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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Unternehmergewinn - Unteroffizierschulen
mittler erscheint. Die Unternehmung tritt in ver-
schiedenen Formen auf: a. als Einzel- oder Privat-
unternehmung, wenn ihr Eigentümer eine natürliche
(physische) Person ist; d. als gesellschaftliche oder ge-
nossenschaftliche Unternehmung, wenn sie einer Ge-
sellschaft (s.d.) oder Genossenschaft (s.d.) gehört, unter
welche Rubrik namentlich die verschiedenen Arten der
Handelsgesellschaften (s. d.) und die Erwerbs- und
Wirtschaftsgenossenschaften (s.d.) fallen; c.als öffent-
liche Unternehmung, wenn der Staat selbst oder ein
anderer öffentlich-rechtlicher Verband Eigentümer
ist. Der U. erscheint als der Leiter der gesellschaft-
lichen Produktion auf eigene Verantwortung und
Gefahr, er übernimmt in dem wirtschaftlichen Leben
ein sociales Amt, das ihm wohl Rechte gewährt,
aber auch schwere Pflichten auferlegt, dereu Erfül-
lung freilich in vielen Fällen erst erzwungen werden
muß mit .Hilfe des Staates oder der Arbeiterorga-
nisationen. Diese Bedeutung des U. wird namentlich
von Schäsfle in verschiedenen Schriften hervor-
gehoben. (S. auch Unternehmergewinn.)
Unternehmergewinn, der Ertrag der Unter-
nehmung, der sich aus dem erzielten Verkaufspreise
der Erzeugnisse nach Abzug der gezahlten Löhne und
sonstigen Kosten (für Roh- und .hilfsstoffe, Amorti-
sation des stehenden Kapitals u. s. w.) bildet; im
engern Sinne kann von U. nur dann und nur dort
die Rede sein, wenn dieser Ertrag sich höher stellt
als die Einnahme, die der Unternehmer durch Über-
lassung seines Kapitals an andere und durch Ver-
richtung analoger Arbeiten im Dienste anderer, beide
Kosten nach den üblichen Marktpreisen berechnet,
Hütte erzielen können. Die Anschauungen über
Quelle und Natur des U. gehen noch sehr ausein-
ander. Die einen fassen ihn im wesentlichen als ein
Kapitaleinkommen (Kapitalgewinn, s. Kapitalismus)
auf, das sich eben dann, wenn das Kapital dem
Unternehmer nicht eigentümlich gehört, in Zins und
U. teilt; andere sehen ihn mehr als Belohnung für
die vom Unternehmer geleistete Arbeit der Leitung
und Beaufsichtigung an (so z.B. Röscher, der ihn
deshalb als Unternehmer l o h n bezeichnet); wiederum
andere erblicken im U. einen sowohl vom Kapital-
gewinn wie Arbeitslohn gleich verschiedenen Ein-
kommenszwcig, der seinen Ursprung in der eigen-
tümlichen geschichtlich - socialen Machtstellung des
Unternehmers (Kapitalisten) besitzt, so insbesondere
Rodbertus, Wagner und Marr.
Praktisch genommen erscheint der U. als eine
Belohnung für die Inangriffnahme und die Gefahr
der Produktion sowie für ihren möglichst wirtschaft-
lichen Betrieb. Je besser der Unternehmer den Be-
darf der Gesellschaft erkennt, je mehr er also seinen
Betrieb auf die.Herstellung des jeweilig am meisten
Benötigten richtet, je rascher er, sobald die Bedürf-
nisse gedeckt sind, seine Produktion einschränkt, um
so günstiger sind seine Aussichten, hohen Gewinn
zu erzielen und sich vor Einbußen zu bewahren.
Einen Versuch, die Arbeiter aus ihrer abhängigen
Stellung zu befreien und zum Range selbständiger
Unternehmer zu erheben, denen dann auch der U.
zufließt, stellen die Produttivgenossenschaften (s. d.)
dar. Als Vermittelung zwischen dem Lohnsystem
und der eigentlichen Arbeiterunternehmung ist hier
und da das System der Gewinnbeteiligung (s. d.)
eingeführt worden, in der Regel aber nur eine nicht
sehr wesentliche Modifikation des Lohnsystems dar-
stellend. Der Socialismus (s. d.) will den U. in
seiner heutigen Form durch Abschaffung des privaten
Kapitaleigentums ganz beseitigen oder vielmehr
nur die Gesellschaft als Unternehmer gelten lassen.
Die Lehre vom U., welche noch sehr umstritten ist,
findet sich in den volkswirtschaftlichen Lehr- und
.Handbüchern fowic in denmonographischen Schriften
von Mangoldt (Lpz. 1855), Pi'erstorfs (Berl. 1875),
Mataja (Wien 1881), Groß (Lpz. 1884), Wirming-
haus (Jena 188(>) u. a. auseinandergesetzt.
Unteroffizier, im allgemeinen die Chargen der
militär. Vorgesetzten vom Feldwebel einschließlich
abwärts, im besondern die unterste Charge des
Unteroffizierkorps. Zu den U. gehören Feldwebel
(s.d., bei den berittenen Truppen Wachtmeister),
Vicefeldwebel (s. d., Vicewachtmeister), PoNeyce'
fähnrich (f. Fähnrich), Oberfeuerwerkcr, Feuerwerker,
Deckoffizier (s. d.) der Marine, Sergeant, Korporal,
U. im engern Sinne, und in manchen Armeen
auch die Öbergefreiten und die Gefreiten. Die U.
sind durch besondere Chargenabzeichen (s. d.) kennt-
licb. Sie unterstützen die Offiziere in der Einzcl-
auobilduug der Mannschaften sowie in der.Hand-
habung des innern Dlenstcs. Im Gefecht führen
sie die kleinsten Abteilungen (Sektionen, Schützen-
gruppen), die Portepccunteroffiziere (s. d.) auch zu-
weilen Züge. Sie sind in und außer dem Dienst
Vorgesetzte der Soldaten. Bei den nahen Bezie-
bungen, in die sie persönlich zu den Mannschaften
treten, ist ihr Verhalten von großem Einfluß auf die
Ausbildung, vor allem aber auf den Geist einer
Truppe. Daher das Streben aller Armeen, durch
geeignete Einrichtungen (spätere Civilversorgung,
Prämien für lange Dienstzeit) sich ein gutes Unter-
offizier k o rp s zu schaffeu. Die U. der deutschen
Armee ergänzen sich aus Zöglingen derUntcrofsizier-
fchulen (s. d.), sowie aus ältern Soldaten, die nach der
aktiven Dienstzeit mit dem Truppenteil eine Kapitu-
lation (s. Kapitulant) zum Weiterdienen abschließen.
Unteroffizierposten, s. Doppelposten.
Unteroffizierprämien, s. Dienftpränücn sür
Unteroffiziere.
Unteroffizierschulen, Militärschulen (s. d.), die
junge Leute, die zwischen dem 17. und 19. Lebens-
jahr freiwillig in sie eintreten, in dreijährigem
(ausnahmsweise zweijährigem) Kursus zu Unteroffi-
zieren heranbilden, mit der Verpflichtung, für jedes
in der Unteroffizierfchule zugebrachte Jahr zwei
Jahre über die gesetzliche Dienstzeit im stehenden
.Heere zu dienen, wobei übrigens die Zeit in der
Unteroffiziersckule ebenfalls als Dienstzeit gerechnet
wird. Die Zöglinge treten als Gemeine oderGcfreite,
ausnahmsweise gleich als Unteroffiziere in die Armee.
Die erste Unteroffizierschule in Preußen wurde 1825>
in Potsdam unter dem Namen Schulabteilung
! errichtet; als 1800 eine zweite derartige Anstalt in
Iülich hinzutrat, erhielten beide den Flamen U. Jetzt
bestehen unter der Inspektion der Injanterieschulen
(s. d.) U. in Potsdam, Iülich, Bieberich,Wcißenfels,
Ettlingen und Marienwerder, außerdem eine bayri-
sche in Fürstenfeldbruck (mit Vorschule) und eine
sächsische in Marienberg (mit Vorschule). Taktisch
ist jede Unterofsizierfchule als Bataillon zu 4 (Iüllch
und Marienberg 2) Compagnien formiert.
Über Unteroffiziervorschulen s. d.
In Fr an kr eich entsprechen die ^coi68 inilitaileg
1ii'6piii'lrwii'08 (s. Soldatenkindcr) ungefähr den
deutschen U. Rußland hat 1887 versuchsweise ein
Unteroffizicrlehrbataillon zu Riga errichtet, dessen
Schüler, teils befähigte Mannschaften aus der Front,
die bereits mindestens 8 Monate gedient haben,