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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Toscaner; Toscanisches Hügelland; Toschi

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Toscaner - Toschi

geneigt gegenüber und 21. Febr. verließ er Florenz und begab sich nach der neapolit. Festung Gaeta, wo auch Pius IX. eine Zuflucht gefunden hatte. Darauf hin ward in Florenz eine provisorische Regierung (Montanelli, Mazzoni, Guerrazzi) eingesetzt; diese berief eine Konstituierende Versammlung für T., welche 27. März Guerrazzi mit der Diktatur bekleidete. Schon 11. bis 12. April bewirkte indessen die gemäßigte liberale Partei in Florenz eine Gegenrevolution; Guerrazzi nebst seinen hervorragendsten Anhängern wurde verhaftet und die Konstituierende Versammlung aufgelöst, der florentin. Magistrat übernahm die Regierung und lud den Großherzog ein, als konstitutioneller Herrscher wieder in sein Land zurückzukehren. Dieser bestellte 24. Mai ein neues Ministerium unter dem Vorsitz Baldasseronis; gleichzeitig rückte, mit geheimer Zustimmung des Großherzogs, ein österr. Armeekorps unter Feldzeugmeister d'Aspre in T. ein. Livorno ward nach zweitägigem Widerstand 11. Mai erstürmt, das übrige Land unterwarf sich der Übermacht. Erst im Juli 1849 kehrte Leopold II. nach Florenz zurück und erließ eine Amnestie.

Am 22. April 1850 erfolgte der Abschluß einer Militärkonvention mit Österreich, der zufolge ein österr. Occupationskorps von 10000 Mann in T. verblieb. Im Sept. 1850 ward die toscan. Verfassung förmlich suspendiert, 6. Mai 1852 definitiv außer Kraft gesetzt. Seitdem lenkte die Regierung T.s unter Baldasseroni vollständig in die Bahnen der Reaktion ein. Durch das Konkordat vom 19. Juni 1851 gewann die Kurie unumschränkte Freiheit, und zugleich begann eine gehässige Verfolgung gegen alle Spuren des Protestantismus. Erst während des Orientkrieges im Mai 1855, zogen die österr. Truppen aus T. ab, nachdem diese Occupation dem Lande 30 Mill. Lire gekostet hatte, und der Belagerungszustand in Livorno ward endlich aufgehoben.

Der Italienische Krieg von 1859 wurde für das Schicksal T.s und seiner Dynastie entscheidend. Januar bis Februar machte Leopold II. eine Reise nach Rom und Neapel, wo er sich mit Papst Pius IX. und König Ferdinand II. über eine gemeinsame polit. Haltung verständigte. Nach seiner Rückkehr nahm die toscan. Politik entschieden für Österreich Partei. Diese antinationale Haltung steigerte die Gärung aufs höchste. Der nationalgesinnte Marchese de Lajatico, den der Großherzog mit der Bildung eines neuen Ministeriums beauftragt hatte, riet ihm Abdankung zu Gunsten des Erbgroßherzogs Ferdinand an. Darauf wollte Leopold II. sich nicht einlassen; er vollzog eine Urkunde, worin er gegen die vorgefallenen Ereignisse protestierte, und reiste dann mit seiner Familie nach Österreich ab (27. April 1859). In Florenz bestellte der Magistrat sofort eine provisorische Regierung (Peruzzi, Malenchini, Danzini), die den König von Sardinien bat, die Diktatur in T. zu übernehmen. Victor Emanuel II. lehnte dies ab, nahm aber T. für die Dauer des Krieges in seinen Schutz und ernannte Boncompagni di Mombello (s. d.) zu seinem Generalkommissar daselbst.

Am 8. Mai trat Boncompagni die Regierung an und berief ein Ministerium unter Ricasolis Vorsitz und eine Consulta von Vertrauensmännern. Unterdessen landete das franz. 5. Armeekorps in Livorno; der Oberbefehlshaber Prinz Jérôme Napoleon nahm 31. Mai sein Hauptquartier zu Florenz. Am 10. Juni wurde angeordnet, daß alle Beamten dem König Victor Emanuel als "Protektor der Nationalregierung von T." den Eid leisten sollten. Die Friedenspräliminarien von Villafranca 11. Juli bestimmten die Restauration der habsburgisch-lothring. Dynastie in T.; Leopold II. dankte 21. Juli zu Vöslau zu Gunsten des Erbgroßherzogs Ferdinand IV. ab. Jedoch die Consulta, der Magistrat von Florenz u. s. w. sprachen sich gegen ihn aus, und als eine amtliche Abstimmung der Municipalitäten angeordnet wurde, erklärten sich 225 für die Absetzung der Dynastie, 1 dagegen, und 20 enthielten sich ihres Votums. Da Sardinien jetzt den Generalkommissar Boncompagni abrufen mußte, so übernahm 1. Aug. Ricasoli die Oberleitung. Am 16. Aug. erklärte die kurz zuvor gewählte Nationalversammlung einstimmig die Absetzung der habsburgisch-lothring. Dynastie, 20. Aug. erklärte sie sich gleichfalls mit Einstimmigkeit für die Annexion an Sardinien. Bei der Volksabstimmung vom 11. und 12. März 1860 sprachen sich 386445 Stimmen für die Annexion, 14925 für einen besondern Staat aus. Darauf ward T. durch Dekret Victor Emanuels vom 22. März mit dem Königreich Sardinien vereinigt, wogegen der Großherzog Ferdinand IV. (zu Dresden 26. März) vergebens protestierte. Um das provinzielle Selbstbewußtsein zu schonen, ward vorläufig Ricasoli als Generalgouverneur in T. belassen, und Prinz Eugen von Savoyen-Carignan ging als königl. Statthalter und Oberbefehlshaber nach Florenz. Doch zu Anfang 1861 traten beide zurück, und die Einverleibung ward vollständig durchgeführt.

Vgl. Rohault de Fleury, La T. au moyen âge (2 Bde., Par. 1874); L. Pignotti, Storia della T. sino al principato (9 Bde., Pisa 1813-14; 3. Aufl., 6 Bde., Flor. 1825); Reumont, Geschichte T.s seit dem Ende des florentin. Freistaates (2 Bde., Gotha 1876-77; namentlich seit 1848 aber zu berichtigen durch Reuchlin, Geschichte Italiens, Bd. 3 u. 4, Lpz. 1870-73); R. Galluzzi, Istoria del granducato di T. sotto il governo della casa Medici (5 Bde., Flor. 1781 u. ö.; deutsch im Auszug, 2 Bde., Dresd. und Lpz. 1784-85); A. Zobi, Storia civile della T. 1737-1848 (5 Bde., Flor. 1850-52); ders., Manuale storico delle massime e degli ordinamenti economici vigenti in T. (ebd. 1847); ders., Memorie economico-politiche e sommario di documenti officiali, ossia di danni arrecati dall' Austria alla T. 1737-1859 (2 Bde., ebd. 1860); Leopoldo II e i suoi tempi, memorie di G. Baldasseroni (ebd. 1871); Cambray-Digny, Ricordi sulla commissione governativa toscana del 1849; Montanelli, Memorie sull' Italia e specialmente sulla T. dal 1814 al 1850 (2 Bde., Tur. 1853-55); E. Poggi, Memorie storiche del governo della T. (3 Bde., Pisa 1871); Atti e Documenti del governo della T. dal 27 Aprile in poi (Flor. 1859-60); Galeotti, L'Assemblea toscana (ebd. 1859); A. Zobi, Cronaca degli avvenimenti nel 1859 (ebd. 1859-60); Compendio della storia toscana fino all' anno 1818 (2 Bde., Livorno 1819); Canestrini, Négociations diplomatiques de la France avec la T. (hg. von Desjardins, 6 Bde., 1859-86); L. Cantini, Legislazione toscana (Flor. 1800 fg.); A. Lumini, La reazione in T. nel 1799 (Cosenza 1892); C. Merkel, Bibliografia degli anni 1885-91 (im "Bullet. ital. storico" 1892, No. 12).

Toscaner, Name eines großen Diamanten (s. d.).

Toscanisches Hügelland, s. Apennin.

Toschi (spr. toski), Paolo, ital. Kupferstecher, geb. 7. Juni 1788 zu Parma, ging 1809 nach Paris,