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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Tuttukudi - Twer
Stadt ist sehr alt, gehörte zu der Landgrafschaft Baar
und ist durch den Sieg denkwürdig, den hier 24. Nov.
1643 die Österreicher und Bayern unter Mercn und
Johann von Werth über die Franzosen erfochten.
1803 brannte die Stadt vollständig ab.
Tuttukudi, ind. Stadt, s. Tutikorm.
Tutuila, eine der Samoa-Inseln <,s. d.) in der
Südsee, die drittgrößte, wildeste und malerischste
dieser Gruppe, südöstlich von Uvolu, 139 likm groß,
vulkanischen Charakters, ist von Bergen durchzogen,
die namentlich nach der baienreichen Nordküste sebr
steil abfallen (s. Nebenkarte zilr Kartei O ceanien).
T. ist zwischen dem Westkap und Kap Matatula '27 lini
lang, erreicht eine Breite von 81<m, zahlt 3746 (5. und !
ist zum Teil sehr fruchtbar, Haupthandelsplatz ist
Leone an der Südwestküste, hat jedoch schlechten
Ankergrund. In die Südküste schneidet weit der große
nnd sichere Hafen Pago-Pago binein, der von den
zwischen San Francisco, Honolulu, Auckland und
Sydney verkehrenden Dampfern öfters befucht wird.
Tututona, s. Amerikanische Nasse.
Tütz, Stadt in: Kreis Deutsch-Krone d^s preuß.
Neg.-Bez. Marienwerder, zwischen drei <^een, an
der Nebenlinie Schneidemühl-Callies der Preuft.
Staatsbahnen, hat (1895) 2122 E., darunter
5)94 Evangelische und 73 Israelitcn, Post mit
Zweigstelle, Telegraph, katb. und evang. Kirche;
Dam'pfsügewerk. Nahebn Rittergut Schloß-Tütz
mit burgartigem altem Schloß.
Tutzing, Dorf im Bezirksamt Vtünchen II des
bayr. Reg.-Bez. Oberbayern, am westl. Ufer des
Wurm- oder Etarnberger Sees, an den Linien Mün-
chen-Weilhcim und T.-Penzberg (22,5 km) der
Bayr. Staatsbahnen, ist Dampferstation und bat
(1895) 1468 E., darunter 45 Evangelische, Post-
erpedition, Telegraph, ein Schloß mit Anlagen und
eine Brauerei.
Tuxer Thonschiefergebirge, s. Ostalpen.
Tuy, lat. I'uä", Bezirksstadt der svan. Provinz
Pontevedra in Galicien, rechts am Mino lportug.
Minho), gegenüber der portug. Grcnzfestung Va-
lenca do Minho, an der Seitenlinie Guillarcy-Va-
lenca (8 1<m, nach Oporto) der Eisenbahn Orense-
Vig'o, hat (1887) 11284 E.; bedeutenden Wein-,
Obst-, Gemüse-, Orangen- und Seidenbau, Lein-
weberei, Bereitung eingemachter Südfrüchte ldnlc"
d6 pei'iid^) und Handel, besonders Schmuggel nach
Portugal. 7 km stromauf, halbwegs nach Salva-
tierra und an der Bahn nach Orense liegt der Bade-
ort Ealdelas de T. mit warmen Schwefelquellen
Tuzla, s. Doluja Tuzla. l(46-49° l^.).
Twain (spr. twehn), Mark, Pseudonym für Sa-
muel Langhorne Clemens (s. d.).
Twalch, Grasart, s. I^iinm.
Twankaythee, s. Tbee.
Twardowski, der Sage nach ein poln. Edel-
mann, der zur Zeit des Königs Sigismund August
im 16. Jahrh, in Krakau lebte. Er beschäftigte sich
mit Mathematik und Physik und verschrieb fick auf
den Bergen Krzemionki unweit Krakau dem Teufel,
mit dessen Hilfe er sich jeden Genuß verschaffte und
viele lustige Abenteuer bestand. Er batte sich auo-
bedungen, nur in Rom vom Teufel gebolt werden
zu dürfen; als er nun in eine Schenke trat, die den
Namen "Rom" führte, mußte er sich dem Teufel
ergeben, der ihn mit sich fort in die Höbe riß. In
der Angst stimmte T. ein geistliches Lied an, das er
in der Iugeud gelerut hatte. Dadurch befreite er
sich zwar aus der Gewalt des Teufels, doch muß
Prockhans' Konvci'satious^Lc'xikon. 1^. Aufl.. XVI.
er bis zum Jüngsten Tage zwischen Himmel und
Erde schweben. Beziehungen zur deuMen Faust-
sage sind zweifellos, wie denn auch Faust in Krakau
gelebt baben soll, wo man die schwarze Kunst er-
lernen tonnte (Pflege der Astrologie in Krakau).
Tweed (spr. twihd), Fluß im südöstl. Schottland,
entspringt westlich vom Berge Hart Fell, durch-
strömt die schönen Gelände der schott. Grafschaften
Pccbles, Selkirk und Rorburgh, berührt die Städte
Pcebles, Galashicls, Melrose und Kelso, bildet von
oberhalb Coldstream ab bis oberhalb Berwick die
Grenze gegen England und mündet 156 km lang in
die Nordsee. Nebenflüsse sind links: Lyne, Gala,
Lander, Eden und Whitadder; rechts: Ettrick, Teviot
und Till. Der T. ist sehr lachsreich.
Tweed lspr. twihd), William Marcy, amcrik.
Politiker, geb. 3. April 1823 in der Stadt Neuyork,
wurde Kesselmacher,beteiligte sich frühzeitig am öffent-
lichen Leben und gewann bald in der ^mmlinx
Hociet)- (s. d.) entscheidenden Einfluß. Mit ihrer
Hilfe wurde er 1852 zum Alderman (Gcmeinderat)
der Stadt Neuyork, bald darauf in den Kongreß
gewäblt, den er sehr bald wieder verlieft, um sich
vollständig auf städtische "Politik", resp. die Aus^
beutung der städtischen Einkünfte zu persönlicher Be-
reicberung, zu werfen. Die verschiedenen Stellun-
gen, die er einnahm, zuletzt die eines Kommissars
der öffentlichen Bauten der Stadt Neuyork, benutzte
er, um an der Spitze eines nach ihm benannten
"Ringes", der sich mit Hilfe des sog. Caucussystcms
(s. l tnicn8) die Herrschaft zu sichern wußte, die Stadt
um viele Millionen zu betrügen, so daß er schließ-
lich 1871 nach dem energischen Vorgehen der unab-
hängigen Presse ("^>6>v Voi-K ^I'iinss") gegen ihn
vcrbaftet und zu. 12 Jahren Zuchthaus verurteilt
wurde. T. starb 12. April 1878 im Gefängnis.
Tweeddale (spr. twihddehl), schott. Grafschaft,
s. Peebles. ^Bcrwick-on-Tweed (s. d.).
Tweedmouth (spr. twihdmöth), Vorstadt von
Tweidel, auch Twiedel, ein Scheuerlappen
zur Schiffsreiuigung, der an einem langen Stiel
befestigt ist. ' " Vberyssel (s. d.).
Twenthe, Landschaft in der niederländ. Provinz
Twer. 1) Gouvernement im mittlern Rußland,
zu den Wolgagouvernements gehörig, im Quellen-
gcbiet der Wolga, grenzt im N. an das Gouverne-
ment Nowgorod, im O. an Iaroslawl und Wladimir,
im S. an Moskan, im SW. an Smolensk und im
N. an Pskow und hat 65330,7 ^in mit 1812559 E.,
d. i. 27,7 auf 1 <i^m. Das Land ist hügelig, am
meisten erböbt im Westen, im Kreis Ostaschkow,
von wo Erböhungen ausgehen, die die Wasserscheide
zwischen Wolga, Düna und Msta bilden. Schiffbar
sind die Wolga mit ihren Nebenflüssen Twerza und
! Mologa, und die Msta, die zum Wyschnc-Wolotschok-
scben und Tichwinschen Kanalsystein gehören. Seen
nehmen 648 <ikin ein. Die Bevölkerung besteht aus
^ Großrussen, nur im Nordosten sind 67 000 Karclen.
! Ackerbau und Viehzucht sind nicht beträchtlich; in
> neuerer Zeit hebt sich der Flachsbau. Dagegen sind
! verschiedene Zweige der Hausindustrie sehr verbreitet,
so namentlich die Schuhmacherei und die Herstellung
von Kurzwaren. Gegen 70000 Mann verlassen all-
jährlich T., um in den benachbarten Gouvernements
zeitweise Arbeit zu suchen. Die Zahl der Fabriken
betrug (1893) 943 mit 28,2 Mill. Rubel Produktion:
davon kommen auf Baumwollspinnereien 11,7, auf
Hanf- und Flachsfpinnercicn 4,6, Gerbereien 2,
, Branntweinbrennereien und Destillationen 2,2 Mill.
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