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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Triobolon - Triphenylmethan

tisch kunstvoll gehalten und von einem Klavierbaß mit freier Harmonie begleitet wurden; seit 1750 wird der Ausdruck T. fast ausschließlich von Instrumentalkompositionen gebraucht. Hier bedeutet es zunächst ein Stück von drei selbständigen Stimmen; ferner ein Stück von zwei Hauptstimmen und einem begleitenden Baß; endlich ein Stück von einer Hauptstimme und zwei begleitenden Partien. Um 1700, zur Zeit Corellis, nannte man das T. auch Sonata a tre oder dreistimmige Sonate und es gehört in der Regel zur Gattung der Sonate.

Man unterschied früher Kirchen-und Kammertrios, von denen die erstern mehr im strengen fugierten Stil, die letztern leichter und häufig über Tanzweisen gesetzt waren. Arcangelo Corelli (s. d.) wurde für beide tonangebend. Den Kirchentrios am nächsten kommen die gegenwärtig noch gebräuchlichen T. für die Orgel (2 Manuale und Pedal). Viel mehr aber wird das Kammertrio jetzt geübt (das Klaviertrio: für Pianoforte, Violine und Violoncello, das Streichtrio: für Violine, Bratsche und Cello oder für zwei Violinen und Cello), worin die neuern Meister Großes geleistet haben. - Bei einer Menuett (s. d.) bedeutet das T. den mit der eigentlichen oder ersten Menuett abwechselnden und ihr entsprechenden Satz, den man daher auch sonst Menuette alternativo oder die zweite Menuett genannt hat; es wird gewöhnlich in einer verwandten Tonart geschrieben und wurde anfangs nur dreistimmig gesetzt, daher der Name T. (dreistimmige Menuett) entstanden ist. Dieselbe Bedeutung wie bei der Menuett hat das T. auch in andern Tänzen, Märschen u. s. w.

Triobolon (grch.), s. Obolos.

Triodion (grch.), in der griech. Kirche das Ritualbuch, das die gottesdienstlichen Stücke für die Zeit vom Sonntag des Pharisäers und Zöllners (Septuagesimae) bis kurz vor Ostern enthält. Der Name kommt daher, daß im T. der Kanon nicht, wie gewöhnlich, 9, sondern meist nur 3 Oden enthält. Die offiziellen Ausgaben des T. sind in Venedig gedruckt.

Triole, in der Musik eine Verbindung von drei Noten, welche die Zeitdauer von zwei gleichwertigen haben (z. B. drei Achtel, die nur für zwei Achtel gelten) und gewöhnlich durch eine darübergesetzte 3 als solche bezeichnet werden.

Trioleïn, s. Oleïn.

Triolett (frz.), Reimform von acht Zeilen mit je acht oder neun Silben in der Ordnung, daß nach der dritten Zeile die erste und nach der sechsten die beiden ersten Zeilen wiederholt werden. Diese Dichtungsart wurde von den Franzosen, von denen sie wahrscheinlich herstammt, mehr als von den Deutschen bearbeitet und eignet sich für das Tändelnde und Naive. Die besten deutschen T. sind von Hagedorn, der sie zuerst in die deutsche Litteratur übertrug, von Gleim und A. W. Schlegel. Eine Auswahl derselben hat Raßmann herausgegeben (Duisb. 1815).

Triomphe de Liège (frz., spr. trióngf' dĕ lĭähsch), Zierpflanze, s. Heliotrop.

Trional, Diäthylsulfonmethyläthylmethan, glänzende, bei 76° schmelzende, in Wasser schwer, in Alkohol und Äther leicht lösliche Krystalle von bitterm Geschmack. T. wird in der Medizin in Gaben von 1 bis 2 g als sicher und angenehm wirkendes Schlafmittel vielfach angewendet.

Trionychidae, s. Flußschildkröten und Schildkröten.

Trionyx ferox, s. Dreiklauenschildkröte.

Triosen, s. Zuckerarten.

Trioxybuttersäure, s. Erythrit.

Tripalda, Stadt in Italien, soviel wie Atripalda (s. d.)

Tripang, s. Holothurien.

Tripel (frz. tripie), dreifach.

Tripel, Bergmehl, s. Kieselgur.

Tripel, Alexander, Bildhauer, s. Trippel.

Tripelallianz, s. Allianz.

Tripeltakt, in der Musik der dreiteilige Takt. Es ist die einzige Species der ungeraden Taktarten, die in der modernen Musik regelmäßig vorkommt, und umfaßt 3/1-, 3/2-, 3/4-, 3/8-, 9/8-, 9/4-Takt.

Triphan, Mineral, s. Spodumen.

Triphenylcarbinol, s. Triphenylmethan.

Triphenylmethan, ein künstlich dargestellter Kohlenwasserstoff von der Zusammensetzung C19H16, der als Muttersubstanz einer großen Zahl von organischen Farbstoffen (der Triphenylmethanfarbstoffe, s. d.) von Wichtigkeit ist. Seiner chem. Konstitution nach ist das T. als Methan (CH4) aufzufassen, worin drei Wasserstoffatome durch Phenylgruppen (C6H5) vertreten sind. Dem entspricht der Name und die Formel:

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Das T. ist am leichtesten darstellbar durch Erhitzen von Chloroform mit Benzol bei Gegenwart von Aluminiumchlorid, das die Abspaltung von Chlorwasserstoff begünstigt:

CHCl3 + 3 C6H6 = CH(C6H5)3 + 3 HCl.

Chloroform Benzol Triphenylmethan Salzsäure.

Dabei entsteht als Nebenprodukt Diphenylmethan (s. d.). Das T. krystallisiert in schönen weißen Krystallen, die in Wasser unlöslich, in heißem Alkohol, Äther und Benzol leicht löslich sind. Aus letzterm Lösungsmittel scheidet sich T. in großen weißen Prismen ab. Es schmilzt bei 93° und siedet bei 359°. Durch Behandeln des T. mit Brom wird das Methanwasserstoffatom gegen Brom ausgetauscht unter Bildung von Triphenylmethanbromid, (C6H5)3CBr3, das beim Kochen mit Wasser in Triphenylcarbinol, (C6H5)3·COH, übergeht. Dieses letztere entsteht auch direkt aus T. durch Oxydation mit Chromsäure, ist ein bei 159° schmelzender, unzersetzt destillierbarer Körper und bildet die Grundsubstanz der eigentlichen Triphenylmethanfarbstoffe, während das T. die Grundsubstanz der Leukoverbindungen dieser Farbstoffe ist.

Auch von dem dem T. homologenen Diphenyltolylmethan, (C6H5)2·CH·C6H4·CH3 = C20H18, oder dessen Carbinol leiten sich wichtige Farbstoffe ab. Seinen Eigenschaften nach ist es dem T. sehr ähnlich und schmilzt bei 59°. Das Diphenyltolylmethan wurde aus dem Rosanilin, das T. aus dem Pararosanilin durch sog. chemischen Abbau gewonnen. Diese Entdeckung E. und O. Fischers brachte mit einem Mal Licht in die Konstitution der Anilinfarben, umsomehr, als es auch gelang, aus dem T. das Pararosanilin synthetisch wieder aufzubauen. Durch rauchende Salpetersäure wird T. nämlich in das in gelben Schuppen krystallisierende Trinitrotriphenylmethan, CH·(C6H4·NO2)3, übergeführt, das durch Oxydation mit Chromsäure Trinitrotriphenylcarbinol, C(OH)(C6H4·NO2)3, liefert. Ersteres giebt bei der Reduktion mit Zinkstaub und Eisessig das Paraleukanilin, CH(C6H4·NH2)3, letzteres bei gleicher Behandlung Pararosanilin, C(OH)(C6H4·NH2)3, dessen Salze dann die eigentlichen Farbstoffe geben.