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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tote Sperren - Totleben

pedition etc. (Baltimore 1852); de Saulcy, Voyage autour de la mer Morte (2 Bde., Par. 1858); Duc de Luynes, Voyage d'exploration à la mer Morte etc. (hg. von Vogüé, 3 Bde., ebd. 1871-76); Blankenhorn, Entstehung und Geschichte des T. M. (Lpz. 1896). - T. M. heißt auch der Karkinitische Meerbusen (s. Perekop).

Tote Sperren oder Barrikaden, eine Art der Küstenbefestigung, die feindliche Schiffe in ihrer Bewegung hindern und im wirksamen Feuer der Geschütze des Verteidigers aufhalten soll. Es giebt feste Barrikaden (versenkte Schiffe, eingerammte Pfähle, eiserne span. Reiter u. dgl.) und schwimmende Barrikaden (Ketten, durch Ketten oder Drahtseile verbundene Flöße, Schwimmbäume, durch Bojen getragene Netze, in die sich die Schrauben der Schiffe verwickeln sollen). Die schwimmenden Barrikaden werden bei stark wechselndem Wasserstande und großer Tiefe angewendet; sie verlangen guten Ankergrund und eine biegsame Konstruktion, um den Bewegungen des Wassers folgen und dem ersten Anprall der Schiffe nachgeben zu können. T. S. gewähren im allgemeinen zwar eine bedeutende Sicherheit, lassen sich aber nicht anwenden bei starker Strömung und an den Stellen, die schwerem Seegang ausgesetzt sind, oder die man den eigenen Schiffen offen halten will.

Totes Rennen, ein unentschiedenes Rennen.

Totes Werk, s. Schiffbaukunst (Bd. 17).

Totfall oder Sterbefall, s. Tote Hand.

Totfaul, s. Maceration.

Toth, Eduard, ungar. Dramatiker, geb. 14. Okt. 1844 zu Putnok im Komitat Gömör, war zum Kaufmann bestimmt, wurde jedoch 1864 Schauspieler und wirkte als solcher wie als Theaterdichter bei verschiedenen Provinzbühnen, bis er 1871 mit seinem Volksstück "A falu rossza" ("Der Dorflump", deutsch von A. Sturm) einen vom Nationaltheater ausgeschriebenen Preis gewann. Nun erhielt er eine Stellung an diesem Theater, starb aber schon 27. Febr. 1876. Einen Preis des Volkstheaters gewann er mit dem Volksstück "Die Abgeschobene" (1874). Diese Stücke wie das Volksstück "Die Familie des Drehorgelmanns" (1874) errangen auf der Bühne einen durchschlagenden Erfolg. T. war ein originelles und bedeutendes, aber noch nicht abgeklärtes Talent. Seinen Operntext "Namenlose Helden" (1875) hat Franz Erkel komponiert.

Toth, Koloman, ungar. Dichter, geb. 30. März 1831 zu Baja, nahm an dem Freiheitskriege als Honvéd teil. Seit 1860 war er Mitglied der Kisfaludy-Gesellschaft, seit 1861 der Akademie. Er starb 3. Febr. 1881. 1852 erschien die erste Sammlung seiner durch patriotische Tendenz und warmes Gefühl ausgezeichneten, volkstümlich gehaltenen Gedichte, die sehr populär wurden. Mehrere weitere Sammlungen folgten, welche T. nach Petösi zum beliebtesten ungar. Liederdichter machten. Weniger gelungen, weil zu lyrisch, sind seine Dramen: "Der letzte Zách" (1857) und "Der letzte ungar. König" (1860); doch errang das Trauerspiel "Eine Königin" (1857) einen akademischen Preis und das Lustspiel "Frauen in der Verfassung" (1871) einen vollen Bühnenerfolg. Von großer Bedeutung war für seine Zeit das von ihm 1860 gegründete Witzblatt "Bolond Miska" ("Der närrische Michel").

Tothölzer, s. Schiffbaukunst (Bd. 17).

Totila, König der Ostgoten, Neffe des Königs Ildebad, der 540 von den Belisar fast schon unterliegenden Ostgoten zum König erhoben, bald darauf aber ermordet worden war. Da die Goten zunächst den Rugier Erarich zum König erhoben hatten, wollte T. zu den Römern übergehen, nahm dann aber 542 die Wahl zum König an, nachdem Erarich beseitigt worden war. Er gab der verlorenen Sache der Goten in Italien einen kräftigen Halt, eroberte fast die ganze Halbinsel zurück, hielt dem 544-545 zurückgekehrten Belisar stand und eroberte 17. Dez. 546 selbst Rom, das er aber wieder aufgab. Durch strenge Mannszucht, Milde und Gerechtigkeit gewann er auch bei den Römern Boden und schuf eine Flotte, mit der er Sicilien, Sardinien und Corsica eroberte; dennoch erlag er endlich 552 der Übermacht des oströmischen, namentlich durch Langobarden, Heruler, Gepiden und andere Germanen gebildeten Heers unter Narses bei Taginä, nördlich von Spoleto, und starb an seinen Wunden. - Vgl. G. Kaufmann, Deutsche Geschichte bis auf Karl d. Gr. (2 Bde., Lpz. 1880-81); F. Dahn, Könige der Germanen, Abteil. 1 (Würzb. 1861).

Totis oder Dotis, ungar. Tata, Groß-Gemeinde und Hauptort eines Stuhlbezirks (36 885 E.) im ungar. Komitat Komorn, unweit von der Donau, an der Linie Budapest-Bruck a. d. Leitha der Ungar. Staatsbahnen (Station Tata-Tóváros), besteht aus dem eigentlichen T., aus der Oberstadt und aus der an dem großen 4½ km langen fischreichen See Nagytó gelegenen Seestadt oder Tóváros, hat (1890) 6925, mit Tóváros 11 182 meist kath. magyar. E., ein gräflich Esterházysches Schloß mit Garten und Theater, Piaristenkollegium mit Gymnasium, Kapuzinerkloster, Hauptschule, Schwefelquellen; Weinbau, Marmor- und Tuffsteinbrüche, Thongruben, Tropfsteinhöhlen, zahlreiche Mühlen, Steingut- und Lederfabriken, Spiritus- und Branntweinbrennereien.

Totlaufen, in der Architektur das unvermittelte Ende eines Gesimses in einer sich rechtwinklig zur Flucht stellenden Fläche.

Totleben (auch Todleben), Franz Eduard, bei den Russen Eduard Iwanowitsch, Graf, russ. Ingenieurgeneral, geb. 20. Mai 1818 in Mitau, nahm 1848-50 an den Kaukasuskriegen und 1854 an der Belagerung Silistrias teil. Im August desselben Jahres wurde er zur Verteidigung Sewastopols gegen die Alliierten berufen und entwickelte nun sein volles Talent in der Anlage von Befestigungen und in der Verwendung der Artillerie, so daß die Belagerer genötigt waren, die bedeutendsten Streitkräfte zu entfalten und häufig vom Angriff zur Verteidigung überzugehen. Am 20. Juni 1855 schwer verwundet, mußte sich T. von der unmittelbaren Leitung der Verteidigung zurückziehen. Inzwischen zum Generalmajor und Generaladjutanten des Kaisers ernannt, wurde T. nach dem Falle Sewastopols mit der Befestigung des Hafens von Nikolajew und der Donaumündungen betraut, sowie später mit der Vervollständigung der Verteidigungsanlagen in Kronstadt. 1869 wurde er Ingenieurgeneral. Bei Ausbruch des Russisch-Türkischen Krieges 1877 erhielt T. anfangs kein Kommando, wurde aber nach mehrern fehlgeschlagenen Angriffen auf Plevna berufen, die weitern Operationen zu leiten. Er führte eine vollständige Einschließung der Armee Osman Paschas um Plevna durch; diese mußte sich 10. Dez. ergeben und wurde kriegsgefangen nach Rußland abgeführt. Ende April 1878 erhielt T. den Oberbefehl über die gesamte Operationsarmee, erzwang die Übergabe von Schumla und