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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Toujours en vedette - Toulon

Toujours en vedette (frz., spr. tuschuhr ang wedétt), "immer auf dem Posten", Citat aus Friedrichs d. Gr. "Exposé de gouvernement de prussien".

Toujur perdrix (frz., spr. tuschuhr perdrih), "immer Rebhuhn", ein auf König Heinrich IV. von Frankreich zurückgeführter Ausruf, der als Ausdruck der Übersättigung dient.

Toul (spr. tul). 1) Arrondissement im franz. Depart. Meurthe-et-Moselle in Lothringen, hat auf 1168 qkm (1896) 66 902 E., 5 Kantone und 119 Gemeinden. - 2) T., Hauptstadt des Arrondissements T. und Festung ersten Ranges, 22 km westlich von Nancy, zwischen Rhein-Marne-Kanal und linkem Moselufer, an den Linien Paris-Avricourt, Nancy-Neufchâteau und T.-Pont-St. Vincent (24 km) der Ostbahn (s. den Situationsplan, S. 926), ist Sitz des Kommandos der 78. Infanteriebrigade, eines Gerichtshofs erster Instanz, einer Ackerbaukammer, Forstinspektion und früher eines Bischofs und hat (1896) 8942, als Gemeinde 12 201 E., in Garnison das 146. und Teile des 26., 153., 156. und 160. Infanterieregiments, das 39. Feldartillerieregiment, das 6. Fußartillerie- und das 6. Geniebataillon, ein Collège, Pensionate, Spital, Bibliothek, Gefängnis, Kathedrale St. Etienne mit zwei luftigen Türmen, Chor und Querschiff aus dem 13. Jahrh., und dem 70 m langen, 50 m breiten Kreuzgang, sowie got. Kirche St. Gengoult (13. und 15. Jahrh.), Stadthaus im ehemaligen Bischofspalast; ferner Brauerei, Ziegelei, Lohgerberei, Fabrikation von Spitzen, Kalk, Fayence und Handel mit Getreide, Leder, Wein, Essig und Branntwein.

Die Festung T. ist als rechter Flügelstützpunkt der Linie Verdun-T. von großer Bedeutung. Vor der alten Bastionumwallung legte man 1874 vier Werke an: St. Michel im N., La Justice im W., Dommartin im O. und Tillot im S., die bis auf das erste, auf hohem Bergkegel gelegene, nur noch Wert als Reduitposten haben. Die 15 km lange Westfront bilden jetzt, am steilen Ostrand der Côtes de Meuse gelegen, von N. nach S. Fort Lucey (6 Nebenwerke), Reduit Bruley mit 5 Batterien, Fort Ecrouves (2 Batterien), Domgermain, Charmes, Blenod. Im S. zwischen letzterm und der Mosel liegen in der Ebene Fort Gye und Chanot; im O. als innerer Moselbrückenkopf, vor dem als äußerer das Plateau von La Haye mit Fort Frouard und Pont Saint Vincent sich ausdehnt, liegen dem Walde von La Haye gegenüber die Werke Chaudenay, Villey-le-Sec und Gondreville; im N. die Werke Villey-St. Etienne (2), Francheville und Bouvron. Zur Verstärkung der Intervalle sind endlich 13 Zwischenwerke und Batterien erbaut. Der Gesamtumfang mißt 46 km. Zum Schutze der zwischen Pont St. Vincent und T. angelegten Eisenbahnlinie wurde am südl. Moselufer ein Fort St. Mansuy erbaut. Auf der südl. Fortsetzung der Côtes liegt 16 km von T. Fort La Blanche Côte, auf weitere 21 km Fort Bourlemont (westlich Neufchâteau). T., das alte Tullum Leucorum, wurde 410 Bischofssitz, der zum Erzbistum Trier gehörte. T. war deutsche Reichsstadt, wenn auch die Herzöge von Lothringen die Schirmvogtei über sie besaßen. 1552 besetzte Heinrich II. von Frankreich im Bunde mit Moritz von Sachsen die Stadt nebst Metz und Verdun und behauptete die drei Bistümer, bis sie 1648 im Westfälischen Frieden an Frankreich abgetreten wurden. Am 14. Aug. 1870 wurde die Festung eingeschlossen und ergab sich 23. Sept. mit 109 Offizieren, 2400 Mann und 490 Geschützen den Deutschen.

Toulon (spr. tulóng). 1) Arrondissement im franz. Depart. Var in der Provence, hat auf 1292 qkm (1896) 179 308 E., 9 Kantone und 31 Gemeinden. - 2) T., lat. Telo Martius, Hauptstadt des Arrondissements T., neben Brest der bedeutendste Kriegshafen Frankreichs und Festung ersten Ranges, auch Handelshafen, im Innern der tiefen und sichern Bai von T., die nach W. und SW. durch die Halbinsel von Kap Sicié und nach S. durch die im O. jener anhängenden des Kap Cépet vom Mittelmeer getrennt und nur nach O. mit ihm verbunden ist, am Südfuß des Mont-Faron (546 m) schön gelegen, an den Linien Marseille-Nizza und T.-Hyères (29 km), ist Hauptstation der franz. Mittelmeerflotte, Sitz der fünften Marinepräfektur, eines Marineamtes, Gerichtshofs erster Instanz, Handelsgerichts, einer Handels- und Ackerbaukammer, eines Hauptzollamtes, vieler Konsulate und einer Filiale der Banque de France. (Hierzu ein Plan: Toulon und Umgebung nebst Straßenverzeichnis.)

^[Abb.]

T. war vor der Revolution Bischofssitz und hat (1896) 70 843, als Gemeinde 95 276 E. (17 529 mehr als 1891), in Garnison das 111. Infanterieregiment, ein Lyceum, Schulen für Schiffsärzte, Schiffahrtskunde, Schiffsjungen und Heizer sowie für Kanoniere, Marine- und Bürgerhospitäler, Observatorium, Sparkasse, Theater; Schiffbau, Stickereien, Weinbau, Seefischerei und Handel mit Getreide, Mehl, Öl, Kapern, Oliven, Südfrüchten, Liqueur, Kork, getrockneten Früchten, Wein, Branntwein, Baumwollgarn, Segeltuch und Schiffsbedarf.

Gebäude und Anlagen. Die eigentliche Stadt ist ein mit Mauern und Graben umgebenes Dreieck, dessen gerade Basis im S. der Hafen bildet und dessen vom Festungsartilleriepark gebildete nördl. Spitze durch Eisenbahn und Bahnhof abgetrennt wird. Vorstädte sind: du Las im W., St. Roch im NO., St. Jean und Ste. Catherine im O. und auf einer Halbinsel mit der Pipadyspitze der Stadtteil Le Mourillon im SO. Die meist hohen Häuser der näher beim Hafen liegenden alten Stadt bilden oft enge Straßen (die interessanteste ist die nach Süden zum Hafenquai führende Rue d'Alger), lassen aber auch viele Plätze frei, so die große Place d'Armes am Arsenal, daran die schöne Marinepräfektur (1786-88), Place Puget mit malerischer Fontäne von 1780 u. a. Boulevard de Strasbourg durchschneidet den neuen Stadtteil von Osten nach Westen, an ihm liegen das hübsche neue, mit Statuen geschmückte Theater (1800 Plätze), die Place de la Liberi mit schöner Fontäne (1890), mit Statuen von Andre Allar, weiter die Avenue Vauban, die nördlich zum Bahnhof führt, dann das hübsche Gebäude für das Museum (für Gemälde, Skulpturen, Abgüsse, Reliefs von Puget u. a.) und die Bibliothek (32 000 Bände), 1883-87 im Renaissancestil erbaut, daneben der Stadtgarten mit der Charité (Bürgerhospital) im Hintergrunde. Östlich führt in der Altstadt die Rue Lafayette vom Quai du Port (Hafenquai) nach Norden, in dessen Nähe die alte Kathedrale Ste. Marie Majeure steht, ein roman. Gebäude aus dem 11. und 12. Jahrh., das im 17. Jahrh. bedeutend vergrößert wurde, im 18. den Glockenturm erhielt und mehrere Kunstwerke birgt.