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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Türkische Sprache und Litteratur

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Türkische Sprache und Litteratur'

Aus der Schriftsprache der Uigur entwickelte sich durch Einführung der arab. Schrift die tschagataische Schriftsprache, das sog. Osttürkisch, die bis jetzt als Schriftsprache für alle mittelasiat. und westl. Türkdialekte im Gebrauch ist. Die hervorragendsten Litteraturerzeugnisse derselben sind die Werke des Mir Ali Schir (gest. 1500), die Selbstbiographie des Sultan Baber, «Die Scheibaniade» (hg. von Vámbéry, Budap. 1885), «Die Geschichte der Mongolendynastien von Abulghasi» (hg. von Desmaisons, Petersb. 1814). In den Süddialekten entwickelte sich etwas später die Osmanische Schriftsprache, die jetzt im Osmanischen Reiche zur allgemeinen Herrschaft gelangt ist, und die Aserbeidschanische Schriftsprache, die noch heute von den türk. Bewohnern des Kaukasus und Persiens angewendet wird. Während die Osmanische Schriftsprache, die ganz unter dem Einfluß der mohammed. Cultur entstanden ist, einen bedeutenden Einfluß auf die Sprache der gebildeten Türken ausgeübt hat, ist die Einwirkung der osttürk. Schriftsprache auf die gesprochenen Dialekte sehr gering gewesen. Eine Probe der üblichen Druckschrift zeigt die Tafel: Schrift II, 35. Eine vergleichende Grammatik der Türksprachen hat Radloff begonnen (Bd. 1 der «Phonetik der nördl. Türksprachen», Lpz. 1882), ebenso einen «Versuch eines Wörterbuchs der Türkdialekte" (Petersb. 1889 fg.). Grammatiken, die auf Spracheigentümlichkeit verschiedener Türkdialekte Rücksickt nehmen, sind: Kasembeg, «Tatar.-türk. Grammatik» (russisch, Kasan 1815; deutsch von Zenker, Lpz. 1818); IIminski, «Altaische Grammatik» (Kasan 1869); Shaw, «A sketch oft he Turkish as spoken in Eastern Turkistan» (Lahore 1875). Ferner die russisch geschriebenen Grammatiken von Giganoff, Trojanski, Iwanoff und Machmudoff; Vámbéry, «Čagataische Sprachstudien» (Lpz. 1807); Radloff, «Das Sprachmaterial des Codex Comanicus» (Petersb. 1887); ders., «Über alttürk. Dialekte» (ebd. 1890). Für das Osmanische, besonders die Osmanische Schriftsprache, seien von den vielen, dem praktischen Bedürfnisse abhelfenden Lehrbüchern genannt: das treffliche Buch von Viguier, «Eléments de la langue turque» (Konstant. 1790); Pfizmaier, «Grammaire turque» (Wien 1847); Redhouse, «The Turkish compaigner’s vademecum or Ottoman colloquial language» (Lond. 1877); Piqueré, «Grammatik der türk.-osman. Umgangssprache» (Wien 1870); Wahrmund, «Praktisches Handbuch der osman.-türk. Sprache» (2.Aufl., 3Tle., Gieß.1885); Tien, «A turkish grammar» (Lond.1896). Große Wörterbücher sind: Zenker, «Dictionnaire turc-arabe-persan» (mit franz. und deutschen Bedeutungen, durchgängig von Fleischer revidiert, 2 Bde., Lpz. 1863–76); Handjéri, « Dictionnaire français-arabe, persan et turc» (3 Bde., Mosk. 1840); Barbier de Meynard, «Dictionnaire turc-français» (2 Bde., Par. 1885–90); mehr zum Handgebrauch dienen das jetzt etwas veraltete, aber immer noch brauchbare: «Dictionnaire abrégé turc-français» von Hindoglu (Wien 1838) und das «Turkish-English Dictionary» von Redhouse (Lond. 1856; 2. Ausg., von Ch. Wells, ebd. 1880); ebenso ein englisch-türkisches, wie von Hindoglu auch ein französisch-türkisches vorliegt. Ein praktisches Hilfsmittel zum Erlernen des Türkischen sind auch die «Osman. Sprichwörter» (mit Transskription und Übersetzung), hg. durch die Orientalische Akademie in Wien (Wien 1865). Sprachvergleichend behandelt sind die meisten türk. Stämme von Vámbéry, «Etymolog. Wörterbuch der ↔ turko-tatar. Sprachen» (Lpz. 1878); über die angenommene Verwandtschaft der Turksprachen mit dem Sumerischen handelte eingehend F. Hommel in «Zeitschrift für Keilschriftforschung», Bd. 1 (ebd. 1884) und im «Journal oft he Royal Asiatic Society» (Jahrg. 1886).

Die Osmanische Litteratur, an Ausdehnung unendlich, an Wert aber gering, weil sie sich entweder an arab. und pers. Vorbilder eng anlehnt (d. h. übersetzt), oder dieselben meist geschmacklos nachahmt, beginnt nach der Festsetzung der Türken in dem von ihnen eroberten Teil Europas, und als ihre beste Periode darf die Regierung Suleimans II. und die Zeit unmittelbar nachher gelten (15. und 16. Jahrh.). zu den ältesten rein türk. und darum auch interessantesten Sachen gehören das «Bâznameh» oder «Falkenbuch» aus dem 14. Jahrh. (von J. von Hammer mit zwei andern griech. Traktaten über diesen Gegenstand u. d. T. «Falknerklee» herausgegeben und übersetzt, Pest 1840) und der von Ethé übersetzte (ursprünglich osttürk.) Volksroman «Die Fahrten des Sajjid-Batthál» (Lpz. 1871) aus dem 14. bis 15. Jahrh. Dies letztere und die «Latâïf-i-Chodscha Nasr-ed-din» (deutsch von Camerloher, «Meister Nasr ed-din's Schwänke", Triest 1857), in freier poet. Bearbeitung von Murad-Efendi (F. von Werner): «Nasr ed-din Chodja, ein osman. Eulenspiegel» Oldenb. 1877), sind zugleich das Wichtigste aus dem im Türkischen zahlreich vertretenen Gebiet der Erzählungs- und Märchenlitteratur, denn die gewöhnlich an erster Stelle genannten «Tuti-Nameh» oder das Papageienbuch (Bulak 1837: deutsch von G. Rosen, 2 Bde., Lpz. 1858) und «Humajun Nameh» oder das türk. «Kalilah und Dimnah» (Bulak 1838) von Ali Wasi (gest. 1543) sind nur Übersetzungen aus dem Persischen, wie das bei uns am meisten traktierte «Kyrk Wesir» (Geschichte der 40 Veziere», türkisch, hg. von Belleteste, Par. 1812; deutsch von Behrnauer, Lpz. 1851) erst aus dem Arabischen von Scheikh-Sade ins Türkische übertragen wurde. Viel mehr Originalität zeigen die osttürk. Dichter, aus welchen Vámbéry schon 1867 in seinen «Čagataischen Sprachstudien» (mit Übersetzung und Glossar, Lpz. 1867) zahlreiche Proben mitgeteilt hat; vgl. auch Vámbérys Ausgabe des özbegischen Heldengedichts der Scheibaniade (Budap. 1885). Von den westtürk. Dichtern, welche alle die Perser (und zwar die Lyriker meist die spätern Mystiker, die Epiker die romantische Epik) nachahmten, gehören zu den ältesten Aschik, gest. 1332 (sein sog. «Diwân», ein größeres mystisches Gedicht, Konstant. 1848), Achmadi, gest. 1412, von dessen «Iskander-Nameh» in Jolowiez‘ «Polyglotte der orient. Poesie» (2. Aufl., Lpz. 1856) eine Probe steht, und der sufiscbe Dichter Nasimi (1417 wegen Freibeuterei hingerichtet). Der fruchtbarste Poet der Türken war wohl Lâmii, gest. 1531, der in vier größern Epen den Perser Nisâmi nachahmte; als uns am meisten zusagend darf der zart und sinnig dichtende Fazli (gest. 1563) bezeichnet werden, dessen romantisch-allegorische Dichtung «Gül u Bülbül» («Rose und Nachtigall») J. von Hammer herausgegeben und übersetzt hat (Pest 1834); und als der größte Lyriker gilt Baki (1526–1600, sein Diwan türkisch, Konstant. 1859; deutsch von J. von Hammer, Wien 1825). Von neuern Dichtern sind nur der Vollständigkeit halber zu nennen der Sufi Ghâlib (1757–1814), der der größte von ihnen heißt (sein Diwan Bulak 1836), der «Dichterfürst»

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 4.