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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Trockenästung - Trockne Destillation

deren Spitze er sich 8. Sept. 1855 beim Sturm auf den Malakow auszeichnete. Seit 1856 Mitglied des Generalstabskomitees, 4. Mai 1859 zum Divisionsgeneral befördert, that er sich während des ital. Krieges in der Schlacht von Solferino hervor. Nach dem Friedensschlusse wurde er wieder ins Kriegsministerium berufen. Eine kritische militär. Broschüre "L'armée française en 1867" (anonym; Par. 1867; 20. Aufl. 1870), in der er sich rücksichtslos über die Schäden der franz. Armee aussprach, zog ihm die Ungunst des Hofes zu.

Vor dem Ausbruch des Krieges von 1870 befehligte T. die 12. Territorialdivision zu Toulouse. Am 17. Aug. wurde er Gouverneur von Paris. Am 4. Sept. trat T. an die Spitze der Regierung der nationalen Verteidigung. (S. Paris, Geschichte.) Als er sah, daß eine Kapitulation der Hauptstadt unvermeidlich geworden war, legte er 20. Jan. 1871 das Kommando in die Hände des Generals Vinoy nieder, verblieb jedoch Präsident der Regierung. Als Mitglied der Nationalversammlung von Bordeaux und Versailles, wo er zum rechten Centrum gehörte, versuchte er, seine Thätigkeit als Gouverneur von Paris zu verteidigen. Nach einem Prozeß gegen den "Figaro", in dem T. seine Sache nur halb gewann, legte er im Juli 1872 sein Mandat nieder, nahm 16. Jan. 1873 seinen Abschied aus der Armee und zog sich in seine Heimat zurück. Er starb 7. Okt. 1896 in Tours. T. veröffentlichte zu seiner Rechtfertigung "L'empire et la défense de Paris devant le jury de la Seine" (Par. 1872), "Pour la vérité et pour la justice" (ebd. 1873), "La politique et la siége de Paris" (ebd. 1874), sowie "L'armée française en 1879" (anonym; ebd. 1879 u. ö.), ein Gegenstück zu seiner frühern Arbeit. - Vgl. Souvenirs posthumes du général T. (2 Bde., 1896).

Trockenästung, s. Ästung.

Trockendocks, trockne Docks, s. Dock.

Trockenelement, s. Galvanisches Element (Bd. 17.)

Trockenfäule, eine Krankheit der Kartoffelknolle. Von der einen Seite wird sie als ein durch Trockenheit entstandenes Hemmungsstadium der Naßfäule (s. d.) angesehen. Liegt die naßfaule Knolle trocken, so vertrocknen die verjauchten Partien und das noch nicht erweichte, aber erkrankte Gewebe bildet eine braune zerreibliche Masse, die trockenfaule Kartoffel. Von andern wird angenommen, daß die T. ein Zersetzungsprozeß ist, der durch den Kartoffelpilz eingeleitet und (bei trocknem Liegen) durch Schimmelpilze (Hypomyces solani Tul.) vollendet wird. Sowohl die Naß- als die Trockenfäule sind nicht die direkte Wirkung des Kartoffelpilzes, sondern dieser bereitet nur die Knolle zur Ansiedelung von Bakterien (Naßfäule) und Schimmelpilzen (Trockenfäule) vor.

T. heißt auch der Vermoderungsprozeß des Holzes, welcher entsteht, wenn Hölzer als Konstruktionsteile an Orten eingebaut werden, wo sie nicht gehörig austrocknen können, z. B. in feuchten Kellern, Schächten u. s. w. Dabei ist die Einwirkung von äußerer Nässe gar nicht erforderlich.

Trockenfeinspinnmaschine, s. Flachsspinnerei.

Trockenfrüchte, die Früchte, deren Perikarp trockenhäutig, leder- oder holzartig ist. Hierher gehören z. B. Achäne, Hülse, Schote, Kapsel.

Trockenfütterung, die Ernährung der Haustiere mit Dürrfutter (Stroh, Heu, Kraftfutter); sie soll vor der Grünfütterung den Vorzug des während des ganzen Jahres gleichbleibenden Futters haben, und hauptsächlich aus diesem Grunde wird von verschiedenen Autoren (A. Krämer) ausschließlich T. beim Rindvieh empfohlen. Dagegen wird geltend gemacht, daß wenn auch die Verdaulichkeit der Futtermittel durch den Vorgang des Trocknens an und für sich nicht verändert wird, doch in der Praxis wesentliche Verluste an Nährstoffen bei der Gewinnung des Trockenfutters, namentlich bei ungünstiger Witterung, kaum zu vermeiden sind. Gutes Grünfutter (nötigenfalls mit Stroh vermengt) ist im Sommer für die Tiere das Natürlichere und Bekömmlichere; deshalb wird in neuerer Zeit selbst die Vorschrift, daß Kühe zur Lieferung von Kindermilch ausschließlich mit Trockenfutter ernährt werden sollen, vielfach abfällig kritisiert.

Trockenkammer, s. Appretur und Flachsspinnerei.

Trockenkur, soviel wie Schrothsche Kur (s. d.).

Trockenmaschinen, s. Appretur, Flachsspinnerei und Getreidereinigungsmaschinen.

Trockenöl, s. Siccativ.

Trockenpreßmaschine, s. Torf.

Trockenpreßsteine, Briquettes, s. Preßkohlen.

Trockenspinnmaschine, s. Flachsspinnerei.

Trockenstück, s. Stuccaturarbeit.

Trockensubstanz, sämtliche Bestandteile irgend eines Materials, abgesehen von dem darin enthaltenen Wasser; sie wird bestimmt durch Austrocknen der betreffenden Substanz bei höherer Temperatur (100° C.). Am häufigsten spricht man von T. bei den Futtermitteln; der Gehalt an dieser giebt den ersten Anhalt zur Beurteilung des Wertes derselben. Die trocknen Futtermittel (Körner, Heu, Stroh u. s. w.) enthalten etwa 85 Proz. T. (also 15 Proz. hygroskopisches Wasser), dagegen die Grünfuttermittel und die Wurzelfrüchte nur etwa 20 Proz. T. (und 80 Proz. Vegetationswasser).

Trockne Destillation, jede Zersetzung einer chem. Verbindung durch Wärme, die unter Luftabschluß erfolgt und flüchtige Produkte liefert. Meist macht man von ihr zur Zersetzung organischer Substanzen und der Mineralkohlen Gebrauch. Dabei gruppieren sich die durch hohe Temperatur in ihrem Zusammenhang gelockerten Elementaratome zu neuen Verbindungen, die teils Gase, teils flüchtige Flüssigkeiten und verdampfbare feste Körper sind, während ein Teil des Kohlenstoffes zusammen mit den etwa vorhandenen Aschenbestandteilen zurückbleibt (z. B. Holzkohle, Blutkohle, Knochenkohle, Koks u. dgl.). Unter den Gasen finden sich, wenn die trocken destillierte Substanz Sauerstoff enthielt, stets Kohlensäure und Kohlenoxyd, unter den Flüssigkeiten Wasser, leicht flüchtige organische Säuren (aus Holz z. B. Essigsäure), Ketone, Phenole u. dgl. Immer treten Wasserstoffgas und Kohlenwasserstoffe auf, welch letztere gasförmig (z. B. Grubengas, Äthylen, Acetylen) oder flüssig (Äthane von höherm Molekulargewicht, Benzol und seine Homologen) oder auch fest sind (z. B. Paraffin, Naphthalin, Anthracen). Enthält die zersetzte Verbindung Stickstoff, so finden sich Ammoniak und organische Aminbasen; enthielt sie Schwefel, so ist auch Schwefelwasserstoff, Thiophen u. a. m. unter den Produkten der T. D. Ein Teil der übergehenden Produkte bildet stets in Wasser unlösliche Öle, in denen feste Stoffe gelöst oder nur beigemischt sind. Diese Produkte werden Teer genannt. Meist entstehen durch die T. D. nebeneinander sehr viele verschiedene Produkte, so daß nicht nur die gasförmigen, sondern auch die wässerigen und teerigen höchst komplizierte