im Mittel auf 16 Knoten; nur der Sims-Edison-Torpedo neuester Art erreicht 32 Seemeilen Geschwindigkeit, ist 8,5 m lang, 0,53 m dick, 1359 kg schwer, hat eine Schraube von 75 cm Durchmesser, die 750-800 Umdrehungen in der Minute macht, und trägt 110-246 kg Ladung. Dieser T. ist durch ein Kabel, das sich aus dem Kabelraum des T. während seines Laufs abwickelt, mit dem Lande verbunden, von wo er die elektrische Triebkraft empfängt; ein isolierter Draht führt zur Steuermaschine. Immerhin ist es denkbar, daß diese lenkbaren T. mit der Zeit die umständliche und durch den Feind leicht wegzuräumende Minensperre (s. Seeminen) der Küstenverteidigung verdrängen können. Seitdem die Schnelligkeit der Torpedoboote und einzelner Dampfer die der T. nahezu erreicht hat, ist man bestrebt, dem Fischtorpedo statt der Preßluft eine andere treibende Kraft zu geben. Ein torpedoähnliches Geschoß schleudert die unterseeische Kanone von Ericsson (1890 erfunden). Versuche mit Raketensätzen lassen erkennen, daß der T. der Zukunft eine Zusammensetzung aus den alten Raketenbrandern und den neuen Fischtorpedos sein muß, um große Geschwindigkeit unter Wasser zu erzielen. Über den Landtorpedo s. d.

Vgl. Die T. und Seeminen in ihrer histor. Entwicklung (anonym, Berl. 1878); von Ehrenkrook, Geschichte der Seeminen und T. (ebd. 1878); ders., Die Fischtorpedos (ebd. 1878); de Sarrepont, Les torpilles (Par. 1880); Das Torpedowesen in der deutschen Marine in seiner organisatorischen und materiellen Entwicklung (Berl. 1884); Jaques, Torpedoes for national defense (Lond. 1886); Sleeman, Torpedoes and torpedo warfare (2. Aufl., ebd. 1889); Buchard, Torpilles et torpilleurs des nations étrangères (mit Atlas, Par. 1889); von Romocki, Geschichte der Explosivstoffe. I. Geschichte der Sprengstoffchemie, der Sprengtechnik und des Torpedowesens (Berl. 1895).

Torpedo, Fisch, s. Zitterfische.

Torpedoabteilungen, in der deutschen Marine eine Truppe, die zur Ausbildung des Personals für die Bedienung der Torpedos und die Handhabung des Sprengdienstes bestimmt ist; aus ihr werden die Besatzungen der Torpedoboote und die Bedienungsmannschaften der Torpedoeinrichtungen der übrigen Kriegsschiffe bei der Indienststellung entnommen. Garnison der ersten Torpedoabteilung ist Kiel, der zweiten Wilhelmshaven. Jede Abteilung hat einen Korvettenkapitän als Commandeur und zerfällt in drei Compagnien, deren jede aus Torpedomatrosen, Torpedomaschinistenapplikanten und Torpedoheizern und dementsprechenden Unteroffiziersklassen besteht. Compagnieführer sind Kapitänlieutenants; zu den Compagnien gehören außer Seeoffizieren noch Torpedomaschinisten und Torpedosteuerleute als Deckoffiziere. Die Ausbildung umfaßt Turnen, Revolverschießen, Fechten mit dem