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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tunnelkrankheit - Tupa-Tupa

liegt, als Firststollen oder Sohlstollen bezeichnet); mitunter werden, um mehrere gleichzeitig benutzbare Angriffspunkte zu schaffen, von Thaleinsenkungen, welche sich oberhalb der Tunnellinie vorfinden, eigene Schachte abgeteuft und sodann in Höhe des T. nach beiden Seiten ausgebrochen, wie dies z. B. beim Hauensteintunnel der Schweiz der Fall war. Der endgültige Ausbau erfolgt meist in Stein, seltener in Eisen oder Holz. Die Rücksichtnahme auf zweckmäßige Förderung der gewonnenen Massen, Beleuchtung und Lüftung des Arbeitsraums sowie die Sicherung der Arbeiter vor Unfällen gestalten mit den früher erwähnten Rücksichten die Tunnelbauten oft zu den schwierigsten Aufgaben des Ingenieurs und haben zu einer eigenen wissenschaftlichen Ausbildung dieses Zweiges der Technik sowie zur Erziehung hierfür besonders geeigneter Arbeitskräfte Veranlassung gegeben. Für Durchführung von T. durch loses und nasses, sog. "schwimmendes Gebirge" hat sich das Gefrierverfahren (s. d.) zweckmäßig erwiesen.

T. wurden schon 2000 Jahre v. Chr. von den Ägyptern, später von den Persern angelegt. Zu den berühmtesten Bauten der Römer zählt der 5600 m lange T. zur Ableitung der Wasser des Fucinosees, der, mittels 40 Schächte in Angriff genommen, in einer Tiefe von 122 m unter dem Rücken des Palatin sich erstreckte. Als Straßentunnel aus röm. Zeit ist besonders die Grotta di Posilippo bei Neapel bekannt, ein T., welcher unter Kaiser Augustus zur Verbindung von Neapel mit Puteoli und Cumä angelegt wurde, 7 m breit und teils 7, teils bis 25 m hoch. Die größere Höhe nach der Seite von Neapel ist durch nachträgliches Tieferlegen der Ausfahrt auf jener Seite entstanden. Der älteste Eisenbahntunnel ist der für die Liverpool-Manchesterbahn 1826-29 erbaute, welcher unter ersterer Stadt sich hinzieht. Zu den neuern Eisenbahntunnels haben Frankreich, Italien, Deutschland, Österreich, Amerika und die Schweiz interessante, zum Teil in höchst ungünstigem, Wasser führendem Gebirge liegende T., die nur unter den größten Schwierigkeiten hergestellt werden konnten, aufzuweisen. Zu den unter Wasser ausgeführten T. gehören als der älteste und bekannteste der von Brunel (s. d.) unter unsäglichen Schwierigkeiten erbaute, 1842 eröffnete erste Themsetunnel (1825 begonnen, 3 km unterhalb London-Bridge, nach Rotherhithe führend; 396 m lang; Kosten 9,36 Mill. M.; seit 1865 führt eine Linie der East London Railway Company hindurch mit täglich über 40 Zügen), zu welchem 1870 der T. bei Tower-Hill und 1897 der Blackwell-Tunnel (nach dem Entwurf von Binnie; 1890 m lang; Kosten 1,742 Mill. M.) getreten sind. Über den St. Clairtunnel s. Sarnia. Unter den vielen Projekten, die eine direkte Verbindung Englands mit Frankreich anstreben, ist das eines unter dem Meeresboden sich erstreckenden T. nach vorgenommenen Probestollenbauten technisch kaum besonders schwierig, doch scheiterte es bisher an dem Widerstreben der militär.-polit. Kreise Englands.

Die bedeutendsten T. durch Gebirge sind: der St. Gotthardtunnel (14 990 m, 1882 eröffnet, s. Gotthardbahn), der Mont-Cenis-Tunnel (12 220 m, 1871 eröffnet, s. Mont-Cenis), der Arlbergtunnel (10 250m, s. Arlberg), der Haupttunnel (Giovi-Galerie) der Bahn Novi-Genua (8260 m, s. Genua und Giovibahn), der Horsactunnel in Massachusetts (7640 m), der Sutrotunnel in Nevada (Bergwerksbahn, 6000 m), der T. bei Slandridge (London-Birmingham, 4970 m), der Nerthetunnel (Marseille-Avignon, 4620 m), der T. bei Belbo in Italien (4240 m), der Kaiser-Wilhelm-Tunnel der Moselbahn bei Kochem, der längste Deutschlands (4220 m), der Blaisytunnel (Paris-Lyon, 4100 m) u. s. w. Durch große Kosten ihrer Anlage und schwieriges Gelände, das sie durchsetzen, sind bemerkenswert der nur 416 m lange Lupkowtunnel in den Karpaten, der 17 000 M. für das laufende Meter, der 503 m lange Czernitztunnel in Schlesien, der 4050 M. für das laufende Meter kostete, während sich bei ähnlichen Anlagen in günstigerm Boden der Preis auf etwa 1000 M. für das laufende Meter stellt. Geplant sind von größern Gebirgstunnels: der St. Bernhardtunnel (6500 m), der Simplontunnel (s. Simplonbahn) u. a. Der längste T. der Welt (32 km) wird der 1897 begonnene T. durch den Pike's Peak in Colorado, der zunächst bergmännischen, später Eisenbahnzwecken dienen soll.

Von Kanaltunnels unter Bergen sind unter vielen andern hervorzuheben der 1679 erbaute Malpastunnel im Zuge des Kanals von Languedoc, der schon 1803 erbaute und 8 m breite T. von Tronquoy im Zuge des Kanals von St. Quentin, der große T. am Themse- und Medwaykanal (erbaut 1822), der T. in den Rüdersdorfer Kalksteinbergen bei Berlin. Flußtunnels unter Gebirgen finden sich an der Brennerbahn u. a. Von Eisenbahn- und Straßentunnels unter Flüssen und Meerengen sind die wichtigsten: der T. unter dem Severn zwischen Südengland und Wales 7262 m lang, der unter dem Mersey zwischen Liverpool und Birkenhead, der T. unter dem Hudson in Neuyork (im Bau, später eingestellt). Als Straßentunnels sind zu nennen der durch den Col di Tenda (1450 durch Anna von Lusignan begonnen), die T. an der Axenstraße in der Schweiz, der bei Traunkirchen am Traunsee und die zahlreichen T. der 1895 eröffneten Straße von Almalsi über Positano nach Sorrento; Straßentunnels unter Wasserläufen finden sich z. B. in Chicago; für großartige Wasserleitungen wurden T. oder Stollen unter dem Michigansee in Chicago, Milwaukee u. s. w. gebaut, die neue 45 km lange Wasserleitung in Neuyork wird zum größten Teil im T. liegen. In Kristiania wird ein 12,7 km langer T. geplant, der Wasser für 24 000 Nutzpferdestärken aus dem Ojernsee der Stadt zuführen soll. Zu den T. sind auch die unterirdischen Wege der Untergrundbahnen (s. d.) zu rechnen.

Litteratur. Ržiha, Lehrbuch der gesamten Tunnelbaukunst (2. Aufl., Berl. 1874); Handbuch der Ingenieurwissenschaften (Bd. 1, Abteil. 3, 2. Aufl., Lpz. 1887); Schön, Der Tunnelbau (Wien 1874); Forchheimer, Engl. Tunnelbauten (Aachen 1884); Dolezalek, Der Tunnelbau (Hannov. 1892 fg.); Lorenz, Praktischer Tunnelbau (Wien 1890).

Tunnelkrankheit, soviel wie Minenkrankheit (s. d.); auch die von Dochmius Duodenalis (s. d.) verursachte Gotthardkrankheit wird T. genannt.

Tunsberg, Stadt in Norwegen, s. Tönsberg.

Tunstall (spr. tönnstĕl), Stadt in der engl. Grafschaft Stafford, Station der North-Staffordshire-Eisenbahn in den Potteries (s. d.), 6 km nördlich von Stoke-upon-Trent, zählt (1891) 15 730 E. und hat bedeutende Töpferei, Ziegelbrennerei, Kornmühlen und chem. Fabriken.

Tuntur, s. Tundra.

Tupa-Tupa, s. Tippo-Tip.