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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Travers - Trawankur

kannt durch den 18. Aug. 1700 zwischen Karl XII. von Schweden und Friedrich IV. von Dänemark abgeschlossenen Frieden, in dem sich letzterer verpflichtete, von dem Bündnis mit Rußland und Sachsen-Polen zurückzutreten und den Herzog von Holstein-Gottorp wieder in seine Rechte einzusetzen.

Travers (frz., spr. -währ), ein Seitengang (s. d.) beim Reiten, bei dem die Vorhand des Pferdes auf dem Hufschlag geht, während die Hinterhand durch den auswendigen Schenkel in die Bahn gedrückt wird. Gegensatz des T. ist Renvers (s. d.).

Travers (spr. -währ), Thalvon, frz. Val de Travers, Thal im schweiz. Kanton Neuenburg (s. Karte: Die Schweiz). Das T., ein anmutiges Wiesenthal (700-750 m), 11 km lang, an der ebenen Sohle ½-2 km breit, von der Areuse oder Reuse bewässert, erstreckt sich, links und rechts von waldigen Juraketten (Creux du Vent, Crête de T.) eingeschlossen, von dem Felsencirkus von St. Sulpice, aus welchem die Areuse entspringt, nach NO. bis Noiraigue, wo der Fluß in die wilde Klus der Gorge de l'Areuse einbiegt, um durch dieselbe in das Ufergelände des Neuenburger Sees herauszutreten und 3 km unterhalb Boudry sich in den See zu ergießen. Haupterwerbsquellen sind Ackerbau und Viehzucht, Uhrenindustrie, Fabrikation von Liqueuren (Extrait d'Absinthe), Spitzenklöppelei, Zementfabrikation und die Ausbeutung der Asphaltgruben und Kalksteinbrüche. Die wichtigsten Ortschaften sind Fleurier (3300 E.), Môtiers (1064 E.), Couvet (746 m, 2195 E.) und T. (737 m, 1981 E.). Der lebhafte Verkehr wird durch viele Fahrstraßen, die Bahnen Travers-St. Sulpice und Neuchâtel-Verrières-Pontarlier vermittelt, die sich über Dijon bis Paris fortsetzt. - Der Bezirk Val de T. umfaßt außer dem eigentlichen T. die ganze Landschaft von der franz. Grenze bis zur Klus der Areuse und hat 171,5 qkm und (1888) 16 549 meist franz. E. (1887 Deutsche, 299 Italiener), darunter 1431 Katholiken. Der wichtigste Ort ist außer den obenerwähnten das Grenzdorf Les Verrières (936 m, 1838 E.), wo 1. Febr. 1871 die franz. Ostarmee die Grenze überschritt und von den eidgenössischen Truppen entwaffnet wurde. In der Gemeinde Côte aux Fées liegt die große Tropfsteinhöhle Temple des Fées.

Traverse (frz.), Querlinie. In der Befestigungskunst heißen T. oder Querwälle im allgemeinen alle im Innern von Werken zum Schutz gegen Seiten- und Rückenfeuer angelegten Deckungen, im besondern solche Seitendeckungen, die senkrecht zur Brustwehr stehen und von dieser nach innen vorspringen. Man legte solche, mit Überhöhung der Brustwehr, früher auf allen Linien an, die enfilierend oder schräg beschossen werden konnten, im allgemeinen mit soviel Zwischenraum, daß auf den (weniger leicht zu enfilierenden) Facen je 2, auf den Flanken je 1 Geschütz stehen konnte. Das Überragen der Brustwehr muß jetzt stets unterbleiben, weil es dem Feind die Stellung der Geschütze zeigt. Nachdem diese vom Wall der Forts ganz verschwunden sind und das Steilfeuer den Nutzen der T. sehr beeinträchtigt hat, ist die regelmäßige Anwendung auf dem Wall weggefallen.

Über Hohltraversen s. d.

Im Maschinenbau ist T. das zwei parallele Konstruktionsteile quer verbindende Glied, das entweder fest mit den beiden Teilen verbunden ist oder sich mit Gleitstücken längs der die Führungen bildenden Konstruktionsteile bewegt, wie bei gewissen Formen des Kreuzkopfes (s. d.) und selbst zur Stützung und Führung weiterer Maschinenelemente, wie der Kolben- und Pleuelstangen, dient.

Über A. im Wasserbau s. Buhne.

Traversieren, s. Fechtkunst.

Traversthalbahn (Val de Travers), s. Schweizerische Eisendahnen, Übersicht B.

Travertin, s. Tuffstein.

Travesias (span.), Sandwüsten in Argentinien (s. Argentinische Republik).

Travestie (vom ital. travestire, verkleiden), eine komische, meist satir. Dichtart, die ein ernstes Dichtwerk ins Komische zieht, indem sie dessen erhabenen Gegenstand beibehält, aber ins Niedrige und Possenhafte, besonders in eine widersprechende Form "verkleidet". Die T. scheint viel jünger als die Parodie (s. d.), vielleicht (abgesehen von den schwachen Ansätzen zu einer T. Homers bei Athenäus) sogar ein Kind der Neuzeit zu sein. Namentlich der franz. Spottlust der Scarronschen Schule bot sie ein willkommenes Feld, z. B. Marivaux (s. d.). Der einzige nennenswerte deutsche Vertreter ist Blumauer (s. d.) mit der T. von Virgils "Äneis".

Traviata (ital.), die Verirrte, Verführte; auch Titel einer Oper von Verdi, nach Alex. Dumas' Roman "Kameliendame" gearbeitet.

Travnik, Hauptstadt des Kreises T. (10 023 qkm, 241 250 E.) und des Bezirks T. (893 qkm, 32 621 E.) in Bosnien, an der zur Bosna gehenden Lašva und der Linie Lašva-Bugojno der Bosn.-Herzegowin. Staatsbahnen, hat (1895) 6261 meist mohammed. E., in Garnison ein Bataillon des 70. ungar. Infanterieregiments, eine von Twertko II. erbaute Burg und Reste einer Festung. Bis 1850 residierte in T. der Wesir von Bosnien. In der Nähe befindet sich der Derwischbrunnen, ein aus einem Karstloch hervorströmender Bach.

Trawankur (Travankur, engl. Travancore, verderbt aus Tiruwānkōdu, verkürzt aus Tirūwidānkōdu), ein zur Präsidentschaft Madras des Indo-Britischen Reichs gehöriger Vasallenstaat, der, die westl. Hälfte der Südspitze der vorderind. Halbinsel bildend (s. Karte: Ostindien I. Vorderindien), nördlich von dem Vasallenstaat Kotschi, östlich von den Distrikten Madura und Tirunelweli der Präsidentschaft Madras, südlich und westlich vom Meere begrenzt wird. T. ist längs der Küste meist flach, mit Lagunen und kleinen Haffen besetzt, besitzt dagegen in seinem Innern im N. das bis zu 2500 m hohe Anaimalai-Gebirge mit dem Anaimudi (2693 m, dem höchsten Berge südlich vom Himalaja), im S. das 1220-2440 m hohe Cardamumgebirge. Das Land selbst, von zahlreichen Flüssen bewässert, ist fruchtbar und gut bebaut. Die Bevölkerung betrug 1891 auf 17 363 qkm 2 557 736 E., meist Hindu. T. ist einer der am besten verwalteten Vasallenstaaten. Ein beträchtlicher Teil der Einkünfte wird auf das Unterrichtswesen verwandt. In der Hauptstadt befindet sich eine höhere Lehranstalt (College), mit 1700 Studenten für die Universität zu Madras. Außerdem befinden sich in T. noch 24 Distriktschulen, mit engl. Unterrichtssprache, ferner 664 Schulen der Eingeborenen, alle zusammen mit über 40 000 Schülern; außerdem bestehen zahlreiche prot. und kath. Missionsschulen mit 16 000 Zöglingen. Hauptartikel der Ausfuhr sind Kokos- und Arekanüsse, Pfeffer und Kaffee.

Die Hauptstadt Tiruwanantāpuram oder Triwand(e)ram (engl. Trivandrum), 66 km gegen Nordwesten von der frühern, verfallenen