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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Toulouser Gans - Tournai

seine Würde auf Lebenszeit. Er starb 1. Dez. 1737 zu Rambouillet.

Toulouser Gans, s. Gänsezucht und Tafel: Geflügel, Fig. 10.

Tounens (spr. tunángß), Antoine, s. Araukaner.

Toupet (frz., spr. tupeh), die zunächst über der Stirn befindlichen, nach der zu Ende des 18. Jahrh. herrschenden Mode rückwärts gekämmten und in die Höhe gekräuselten Haare.

Touques (spr. tuk), 108 km langer Küstenfluß in der Normandie, entspringt im franz. Depart. Orne, an der Nordseite der Berge von Amain, berührt Lisieux und Pont l'Evêque in Calvados und mündet 4 km unterhalb T. (1287 E.) an der Westbahn, westlich des Seebades Trouville-sur-Mer, in den Kanal.

Tour (frz., spr. tuhr), die Umdrehung, z. B. einer Welle, eines Schlüssels im Schloß; in der Weberei (s. d.) soviel wie Marsch; ferner Wendung (beim Tanz u. s. w.; auch in der Rede), Ausflug, Reise (daher Tourist, Vergnügungsreisender: T. du Montblanc, s. d.); Streich; Haaraufsatz.

Tour (spr. tuhr), Abbé de la, Pseudonym von Madame de Saint-Hyacinthe de Charrières (s. d.).

Tour, Quentin de la, Pastellmaler, s. Latour.

Touraine (spr. turähn), ehemaliges franz. Herzogtum, einst von der gall. Völkerschaft der Turones bewohnt, grenzte im N. an Maine und Orléanais, im O. an Berry, im S. an Poitou und im W. an Anjou und umfaßte das Gebiet des heutigen Depart. Indre- et-Loire. Die T. hatte unter den Merowingern und Karolingern als Pagus Turonicus eigene Grafen, kam 1045 an Anjou, 1154 durch Erbfall an England, 1206 als verwirktes Lehn an die franz. Krone, wurde 1356 Herzogtum und mehrmals an franz. Prinzen gegeben, aber 1584 nach dem Tode des Herzogs von Alençon, Bruders Heinrichs III., wieder mit der Krone vereinigt. Die Hauptstadt der T. war Tours (s. d.). - Vgl. Bourassé, La T., son histoire et ses monuments (Tours 1885).

Tourbillon (frz., spr. turbijóng), Tafelraketen, s. Drehfeuer.

Tourcoing (spr. turkŏäng), Fabrikstadt im Arrondissement Lille des franz. Depart. Nord, in Flandern, an der belg. Grenze, liegt in fruchtbarer Gegend an den Linien Lille-T. (11 km, nach Gent) und Orchies-Halluin der Nordbahn, hat (1896) 55 705, als Gemeinde 73 353 E. (Anfang des Jahrhunderts nur 10 000), 7876 mehr als 1891, ein Handels- und ein Schiedsgericht, eine Handels- und eine Gewerbekammer, Zollamt, Krankenhaus, Spital u. s. w. T. ist neben Roubaix (s. d.) Mittelpunkt eines großen Industriebezirks (hierzu die Karte: Industriegebiet von Roubaix-Tourcoing); wichtig sind vor allem: Woll-, Baumwoll- und Leinenspinnerei, Fabrikation von Zucker, Tafelleinen, Teppichen, Messerschmiedwaren, Seife, Baumwollbänder sowie Brauerei, Lohgerberei und Zuckerraffinerie. Das Rathaus ist ein großes neues Gebäude im Renaissancestil, aus dessen Mitte sich eine große Kuppel erhebt und das ein kleines Museum enthält. Die hübsche moderne got. Kirche St. Christophe hat prächtige Glasmalereien, Gemälde und Holzschnitzereien, auch die neue Kirche Notre-Dame (im Renaissancestil) ist im Innern sehr reich (35 Statuen). Von den nächstliegenden Industrieorten sind Marcq en Baroeul (10 392 E.), Mouvaux (5786 E.), Roncq (6726 E.), Croix (14338 E.), Wasquehal (4901 E.) und Wattrelos (22 731 E.) zu nennen; Halluin (s. d.) mit 15 781 E. liegt 12 km nach Norden. Am 17. und 18. Mai 1794 siegten hier die Franzosen über die verbündeten Österreicher und Engländer unter Clerfayt.

Tour du Montblanc (frz., spr. tuhr dü mongbláng), s. Montblanc.

Tourenfahren, s. Radfahrsport.

Tourenzähler, s. Zählwerke.

Tourist, s. Tour.

Touristenklub, Österreichischer, s. Alpenvereine.

Touristik, s. Bd. 17.

Tourmentes (frz., spr. turmángt), s. Guxen.

Tourn., hinter lat. Pflanzennamen Abkürzung für Joseph Pitton de Tournefort (s. d.).

Tournachon (spr. turnaschóng), Félix, eigentlich Nadar genannt, franz. Schriftsteller, Zeichner und Luftschiffer, geb. 5. April 1820 zu Paris, war Mitarbeiter am "Charivari" und am "Journal pour rire", begründete die "Revue comique" (1849) und verfaßte "La robe de Déjanire" (1862), "Quand j'étais étudiant" (1856), "Le miroir aux alouettes" (1859), "Histoire buissonière" (1877), "Sous l'incendie" (1882), "Le monde où l'on patauge" (1883). Seine Luftschiffahrten schilderte er in "A terre et en l'air. Mémoires du Géant" (1864) und in "Le droit au vol" (1865).

Tournai (spr. turnäh), vläm. Doornik, Stadt auf beiden Seiten der Schelde in der belg. Provinz Hennegau, an den Staatsbahnlinien Kortrijk-T., T.-Ronsse, T.-Rumes, Ath-T.-Lille und T.-Blaton-Mons, ist Sitz eines Bischofs, hat (1897) 35 905 E., sieben Vorstädte, schöne Straßen und Quais, einen aus dem J. 1187 stammenden, 1852 restaurierten Belfried mit Glockenspiel, viele Kirchen, unter denen, außer St. Quentin, St. Brice, welche einst das Grab des frank. Königs Childerich I. (gest. 481) enthielt, und St. Jacques, sich die sehenswerte Kathedrale mit fünf Türmen (roman. Stils) auszeichnet; diese stammt aus dem 12. Jahrh., wurde aber im 13. und 14. vollendet; sie hat merkwürdige Skulpturen, die ältesten aus dem 13. Jahrh., und Gemälde von Rubens, Jordaens u. a. Die Stadt besitzt eine Gemäldegalerie in der ehemaligen Tuchhalle (1610), eine Bibliothek von mehr als 50 000 Bänden, ein bischöfl. Seminar, fünf Hospitäler, ein Irrenhaus, ein Zuchthaus, Infanteriekaserne, naturhistor. Museum, Stadthaus in der frühern Priorei, neuen Gerichtspalast, Theater, Bronzestandbild der Prinzessin d'Epinoy (s. unten, von Dutrieux, 1863), Marmorstandbild des Naturforschers Dumortier (1883) und viele mittelalterliche Bauten. Die Industrie erstreckt sich auf Herstellung wollener Stoffe, Strumpfwaren, sehr geschätzter Teppiche, Leinwand, Band, Fayence, Seife und Lichter.

T., das alte Tornacum oder Turris Nerviorum der Römer, war im 5. und 6. Jahrh. Sitz der merowing. Könige. Seit der Teilung des Fränkischen Reichs im 9. Jahrh. lag Tournesis, d. i. die umliegende Landschaft, an den Grenzen Flanderns und Lothringens. 1056 wurde dieselbe als ein deutsches Reichslehn dem Balduin I. von Hennegau überlassen, doch galt für sie gewöhnlich die Lehnshoheit Frankreichs. Häufig war T. ein Kampfobjekt zwischen den franz. Königen und Grafen von Flandern, doch gelangte dort weder der eine noch der andere zur landesherrlichen Gewalt. Im Kriege gegen Maria von Burgund 1477 bemächtigte Ludwig XI. sich der Stadt. Im Frieden von Cambrai 1529 wurde Tournesis endgültig an Karl V. abgetreten. 1581 wurde T. von der Prinzessin d'Epinoy (Marie de Lalaing) gegen Alexander von Parma verteidigt. Von Ludwig XIV. 1667 nach langer Belagerung er-^[folgende Seite]