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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tropfstein - Tropischer Monat

dem zur Beobachtung verwandten Instrument; auch kann die T. wesentlich beeinflußt werden durch die Venusatmosphäre, die mehrfach bei Venusdurchgängen als feiner, die schwarze Venusscheibe umgebender Lichtsaum wahrgenommen worden ist.

Tropfstein, Stalaktit oder Höhlenstein, eine Mineralform neuester Bildung, die in der Regel aus Kalkspat oder Aragonit (Kalksinter, s. d.) besteht. Der T. entsteht als Absatz aus herabträufelnden Wässern, die vermöge ihres Kohlensäuregehalts kohlensauren Kalk aufgelöst enthalten, und überzieht Decken, Wände und Boden der Kalksteinhöhlen (Tropfsteinhöhlen), oder bildet frei herabhängende Zapfen oder Säulen in denselben. Letztere pflegt man speciell Stalaktiten zu nennen, während man unter Stalagmiten die mehr flach kegelförmigen Gebilde versteht, die vom Boden aus emporwachsen, indem das kalkhaltige Wasser fortwährend auf einen Punkt herabtropft; beide kommen oft in der Mitte der Höhlen zusammen. (S. Höhlen nebst Taf. I, Fig. 1 und 2, und Taf. II, Fig. 1.)

Trophäen (grch. trópaion; lat. tropaeum, in späterer Form auch trophaeum), im Altertum Siegeszeichen aus erbeuteten Waffen, die in älterer Zeit an einem Baumstamme oder Gerüst aufgehängt, auf dem Kampfplatz aufgestellt, später auch überhaupt Monumente, die irgendwo zum Andenken eines Sieges errichtet wurden. Jetzt nennt man T. die mit bewaffneter Hand im freien Felde eroberten Fahnen, Standarten und Geschütze.

Trophoneurosen (grch.), Ernährungsstörungen, die von Erkrankungen der sog. trophischen, d. i. der bei der Ernährung thätigen Nerven abhängen. Hierher gehören die Muskelatrophien bei Erkrankung der vordern Hörner des Rückenmarks, die Gürtelflechte, die halbseitige Gesichtsatrophie u. a.

Trophonios (Trephonios), Sohn des Erginos, des Königs von Orchomenos, Bruder des Agamedes, ein berühmter Baumeister der Minyer, welcher mit seinem Bruder den ersten, 548 v. Chr. abgebrannten Tempel des Apollon zu Delphi und viele andere Bauwerke errichtete. Von dem Schatzhause des Königs Hyrieus erzählte man (ähnlich wie von dem des Königs Rhampsinit in Ägypten), die Brüder hätten in dasselbe einen Stein so eingefügt, daß er sich von außen leicht herausnehmen ließ, um nachts den Schatz zu stehlen. Als sich aber in den von Hyrieus gelegten Schlingen einst Agamedes fing, schnitt ihm T., um nicht durch den Bruder als Mitschuldiger entdeckt zu werden, den Kopf ab. Darauf that sich vor T., als er von Hyrieus verfolgt wurde, bei Lebadeia in Böotien die Erde auf. Dort entstand das lange Zeit hindurch hoch angesehene Orakel des T., wo er als Zeus T. und neben ihm besonders Demeter und Persephone verehrt wurden. Die Fragenden stiegen nach vielen Opfern in eine unterirdische Schlucht hinab, wo sie auf geheimnisvolle, schreckhafte Weise die Offenbarungen erhielten, die ihnen aufgeschrieben und dann gedeutet wurden.

Tropici, s. Wendekreise.

Tropidonotus, s. Ringelnatter und Tafel: Schlangen, Fig. 2.

Tropikvögel (Phaëton) nennen die Seeleute schöne Vögel (drei Arten) aus der Familie der Ruderfüßler, nach der Eigentümlichkeit, daß sie sich bloß zwischen den Tropen sehen lassen. Die häufigste Art (Phaëton aethereus L., s. Tafel: Schwimmvögel II, Fig. 3) ist ohne die beiden sehr verlängerten weißen, mittlern Schwanzfedern 40 cm lang und klaftert 104 cm; sein Gefieder ist unten weiß, rosig überhaucht, durch das Auge geht ein schwarzer Seitenstreif, auch die Schwungfedern sind zum Teil schwarz, die Füße gelb, der Schnabel ist rot. Es giebt noch zwei nahe verwandte Arten. Der Tropikvogel legt ein blaß schokoladenfarbenes, dunkelbraun geflecktes Ei. Über Verbreitungsgebiet der T. s. Karte: Tiergeographie I.

Tropin, s. Atropin.

Tropisch (grch. tropicos), uneigentlich, figürlich.

Tropische Krankheiten, Krankheiten, die vorzugsweise in den Tropenländern herrschen und durch deren Klima bedingt werden. Die Gesamtmortalität ist in den Tropen sehr hoch. Besonders trägt hierzu die Anämie bei, der dort der Europäer sehr bald verfällt, ferner die zahlreichen gefährlichen Leberkrankheiten (eiterige Leberentzündung, Leberabsceß u. s. w.), die häufig mit der Anämie zusammen vorkommen, vor allem aber die Malaria, die oft in bösartigster Form auftritt. Auch schwere Ruhrepidemien fordern zahlreiche Opfer. Außerdem finden sich in den Tropen eine Reihe mörderischer Infektionskrankheiten, wie Gelbfieber, Cholera, Denguefieber, Beriberi, die aber nur gelegentlich epidemisch auftreten und deshalb nicht so viele Opfer fordern wie die vorerwähnten beständig einwirkenden Schädlichkeiten. Tuberkulose tritt ebenfalls häufig auf, mit Ausnahme der Hochplateaus (z. B. Mexiko, Quito, wo sie infolge der günstigen Einwirkungen des Höhenklimas fast ganz fehlt). Dazu kommen noch eine Reihe von Hautkrankheiten (Delhibeule, Madurafuß, Lepra).

Zum Schutz gegen die T. K. sind gewisse Vorschriften zu beobachten, deren Gesamtheit man als Tropenhygieine bezeichnet. Die Nahrung soll in ähnlicher Weise ausgewählt werden, wie in den gemäßigten Klimaten im heißen Hochsommer; zu fette Speisen sind zu vermeiden. Die Kleidung sei leicht und möglichst hellfarbig. Gegen die Gefahren einer Überhitzung des Körpers ist auch eine geordnete Hautpflege mit öftern kalten Abwaschungen von Nutzen. Auf die Anlage der Wohnung ist besondere Aufmerksamkeit zu verwenden; der Baugrund sei felsig oder befinde sich auf einem Hügel; feuchter oder gar sumpfiger Baugrund ist der Malariagefahr wegen zu vermeiden. Aus demselben Grunde sei die Sohle des Hauses vollständig abgedichtet. Durch ein seitlich weit herabreichendes Dach läßt sich ein gewisser Schutz gegen die Sonnenstrahlung erreichen. Vor allem aber darf der Europäer in den Tropen keine andauernde schwere körperliche Arbeit, z. B. Feldarbeit, verrichten, weil ihn diese in hohem Grade der Gefahr des Hitzschlages aussetzt. Der Europäer soll nur die Aufsicht führen oder höchstens leichte Gartenarbeit u. s. w. verrichten. Trotz aller Schutzmaßregeln ist aber doch eine völlige Acclimatisation des Europäers, mit Ausnahme einiger südeurop. Völker, in tropischen Gebieten unmöglich.

Litteratur. Sullivan, The endemic diseases of tropical climates with their treament (Lond. 1877); Wernich, Geogr.-mediz. Studien nach den Erlebnissen einer Reise um die Erde (Berl. 1878); Falkenstein, Ärztlicher Ratgeber für Seeleute, Kolonisten und Reisende in südl. Gegenden (ebd. 1882); Maclean, Diseases of tropical climates (Lond. und Neuyork 1887); Däubler, Die Grundzüge der Tropenhygieine (Münch. 1895); Archiv für Schiffs- und Tropenhygieine (Cassel, seit 1897).

Tropische Landwirtschaft, s. Tropenländer.

Tropischer Gürtel, s. Temperaturverteilung.

Tropischer Monat, s. Monat.