Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

46

u. i. – Ujfalvy

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Uhu'

Erde und Rasen gedeckt, daher von außen wenig auffällig ist; er enthält eine Thür und eine oder zwei Schießscharten; in schußmäßiger Entfernung werden zwei dürre Bäume eingerammt, auf welche die den U. verfolgenden Vögel gern aufhocken. Ein paar Schritte von den Bäumen wird der U. auf einen niedern, mit einer Querstange versehenen Pfahl (die Jule) gefesselt und mit einer Schnur, die bis in die Krähenhütte reicht, versehen, so daß der Jäger durch Anziehen derselben den U. zu Bewegungen veranlassen kann. Die Jagd aus der Krähenhütte ist ein vorzügliches Mittel zur Vertilgung von vielen Arten von schädlichen Vögeln. – Vgl. Staats von Wacquant-Geozelles, Die Hüttenjagd (Berl. 1896).

u. i., Abkürzung für ut infra (lat., d. h. wie unten).

Ui, Fluß, s. Uj.

Uiba, Hohlmaß in Tunis, s. Cafiso.

Uigur, türk. Volksstamm Innerasiens, der durch christl. Glaubensboten aus Syrien vor dem 9. Jahrh. in den Besitz einer semit. Buchstabenschrift kam, die seit der Begründung des mongol. Weltreichs auch zu Mongolen und Mandschu überging. Die U. bildeten den östlichsten Zweig der Türkstämme und waren seit den ältesten Zeiten Nachbarn der Chinesen. Sie wohnten nördlich vom Gelben Flusse und bildeten zuerst das mächtige Reich der Hiung-nu, mit dem die Chinesen jahrhundertelang Kämpfe zu bestehen hatten. Das Reich der Hiung-nu zerfiel im ersten Jahrhundert der christl. Zeitrechnung in ein nördliches und südliches. Die chines. Geschichte erwähnt später nur des Reichs der südl. Hiung-nu und setzt seine Vernichtung an den Anfang des 3. Jahrh. Durch das Vordringen tungusischer Stämme und die zunehmende Macht der Altaitürken (die später das Reich der Tukiu bildeten) wurden die südl. Hiung-nu gewiß nach Westen gedrängt und sogar in ihrer Hauptmasse bis in das Herz Europas, wo sie als Hunnen ein mächtiges Reich gründeten. Die Macht der nördlichen U. breitete sich von Orchon erst im 8. Jahrh. weiter nach Süden aus und erstreckte sich über die ganze Mongolei bis nach dem östl. Turkestan. Die chines. Geschichte erzählt zuletzt von Kämpfen der U. mit den Kirgisen (Hakas), die mit der Niederlage der U. endigten. Später erwähnt die chines. Geschichte des Uigurenreichs der Löwenkönige (Arslan-Chan) in Ostturkestan, die mit den chines. Kaisern vier Gesandtschaften wechselten, die letzte 981 n.Chr. Der Buddhismus wich auch bei den U. dem Islam; was an uigurischer Litteratur vorhanden ist, rührt schon von Mohammedanern her. – Vgl. Vámbéry, Uigurische Sprachmonumente (Innsbr. 1870); Wilh. Schotts akademische Abhandlungen «Zur Uigurenfrage» (2 Hefte, Berl. 1874 u. 1875); Radloff, Das Kudatku Bilik I (Petersb.1891).

Uintatherĭum, Gattung der Dinoceraten (s. d.).

Uist, Nord- und Süd-, zwei zu den äußern Hebriden und zur schott. Grafschaft Inverneß gehörige Inseln im SW. von Lewis, 207 und 285 km groß, haben die flache Insel Benbecula zwischen sich, sind gebirgig, besitzen steile Küsten, namentlich auf der Ostseite treffliche Häfen, viele Süßwasserseen und zählen 3371 und 3825 E., welche Viehzucht und Fischerei betreiben. Der Ben-More auf Süd-Uist steigt zu 620, Ben-Eaval auf Nord-Uist zu 345 m auf. Die Einwohner von Süd-Uist sind fast alle katholisch. Kap Ushinish der Ostküste Süd-Uists trägt einen Leuchtturm.

Uistīti, s. Krallenäffchen.

Uitenhage (spr. júht'nhehg), Bezirk in der südöstl. Provinz der Kapkolonie, mit 7700 qkm und ↔ (1891) 20941 E., darunter 7167 Weiße, nördlich von Port-Elizabeth, durchströmt von dem Sundayfluß und durchzogen von den Winterhoekbergen mit dem 1870 m hohen Cockscomb. Während der Norden, mit dornigem Buschwerk bedeckt, fast wasserlos ist, bietet der Süden den Anblick eines blühenden Ackerlandes. Der Hauptort Uitenhage-Town mit 5331 E. liegt inmitten wohl gepflegter Gärten. Sehr bedeutend ist die Wollwäscherei.

Uitlanders, s. Bd. 17.

Uj (magyar.), soviel wie neu, häufig in zusammengesetzten Ortsnamen.

Uj, auch Ui, linker Nebenfluß des Tobol im russ. Gouvernement Orenburg, entspringt im südl. Ural unweit der Uralquelle und mündet nach 411 km. Im Oberlauf finden sich Seifen.

Ujain, ind. Stadt, s. Udschain.

Ujansi, Landschaft in Deutsch-Ostafrika, im Binnenland, zwischen Ugogo und Unjamwesi gelegen, besteht zum größten Teil aus einer wasserlosen steppen- und dornigen Buschwildnis (Mgunda Mkali), durchzogen von Negerpfaden, welche zurückzulegen die Karawanen neun Marschtage brauchen. Fast unbewohnt, ist U. der Tummelplatz für eine Masse von wilden Tieren. Früher war es ziemlich stark von Waniamwesi bevölkert, wurde aber teils wegen zunehmender Trockenheit, teils wegen kriegerischer Unruhen ganz verlassen.

Uj-Arad, ungar. Stadt, s. Arad.

Uj-Becse, ungar. Groß-Gemeinde, s. Becse.

U. j. d., Abkürzung für Utriusque juris doctor (s. d.).

Ujesd (russ. ujězd), Kreis in administrativer Beziehung, Unterabteilung eines Gouvernements.

Ujest, Stadt im Kreis Groß-Strehlitz des preuß. Reg.-Bez. Oppeln, an der Klodnitz, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Oppeln), hat (1895) 2466 E., darunter 22 Evangelische und 31 Israeliten, Post, Telegraph, drei kath. Kirchen, darunter die Wallfahrtskirche Maria-Brunn, Synagoge, Schloß des Herzogs von U. mit Rittergut; Leinweberei, Gerberei und lebhafte Viehmärkte. U., eine der ältesten Städte Schlesiens, wurde 1222 vom Herzog Kasimir von Oppeln an das Bistum Neisse (Breslau) verkauft, zu dem es bis 1810 gehörte. Nachdem es mehrfach seine Besitzer gewechselt, kam es in neuerer Zeit an den Fürsten von Hohenlohe-Öhringen (s. d.), dessen sämtliche in Oberschlesien belegenen Fideïkommißherrschaften durch Kabinettsorder vom 18. Okt. 1861 zum erblichen Herzogtum U. erhoben worden sind.

Ujfalvy, Karl Eugen, von Mezö-Kövesd, Sprachforscher, Anthropolog und Reisender, geb. 16. Mai 1842 in Wien, aus einer alten ungar. Adelsfamilie, besuchte die Militärakademie in Wiener-Neustadt und war 1861–64 Lieutenant in der österr.-ungar. Armee, nahm dann seinen Abschied und studierte in Bonn; 1867 ging er nach Frankreich; war Lehrer an Lyceen und seit 1873 Professor an der Orientalischen Akademie in Paris. Im Auftrag der franz. Regierung machte U. 1876–82 drei wissenschaftliche Reifen nach Asien und veröffentlichte darüber: «Expédition scientifique française en Russie, en Sibérie et dans le Turkestan» (6 Bde., Par. 1878–80). Ferner verfaßte er «Recherches sur le tableau ethnographique de la Bible» (Par. 1872), «Les migrations des peuples» (1873), «Mélanges altaiques» (1874), «Re-»

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 47.