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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Untersatz - Unterschweflige Säure
Nitrosylsilber), als blaßgelben, in Ammoniak
sowie Salpetersäure löslichen, bei 150" explodieren-
den Niederschlag. Die wässerige Lösung der Säure
erhält man dnrch Zerlegen des Silbersalzes mit
verdünnter Salzsäure. Sie vertrügt knrzes Kochen,
zerfällt aber allmählick unter Bildung von Stick'
orydul: II.^O. ' ^,0 > 11.0. Sie färbt Jod-
kaliumstürte blail und reduziert Chamälconlösung.
Untersatz, s. Syllogismus.
gadener Alpen in den Salzburger Kalkalpen (s. Ost-
alpen),ausHauptdolomitundDachsteinkalkbestebend,
erhebt sich 1l ^in südsüdwestlich von der Stadt Salz-
burg an der Grenze von Oberbayern und bildet ein
steil aufsteigendes Dreikant, das an der Basis etwa
44km im Umfang mißt und durch eine 1400-1500 in
höbe, 10 <ikm große Hochebene abgestutzt wird. Die
döchsten Gipfel sind der Berchtesgadener Hohe Thron
(1975 m), der Salzburger Hohe Tbrou (1851 m) und
das Geicreck (1301 m). Der U. ist berühmt durch seine
Marmor- und Kalksteinbrücke, seine reiche Flora und
seine Klüfte und Höhlen, von welchen die Kolowrats-
höhle mit Eisbildungen die merkwürdigste ist.
Unterscheidungsalter, das Lebensjahr, von
dem ab der Mensch über sein Religionsbekenntnis
selbständig zu entscheiden als rechtlich fähig erachtet
wird. Das alte Neichsrecht hatte bierfür das zurück-
gelegte 14. Lebensjahr bestimmt, so beute noch in
Preußen und andern deutschen Staaten. Bis zum
U. richtet sicb die religiöse Erziehung der Kinder
nach dem Willen der Eltern, oder nach den staatlichen
Vorschriften in betreff der Gemischten Ehen (s. d.).
Unterscheidungszoll, s. Differentialzölle.
Unterschenkel, f. Sckenkel.
Unterschenkelgefchwür, f. Krampfader
Unterschiebung, s. Kindesunterschiebuug.
Unterschlächtiges Wasserrad, s. Wasserräder.
Unterschlag, s Buchdruckcrkuust.
Unterschlagen, die Segel an den Nahen oder
Gaffeln befestigen.
Unterschlagung, U u t e r s ck l e i f oder V e r u n -
treuun g, die wissentliche, rechtswidrige Zueignuug
einer fremden beweglichen, bereits im Gewahrsam
des Thäters befindlichen Sache. Die U. unterfcheidet
sick vom Dicbstabl (s. d.) dadurch, daß dabei nicht
erst eine Besitzentziehung vor sich geht; der Gegen-
stand des Verbrechens befindet sich bereits im recht-
mäßigen Gewahrsam des Urhebers. U. ist vollendet
durch jede Handlung, welche die Absicht der Ver-
wendung für eigene Zwecke znm Nachteil desjenigen,
in desfen Namen man besitzt, zu Tage bringt. Ob
dcr Unterschlagende die Sache für sich selbst oder
zum Besten anderer verbraucht, verschenkt oder ver-
borgt, macht keinen Unterschied, und der Vorsatz,
baldigen Ersatz zu leisten, hebt die Verantwortlich
teit uicht anf. Einsacke U. wird nach Reichsstraf-
gesetzb. tz. !24l) mit Gefängnis bis zu 3 Jähren be-
straft; handelt es sich um eine anvertraute Sache,
mit Gefängnis bis zu 5 Jahren (zuständig: Straf-
tammer, in geringern Füllen Schöffengericht und
Strafbefebl). Im Falle mildernder Umstände kann
auf Geldstrafe bis 900 M. erkannt werden. Auch
der Versuch ist strafbar. Für U. gegen Verwandte,
Lehrherrn, Dienstherrschaft u. s. w. gelten die glei-
chen Bestimmungen wie beim Diebstahl (s. d.).
Nebcn Gefängnis taun aus Verlust der bürgerlicken
Ehrenrechte erkannt werden (Neichsstrafgcsetzb.
88- 347, 248). Besonders streng (in Verbindung
mit falscher Buckfi'ckrung bis zu 10 Iabren ^nckl-
haus) wird dieses Verbrechen an den Verwaltern
von öffentlichen Geldern und Gütern (eiimeu ä6 i-c-
5i<iui", Malversation, Kassenverbrechen) ge
ahndet (Reicksstrafgesetzb. ß. 35)0; zuständig: Schwur
gericht). Ersatzbereitschaft schließt die Strafbarkeil
nicht aus, und auch der Beamte ist wegen U. straf-
bar, der vor der Kassenrevision, um die Kasse sti'.n
meud zu machen, geliehene Gelder in die Kasse legt
und diese nach stattgehabter Revision wieder bcraus-
nimmt. Das Tsterr. Strafgesetz straft die U. als
Veruntreuung und zwar wesentlich nach denselben
Grundsätzen wie das Deutsche M. IM-184,401).
(Vgl. Huber, Die U., ^chwäbisch-Hall 1875; Kapff,
Die Ü., Tüb. 1879.) Nach dem Deutschen Depot-
gesetz vom 5. Juli 1896 wird ein Kaufmann, welcher
über ihm zur Verwahrnng oder als Pfand über-
gebene oder von ibm als Kommissionär für den
Kommittenten in Besitz genommene Wertpapiere
(mit Ausnahme von Banknoten) außer dem Fall
des 8- 246 des Strafgesetzbuchs zum eigenen Nutzen
oder znm Nutzen eines Dritten rechtswidrig ver-
fügt, mit Gefängnis bis zu 1 Iabre und Geld bis
3000 M. oder mit einer dieser Strafen bestraft.
Ebenso wenn er vorsätzlich zum eigenen Nutzen
oder zum Nutzen eines Andern fremde Wertpapiere
einem Dritten zum Zweck der Veräußerung, des
Umtausches oder des Bezugs von andern Wert-
papieren, Zins- oder Gewinnanteilscheinen oder zur
Aufbewahrung ausantwortet, ohne dem Tritten
mitzuteilen, daß diese Papiere fremde sind. Ist der
Thäter ein Angehöriger, so tritt Verfolgung nur
auf Antrag ein.
Unterschrift, der unter eine Urkunde (s. d.)
als Zeichen der Vollziehung gesetzte Name ihres
Ausstellers. Sie giebt privatrechtlichen Urkunden
regelmäßig erst ibre rechtliche Wirksamkeit. Sofern
dieU. nicht beglanbigt ist, gilt die Urkunde als Privav
urkunde. Bei dieser hängt nach Deutscher und Östcrr.
Zivilprozeßordnung die Echtheit von der Ecktheit
der U. ab. Auf letztere ricktet sich daher im Civil-
prozeß Verhandlung und Beweis. (S.Urkundenbe-
weis.) Steht die Echtheit der U. fest, so hat die dar-
über stehende Schrift die Vermutung der Echtbett
für sick. Die unterschriebene Privaturkunde be-
gründet vollen Beweis dafür, daß die darin ent-
haltene Erklärung vom Aussteller abgegeben ist.
Der U. steht das gerichtlich oder notariell beglaubigte
Handzeichen gleich. (Vgl. Deutsche Eivilprozeßordu.
ߧ. 381, 404, 405; Österreichische §. 294.) Über
faksimilierteU. s. Faksimile und Vervielfältigung.
Unterschweflige Säure, Tbioschwcfel
säuere, ditbionige Säure, 80,(811) (OH), uuv
in Form von Salzen, nicht im freien Zustande be-
kannte Säure, entstebt als Natriumsalz beim Ein
leiten voll schwefliger Säure in eine Lösung von
Schwefelnatrium c>der beim Kochen von Natrium-
fulfit mit Schwefel: X^O,, ! 8 ^ KI^O.-.; als
Kalksalz neben Calciumsulflwdrat und Calcium
polysulfuret, wenn feuchtes Echwefelcalcium, das
in großen Mafsen als Nebenprodnkt der Soda-
fabrikation beim Leblancschen Verfahren gewonnen
wird, der Luft ausgesetzt oder durch Einblasen von
Luft oxydiert wird. Von den Verbindungen der
U. S. bat namentlich das Natriumsalz große teck-
nische Bedeutung, da es in der Photographie und
in verschiedenen Gewerben, so als Anticklor ls. d.i
sowie in der ckem. Analyse Verwendung findet. Zu
seiner fabrikmäßigen Darstellung dienen die orv-
dierten Sodarückstände, aus denen mit Wasser die