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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tuberkulöse Gelenkentzündung - Tubifloren

Haustiere durch einen und denselben Spaltpilz, den Tuberkelbacillus, erzeugt und weiter verbreitet wird. Besondere Bedeutung besitzen die früher mit dem Namen Perlsucht und käsige Lungenentzündung, Lungentuberkulose oder Lungensucht belegte T. des Rindes sowie die T. des Schweins. Bei den übrigen Haustieren (Pferd, Ziege und Schaf) ist die T. selten. Unempfänglich für T. sind aber auch diese Tiere nicht, und Ziegen z. B. können bei ausschließlicher Stallhaltung ebenso tuberkulös werden wie die Rinder. Nach zuverlässigen Schätzungen sind im allgemeinen über 25 Proz. aller Rinder mit Ausschluß der Kälber tuberkulös; dieser Prozentsatz ist indessen noch größer, wenn man nur Kühe oder gewisse Gegenden in Betracht zieht, wo bis zu 75 Proz. mit T. behafteter Rinder vorkommen. Bei Schweinen ist der durchschnittliche Prozentsatz viel geringer; derselbe beträgt in Norddeutschland 1-4 Proz., in Süddeutschland nicht ganz 1 Proz. Die Schweinetuberkulose hängt eng mit der Rindertuberkulose zusammen, weil die Krankheit erwiesenermaßen durch die Verfütterung der Milch tuberkulöser Rinder auf Schweine übertragen werden kann. Besonders gefährlich ist die Verfütterung des sog. Centrifugenschlamms, weil die in der Milch enthaltenen Tuberkelbacillen durch das Centrifugieren in den Schlamm ausgeschleudert werden. In sehr seltenen Fällen ist die T. angeboren; in der Regel wird sie vom Tiere erworben durch Einatmung Tuberkelbacillen enthaltender Luft, durch Aufnahme Tuberkelbacillen enthaltender Nahrung. Je nach der Art der Ansteckung findet man bei den Tieren T. der Lunge (Einatmung), des Darms und der Gekrösdrüsen (Fütterung) oder der Geschlechtsteile (Begattung). Von diesen Eingangspforten kann jedoch die Krankheit auf andere Organe übergehen, so daß schließlich sämtliche Organe erkrankt sein können. Wo immer ein Tuberkelbacillus im Innern des Organismus hingelangt, entsteht ein Knötchen (Knötchenschwindsucht); diese Knötchen zerfallen sehr bald zu einem käsigen oder eiterigen Brei, wenn sich nicht Kalksalze in ihnen ablagern. Durch das Zusammenfließen größerer Mengen solcher verkäsender Knötchen (Tuberkeln) entstehen umfangreichere Käse- und Eiterherde. Diese finden sich besonders in der Lunge, der Leber, der Milz, in den Nieren, in der Gebärmutter und in den Knochen sowie in den entsprechenden Lymphdrüsen. Beim Rinde erzeugt der Tuberkelbacillus außerdem ausgedehnte bindegewebige Wucherungen mit eingesprengten Käseherden auf dem Bauch- und Brustfell (Perlsucht) sowie im Euter. Letzteres wird dadurch bedeutend vergrößert; diese Vergrößerung betrifft aber merkwürdigerweise immer nur einen Teil, sehr selten das ganze Euter.

Die mit T. behafteten Tiere zeigen das allerverschiedenste Verhalten; manche werden dabei dick und fett (fette Franzosen), andere magern bis zum Skelett ab, je nach der Ausdehnung des Prozesses auf Organe, die für die Verdauung und Assimilation von Wichtigkeit sind. Das wichtigste Symptom der T. ist andauernder Husten und Abmagern trotz guten Appetits. Außerdem zeigen die Tiere in höhern Graden bei genauerer Beobachtung eine gewisse Trägheit, Energielosigkeit in ihren Bewegungen, namentlich beim Fressen, und einen traurigen Blick. Das Auftreten von schmerzlosen Drüsenanschwellungen bei solchen Tieren im Kehlgange, am Bug, in der Kniefalte, oder Anschwellungen eines oder mehrerer Euterviertel machen den Tuberkuloseverdacht zur Gewißheit. Eine frühzeitige sichere Diagnose der äußerlich noch gar nicht erkennbaren T. der Haustiere gelingt durch Anwendung des Kochschen Tuberkulins (s. d.); bei tuberkulösen Tieren tritt nach der Einspritzung hohes Fieber vorübergehend auf. Die Reaktion tritt durchschnittlich 15 Stunden nach der Einspritzung auf. Die Dosis für eine Einspritzung bei Rindern beträgt 0,3 bis 0,5 g.

Evident tuberkulöse Tiere mit erheblicher Ausdehnung des Prozesses sind unverzüglich zu schlachten. Diejenigen Tiere dagegen, welche nur durch die Anwendung des Tuberkulins als tuberkuloseverdächtig erkannt werden, sind zu separieren, d. h. in besondern Stallungen oder abgeschlossenen Stallabteilungen unterzubringen. Ihrer weitern wirtschaftlichen Nutzung steht bis zum Auftreten offenbarer Störung der Gesundheit nichts im Wege. Die tuberkuloseverdächtigen weiblichen Tiere können selbst ohne Bedenken zur Nachzucht verwendet werden, wenn die jungen Tiere nur sofort von ihren Müttern getrennt und mit gekochter oder sterilisierter Milch ernährt werden. Tuberkulöse oder tuberkuloseverdächtige männliche Tiere sind dagegen von der Nachzucht auszuschließen. Die Ställe, in welchen tuberkulöse Tiere untergebracht waren, sind zu desinfizieren.

Die T. der Tiere kann auch auf den Menschen durch die Milch tuberkulöser Kühe und durch das Fleisch tuberkulöser Tiere übertragen werden. Bei allgemein verbreiteter T. wird daher das Fleisch des betreffenden Tieres vernichtet; bei örtlich beschränkter T. wird es oft auf dem Schlachthof selbst, event. schon gekocht, weil dann unschädlich, an der Freibank als minderwertig verkauft. Die Gefahr der Übertragung durch Milch ist besonders für Kinder, die für Darmtuberkulose sehr empfänglich sind, groß. Schutz gewährt ein viertelstündiges Abkochen der Milch. - Vgl. Voges, Der Kampf gegen die T. des Rindviehs (Jena 1897).

Tuberkulöse Gelenkentzündung, s. Gliedschwamm.

Tuberose oder Nachthyacinthe (Polyanthes tuberosa L.), Pflanze der Liliaceen (s. d.) aus Ostindien, mit spitzer starkschuppiger Zwiebel, schmalen, rinnenförmigen Blättern und bis 1 m hohem Blütenschaft, der an seiner Spitze eine Ähre flacher, weißer, stark duftender Blüten trägt. Die Stammform mit einfachen Blumen wird im südl. Frankreich und Italien zur Gewinnung einer wohlriechenden Essenz angebaut, die Gartenform mit gefüllten Blumen als Marktpflanze und Schnittblume für die Binderei in Töpfen kultiviert. In Deutschland können die für diesen Zweck erforderlichen Zwiebeln wegen ungenügender Sommerwärme nicht herangezogen werden, weshalb man sie aus wärmern Ländern, besonders den Vereinigten Staaten und der Kapkolonie bezieht. Besonders beliebt ist die niedrig bleibende Form The Pearl.

Tübet, Land, soviel wie Tibet.

Tubicolae, s. Borstenwürmer.

Tubifloren, Pflanzenordnung aus der Gruppe der Dikotyledonen, Abteilung der Sympetalen, mit regelmäßigen, zwitterigen, fünfzähligen Blüten und oberständigen, aus zwei bis fünf Fruchtblättern verwachsenen Fruchtknoten. Die Blumenkrone ist fast stets röhren- oder trichterförmig. Die Ordnung umfaßt die Familien der Convolvulaceen (s. d.), Polemoniaceen (s. d.), Hydrophyllaceen (s. d.), Asperifoliaceen oder Boragineen (s. d.), Solanaceen (s. d.). Hierzu Tafel: Tubifloren; zur Erklärung s. die