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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tupelo - Turbinen

Tupelo (Nyssa aquatica L.), eine in Nordamerika (Maryland, Virginien, Carolina) heimische, zu den Cornaceen gehörige Sumpfpflanze, welche die Tupelostifte liefert; diese sind konisch oder sondenförmig zugeschnittene, leicht quellbare Stifte von verschiedenem Kaliber, die in der Chirurgie und Gynäkologie zur Erweiterung von Kanälen und Öffnungen benutzt werden.

Tüpfel, in der Botanik Vertiefungen in den Wänden aneinander stoßender Zellen oder Fasern, die den Austausch der Stoffe erleichtern. Je nach der Form unterscheidet man einfache, kreisrunde, spaltenförmige, behöfte, siebartige T. u. a. Die Form der T. ist meistens charakteristisch für die einzelnen Gewebesysteme; so besitzen z. B. die Tracheïden und Gefäße fast stets behöfte T., die Siebröhren siebartig durchlöcherte T., die Bastzellen spaltenförmige, die meisten Parenchymzellen einfache kreisrunde T. u. s. w.

Tüpfelfarn, s. Polypodium, Asplenium und Farne.

Tupi, Indianerstamm, s. Guarani.

Tupy, Karl Eugen, Pseudonym von Boleslaw Jablońský, czech. Dichter, geb. 14. Jan. 1813 zu Kardasch Rjetschitz, gest. im März 1881 als Propst des Prämonstratenserklosters in Krakau, welches Amt er seit 1817 bekleidete, war einer der beliebtesten Lyriker Böhmens. Er schrieb Liebes- und andere Lieder ("Basně", 5. Aufl., Prag 1872), die vielfach komponiert wurden, und die didaktische Dichtung "Des Vaters Weisheit".

Tura, linker Nebenfluß des Tobol in den russ. Gouvernements Perm und Tobolsk, kommt aus dem mittlern Uralgebirge und mündet nach 725 km. Sie ist von Werchoturije an auf 555 km schiffbar, für Dampfschiffe von der Mündung der Nitza an auf 220 km; auf der Nitza gehen Dampfschiffe bis Irbit.

Turacin, ein roter organischer Farbstoff, der aus den Schwungfedern des Turakos oder Bananenfressers durch Ätznatronlauge ausgezogen wird und dadurch besonders interessant ist, daß er gegen 6 Proz. Kupfer enthält. Die Gegenwart des Kupfers läßt sich schon beim Verbrennen der roten Federn durch die grüne Färbung der Flamme nachweisen.

Turakos (Turăcus), Gattung der Pisangfresser (s. d.) mit 7 ganz Afrika von Abessinien bis zum Kap und von der Ost- bis zur Westküste bewohnenden Arten. Die T. haben einen sehr hohen, zusammengedrückten, starken Schnabel, sind um die Augen nackt und auf dem Scheitel mit einem Federbusch versehen.

Turalinzen oder Turaly, unbedeutender sibir. Tatarenstamm am Irtysch und der Demjanka (s. Irtysch-Tataren).

Tura-Masche, Berg, s. Ararat.

Turan heißt seit den ältesten Zeiten, im Gegensatz zu Iran (s. d.), alles im Norden desselben gelegene Land, sowohl die weite Tiefebene des Kaspischen und Aralsees, wie des untern Laufs der sich in den letztern ergießenden Ströme Oxus und Jaxartes, als auch die östl. Bergländer. Häufig wird der Name auf die Tiefebene oder den größern westl. Teil von Turkestan beschränkt, andererseits aber zugleich auch auf die Kirgisensteppe ausgedehnt. Das ganze turan. Tiefland (s. Karte: Russisch-Centralasien u. s. w.) ist ein Becken, das einst von einem Meere erfüllt gewesen zu sein scheint. In der altpers. Sage tritt T., im Gegensatz zu Iran, dem Lande Ormuzds, als Land Ahrimans auf, dessen rohe Völkerschaften oft in Iran einfielen, wie noch vor ihrer Unterwerfung durch Rußland die Raubhorden der Turkmenen stets das pers. Hochland bestürmten.

Turanische Völker und Sprachen, s. Uralaltaische Völker und Sprachen.

Turba, Ort, s. Bigorre.

Turban, verderbt aus dem türk.-pers. Tülbend (s. Dulbend), ist eigentlich das in charakteristischer Form um die den Kopf des Orientalen bedeckende Filz- oder Tuchmütze gewundene, lange Stück farbigen oder weißen Baumwollstoffs, dient aber gewöhnlich zur Bezeichnung der ganzen Kopfbedeckung. Die Türken widmen dem T. und dem in neuerer Zeit an seine Stelle getretenen Fes (s. d.), als der Bekleidung des vorzugsweise zu Gott in Beziehung stehenden Teils des menschlichen Leibes, eine Art von religiöser Verehrung; die T. der Sultane werden daher in ihren Mausoleen aufbewahrt, und der gemeine Mann stellt auf den Gräbern seiner männlichen Angehörigen mit Darstellungen von T. verzierte Leichensteine auf. (S. auch Grüner Turban.)

Turban, Ludw. Karl Friedr., bad. Staatsmann, geb. 5. Okt. 1821 zu Bretten, studierte Philologie, dann Jura in Heidelberg und Berlin, machte längere Reisen in Italien und Frankreich und trat 1815 in den Staatsdienst. Er wurde 1851 Sekretär beim Ministerium des Innern, 1852 Regierungsassessor in Mannheim, 1856 Regierungsrat in Karlsruhe und trat 1860 als Ministerialrat in das neuerrichtete Handelsministerium, dessen Präsident er 1872 wurde. Nach Jollys Rücktritt wurde T. 1876 zum Staatsminister und Präsidenten des Staatsministeriums ernannt; dabei behielt er das Handelsministerium bis zu dessen 1881 erfolgter Auflösung bei; danach übernahm T. neben dem Vorsitz im Staatsministerium, mit dem auch die Angelegenheiten des großherzogl. Hauses und des Auswärtigen verbunden waren, nach von Stößers Rücktritt das Ministerium des Innern. Im Okt. 1890 trat er von letzterm zurück, im April 1893 auch vom Staatsministerium und wurde Präsident der Oberrechnungskammer. Im Landtage, wo T. seit 1860 wiederholt Abgeordneter der Zweiten Kammer und Mitglied der nationalliberalen Partei war, trat er den Forderungen der klerikalen Partei aufs entschiedenste gegenüber. Von 1876 bis 1893 war T. auch Mitglied des Deutschen Bundesrats. Er veröffentlichte die bad. und die deutsche Gewerbeordnung mit dem bad. Einführungsgesetz mit Kommentaren.

Turbankürbis, s. Kürbis.

Turbatores chori (lat.), s. Chorstörer.

Türbe (türk.), ein tempelartiges, meist von einer Kuppel überwölbtes Grabmal hervorragender Persönlichkeiten, oft der Mittelpunkt eines kleinen Familienfriedhofs im Innern türk. Städte.

Turbellaria, s. Strudelwürmer.

Turbieren (lat.), stören, beunruhigen; Turbation, Verwirrung.

Turbinen (vom lat. turbo, d. h. Kreisel) oder Kreiselräder, im gewöhnlichen Sinne diejenigen Wassermotoren, bei denen das Wasser zur Abgabe von Arbeit durch Kanäle (Zellen) läuft und gegenüber den Kanalwänden in Bewegung ist; im übertragenen Sinne spricht man auch von Dampfturbine (s. d.) und Windturbine (s. Windmotoren). Man teilt die T. nach der Wirkungsweise des Wassers in Aktions- oder Druckturbinen, welche nur durch die lebendige Kraft des Wassers bewegt werden, und in Reaktions- oder Überdruckturbinen, bei denen neben der lebendigen Kraft noch die einer hydraulischen Pressung zur Wirkung kommt. Je nach dem Zufluß des