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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Trieren

1801 die Säkularisation des Erzstifts bestätigt, der auf dem rechten Ufer gelegene Landesteil meist mit Nassau verschmolzen, das Kurfürstentum aufgehoben und der Kurfürst durch eine jährliche Pension von 100 000 Fl. entschädigt. Nach dem Pariser Frieden kam das Land wieder an Deutschland, und zwar bis auf einige wenige Stücke an Preußen, während der Herzog von Sachsen-Coburg davon das nachherige Fürstentum Lichtenberg, das aber Preußen 1834 auch erwarb, der Großherzog von Oldenburg Birkenfeld und der Landgraf von Hessen-Homburg den ehemaligen Kanton Meisenheim (seit 1866 ebenfalls preußisch) erhielt. Preußen schlug damals das Triersche Land zum Großherzogtum Niederrhein; gegenwärtig bildet es den Regierungsbezirk T. und einen Teil des Regierungsbezirks Koblenz der Rheinprovinz. Kirchlich wurde T. 1802 als franz. Bistum eingerichtet und Mecheln unterstellt, 1821 aber in ein preuß. Bistum unter dem Erzbistum Köln umgewandelt. Unter dem Bischof Wilhelm Arnoldi (1842-64) zog die Ausstellung des Heiligen Rockes (1844) über 1 Mill. Pilger nach T. 1891 fand die letzte Ausstellung des Rockes durch Bischof Korum mit Zustimmung des Papstes statt.

Litteratur. Hontheim, Historia Trevirensis diplomatica et pragmatica (3 Bde., Augsb. 1750); ders., Prodromus historia Trevirensis (2 Bde., ebd. 1757); Conrad, Triersche Geschichte bis 1784 (Hadamar 1822); Gesta treverorum (hg. von Waitz in den "Monumenta Germ. hist.", Bd. 8 und 24); Chr. W. Schmidt, Baudenkmale der röm. Periode und des Mittelalters in T. (5 Hefte, Trier 1837-45); J. Marr, Geschichte des Erzstifts T. (5Bde., ebd. 1858-64); Adam Goerz, Regesten der Erzbischöfe zu T. von Hetti bis Johann II. 814-1503 (2 Bde., ebd. 1859-61); Leonardy, Geschichte des Trierschen Landes und Volks (Saarlouis 1871); von Wilmowski, Der Dom zu T. in seinen drei Hauptperioden (Trier 1874); ders., Die historisch denkwürdigen Grabstätten der Erzbischöfe im Dom zu T. und die archäologisch-liturgisch und kunstgeschichtlich bemerkenswerten Fundgegenstände in denselben (ebd. 1876); Freeman, Augusta Treverorum. Histor.-archäol. Skizze (aus dem Englischen, ebd. 1876); Hettner, Das römische T. (ebd. 1880); Wörl, Führer durch die Stadt T. (3. Aufl., Würzb. 1887); T. und seine Umgebung (3. Aufl., Trier 1889); A. Janke, Die Belagerungen der Stadt T. in den J. 1673-75 und die Schlacht an der Conzer Brücke 11. Aug. 1675 (ebd. 1890).

Trieren (grch.) oder Triremen (lat., "Dreiruderschiffe"), die Ruderschiffe der Alten mit drei Reihen von Ruderpforten, nach der Überlieferung im 8. Jahrh. v. Chr. in Korinth erfunden. Die T. machten den größten Teil der antiken Flotten aus; sie waren schmal und lang gebaut. Der Vorsteven trug ein oder mehrere Sporne (s. d.), aus schweren Balken mit metallener Spitze (Widderkopf) bestehend. Einzelne waren vorn und hinten gleich gebaut, was von großem Vorteil im Gefecht und bei engem Fahrwasser war. Gesteuert wurden die T. durch zwei seitlich am Heck angebrachte Ruder (Pedale). Nach Böckh erforderte eine Triere 170 Ruderer, also mit den Epibaten (Seesoldaten) mindestens 200 Mann. Nur in der Schlacht, bei Windstille und bei Einfahrt in den Hafen wurde gerudert, auf Reisen meist gesegelt. Die Takelung bestand bei den ältern T. aus einem Mast, mit einem Rahsegel. Der Mast war durch zwei Bugstagen und ein Backstag (s. Stage), das gleichzeitig das Fall (s. d.) des Segels bildete, gestützt und konnte mit Hilfe dieser Taue nach hinten umgelegt werden. Die größern T. bekamen zwei Masten mit je einem Rahsegel; an dem vordern kleinen, schräg nach vorn stehenden wurde in der Schlacht eine schwere Eisenmasse, oft in Delphinform, geheißt, die beim Rammen niederfallend das Deck des Gegners zertrümmern sollte. Alle T. bargen Segel und legten die Masten nieder vor der Schlacht, um manövrierfähiger zu sein. Seit Auffindung der "Attischen Seeurkunden" durch Böckh und Graser ist die Trierenfrage viel besprochen worden, von Gelehrten wie von Seeleuten. Graser hat ein Modell eines Fünfreihenschiffs, Pentere (s.d.), für das Berliner Museum rekonstruiert, das eine Menge von seetechnischen Unmöglichkeiten zeigt. Breusing schließt aus der Unmöglichkeit des Schlaghaltens (a tempo-Ruderns) der kurzen Riemen (s. d.) der untersten mit den dreimal längern der obersten Reihe, daß stets nur eine Ruderreihe in Thätigkeit war, und zwar wurden die untern nur bei ruhiger See gebraucht, die obern bei höherm Seegang und in der Schlacht, während die übrigen Ruderpforten durch einen Segeltuchstreifen geschlossen wurden. Einen neuen Beitrag zur Lösung der Trierenfrage hat der Schiffbaumeister Haack geliefert; er hält den Gebrauch von allen drei Ruderreihen, deren Anordnung die nachstehenden Abbildungen (Fig. 1 Längsschnitt und -Ansicht, Fig. 2 Querschnitt) zeigen, für möglich. In der obersten Reihe saßen die Thraniten, in der mittlern die Zygiten, in der untersten die Thalamiten. Nach Haack war die durchschnittliche Geschwindigkeit der T. etwa 5 Seemeilen, die Maximalgeschwindigkeit, die auf kurze Zeit mit allen Ruderern erreicht werden konnte, höchstens 6½ Seemeilen in der Stunde. Polyeren nannte man alle Mehrreihenschiffe im Gegensatz zu den Moneren, den Einreihenschiffen. Daß die Moneren praktischer waren als die T., geht daraus hervor, daß fast alle Galeeren (s. d.) des Mittelalters nur eine Reihe Riemen führten. (S. auch Marine und Schiffahrt.) - Vgl. Graser, De veterum re

^[Fig. 1.]

^[Fig. 2.]