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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Ulloa; Ullr; Ulm

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Ulloa - Ulm

Ulloa (spr. uljoa), Don Antonio di, span. Staatsmann und Gelehrter, geb. 12. Jan. 1716 zu Sevilla, widmete sich dem Seedienst und ging 1735 mit einer aus den Akademikern Condamine (s. d.), Bouguer (s. d.) und Godin bestehenden franz. Kommission, die zu der Gradmessung zur Bestimmung der Gestalt der Erdkugel nach dem südl. Amerika abgeschickt war, nach Quito und blieb daselbst bis 1744. Dann bereiste er Europa, beförderte, nach Spanien zurückgekehrt, den Aufschwung der Wollmanufakturen daselbst, vollendete die Hafenbassins zu Ferrol und Cartagena und brachte Aufschwung in den Betrieb der Quecksilberminen von Almaden. 1755 ging er abermals nach Amerika und wurde 1766 Gouverneur von Louisiana, 1767 Generaldirektor des Seewesens in Spanien. Er starb 5. Juli 1795 auf seinem Landsitz aus der Isla de Leon bei Cadiz. U. veröffentlichte: "Relacion historica del viage á la America meridional" (Madr. 1748; deutsch in der "Allgemeine Historie der Reisen", Bd. 9, Amsterdam), die "Noticias americanas; entretenimientos physico-historicos sobre la America meridional y la septentrional-oriental" (Madr. 1772; deutsch von Dieze, 2 Bde., Lpz. 1781) und die "Noticias secretas de America" (Lond. 1826), die von U. und seinem Gefährten Don George Juan an das span. Ministerium erstatteten Berichte.

Ullr (Ollerus), eine nordische Gottbeit der winterlichen Natur, erscheint als Sohn der Sif, ein

vorzüglicher Bogenschütze und Schlittschuhläufer.

Ulm. 1) Oberamt im württemb. Donaukreis, hat 415,33 qkm und (1895) 61865 (32649 männl., 29216 weibl.) E. in 3 Stadt- und 34 Landgemeinden. (Vgl. Beschreibung des Oberamtes U., hg. vom königl. Statistischen Landesamt, 2 Bde., Stuttg. 1897.) -

2) Hauptstadt des württemb. Donaukreises, Oberamtsstadt im Oberamt U. und Festung, gegenüber von Neu-Ulm (s. d.), am linken Ufer der Donau, die hier die Iller und Blau aufnimmt und für kleinere Fahrzeuge schiffbar wird, in einer schönen und fruchtbaren Ebene, am Fuße der östl. Ausläufer der Schwäbischen Alb, liegt an den Linien Stuttgart-U.-Friedrichshafen (197,6 km), Mergentheim-Crailsheim-U. (168,6 km), U.-Immendingen (145km) der Württemb., U.-München (146,4 km) und U.-Kempten (87,4 km) der Bayr. Staatsbahnen, ist Sitz der Kreisregierung, des Oberamtes, eines Landgerichts (Oberlandesgericht Stuttgart) mit acht Amtsgerichten (Blaubeuren, Ehingen, Geislingen, Göppingen, Kirchheim unter Teck, Laupheim, Münsingen, U.), eines Amtsgerichts, Geueralsuperintendenten, Hauptzollamtes, einer Reichsbanknebenstelle, Handels- und Gewerbekammer, eines Gouvernements, einer Kommandantur, der Kommandos der 27. Division, 53. und 54. Infanterie- und 27. Kavalleriebrigade, einer Fortifikation, eines Artilleriedepots und Bezirkskommandos, und hat (1895) 39304 (22154 männl., 17150 weibl.) E., darunter etwa 9900 Katholiken und 670 Israeliten, in Garnison das Grenadierregiment König Karl (5. württemb.) Nr. 123, die Infanterieregimente König Wilhelm I. (6. württemb.) Nr. 124 und das 9. württemb. Nr. 127, Stab, 1., 3. und 4. Eskadron des Ulanenregiments König Karl (1. württemb.) Nr. 19, das Feldartillerieregiment König Karl (1. württemb.)

^[Wappen der Stadt Ulm]

^[Spaltenwechsel]

Nr. 13 (außer der 4. Abteilung), das Fußartilleriebataillon Nr. 13 und das Pionierbataillon Nr. 13, ein Post- und ein Telegraphenamt. Zwei steinerne Brücken, worunter eine Eisenbahnbrücke, führen nach Neu-Ulm. Die Stadt selbst ist eng, aber stattlich gebaut; großstädtisch ist die in neuerer Zeit erstandene Neustadt im Norden.

Gebäude. Das evang. Münster, 1377 begonnen, bis Anfang des 16. Jahrh. fortgeführt, 1844-90 neu hergestellt und ausgebaut, ist eins der schönsten Denkmäler spätgot. Baukunst und zugleich die größte Kirche Deutschlands nächst dem Kölner Dom. Die Kirche ist durch Teilung der Seitenschiffe (1507) fünfschiffig, im Innern 123,5 m lang und 48,75 m breit, auf einer überbauten Fläche von 7040 qm mit einem freien Raum von 5105 qm, der gegen 30000 Menschen faßt. Das Mittelschiff ist 41 m, der Chor 17 m hoch. Der mächtige Turm in der Mitte der Westfacade, mit dreiteiliger prächtiger Vorhalle, nach Plänen von Ulrich Ensinger (1392-99) begonnen und von ihm und seinen Nachfolgern bis 1494 bis zum Abschluß des Vierecks (70 m) gefördert, wurde 1882-90 von Professor Aug. Bever nach dem alten, von dem letzten Münsterbaumeister Matthäus Bölblinger (1477-92) hinterlassenen Aufriß durch Hinzufügung des Achtecks und der Pyramide ausgebaut. Mit 161 m Höhe ist er einer der höchsten Kirchtürme der Welt. Von andern Baumeistern sind zu nennen Matthäus Ensinger von 1446 an, Moritz Ensinger von 1465 bis gegen 1477 (Mittelschiff). Nachdem der Münsterbau seit 1492 geruht, begannen 21. Aug. 1844 die längst geplanten Restaurationsarbeiten. Münsterbaumeister Thrän errichtete die fehlenden Strebepfeiler und Strebebögen von kolossaler Spannweite, Schell den äußern Chorumgang und die zwei Chortürme (86 m hoch), Beyer den Hauptwestturm. Am 30. Juni 1877 wurde das 500 jährige Dombaujubiläum, 30. Juni 1890 das Fest der Vollendung gefeiert. Auch das Innere ist restauriert, der hölzerne Dachstuhl durch einen eisernen ersetzt. Sehenswürdigkeiten sind: die schönen Glasfenster im Chor von Hans Wild (1480), vier ältere von 1417 und 1449, neuere seit 1878 im Chor, Süd- und Nordschiff aus den Werkstätten von Zettler und Burkhard in München; das 1469-74 von Jörg Syrlin dem Altern in Eichenholz geschnitzte Chorgestühl, das schönste und reichste des ganzen spätern Mittelalters; die Kanzel, um 1500 von Burkhard Engelberger gefertigt, der Deckel der Kanzel aus Lindenholz von Syrlin dem Jüngern 1510; das 26 m hohe Sakramentshäuschen von 1467 fg., zierliche Steinarbeit vom "Meister aus Weingarten"; das zierliche Altärchen in der Sakristei von 1484, angeblich von M. Schön, und seit 1885 das große hängende Crucifix über dem Kreuzaltar, nach einem alten Original aus Syrlins Zeit geschnitzt; endlich eine Reihe kostbarer Gemälde von Martin Schaffner, Barthol, Zeitblom und andern Meistern der Ulmer Schule, voran das erst 1877 aufgedeckte, von Weinmayer restaurierte kolossale und großartige Jüngste Gericht über dem Triumphbogen, wohl von Hans Schühlein oder Herlin um 1470 ausgeführt. Ferner besitzt U. eine evang. (Hospital-) Dreifaltigkeitskirche, 1617-21 von Martin Buchmüller erbaut, mit trefflichem Renaissancechorgestühl (1620), eine kath. (Wengen-) Kirche, Synagoge (1873) in maur. Stil, ein Rathaus aus der gotischen und Frührenaissancezeit mit alten, jetzt wiederher-