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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Uruguayāna; Urumija; Urumtschi; Urundi; Urungu; Urva; Urville; Urwähler; Urwald

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Uruguayana – Urwald

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Uruguay (Geschichte)'

publik wurde in Kriegszustand erklärt; aber schon 22. Febr. 1868 starben Manoel Flores und 21 andere hervorragende Anhänger des Ermordeten fast gleichzeitig; die Todesursache blieb unaufgeklärt.

Bei der Neuwahl des Präsidenten wurde 1. März 1868 der der Partei der Colorados angehörige General Lawrence Battle einstimmig erwählt. Jedoch schon im Juli 1869 brach unter der Führung Caraballos ein Aufstand der Blancos aus, der indessen bald unterdrückt ward. Ende 1870 kam es zu einer neuen Empörung der Blancos, die jedoch im Jan. 1871 in der Nähe von Montevideo geschlagen wnrden. Der Bürgerkrieg dauerte fort, bis es der argentin. Regierung nach wiederholten Vermittelungsversuchen im April 1872 gelang, die beiden Parteien zu einem Waffenstillstand zu bewegen und dem Lande endlich den Frieden zurückzugeben. Am 1. März 1873 ward der Advokat Ellauri zum Präsidenten gewählt, nachdem Gomensoro, der Präsident des Senats, ein Jahr lang die Regierung provisorisch geführt hatte. Reibungen zwischen dem Präsidenten und dem Kongreß veranlaßten eine Militärrevolution, in deren Folge Ellauri 15. Jan. 1875 das Land verließ, worauf an seiner Statt der Senatspräsident Pedro Varela ernannt wurde. Die finanzielle Mißwirtschaft Varelas rief jedoch die Opposition des Handelsstandes und darauf eine allgemeine Bewegung bervor. Varela verließ das Land, und 10. März 1876 wurde Oberst Latorre anfangs provisorisch, später definitiv zum Präsidenten proklamiert. Sein Nachfolger wurde 17. März 1880 F. A. Vidal, und als dieser 1. März 1882 sein Amt niederlegte, wurde General Maximo Santos zum Präsidenten ernannt. Dieser entschloß sich 18. Nov. 1886 seine Entlassung zu nehmen, worauf der Kongreß seinen Gegner, den General Maximo Tajes zum Präsidenten wählte, der nun bei dem Kongreß einen Verbannungsbeschluß gegen Santos durchsetzte. Im März 1890 wurde der frühere Minister des Innern Herrera y Obes zum Präsidenten gewählt, und bald darauf brach eine finanzielle Krisis berein, die U. zu einer Zinsreduktion seiner auswärtigen Schuld zwang. Im März 1894 trat der neu gewählte Präsident Idiarte Borda sein Amt an. Im Frühling 1897 führten Zwistigkeiten zwischen den Parteien der Weißen und Roten zu einem förmlichen Bürgerkriege und 25. Aug. 1897 wurde der Präsident Borda von einem Offizier durch einen Revolverschuß ermordet, worauf der Senatspräsident Cuestas zum Präsidenten der Republik gewählt wurde.

Litteratur. Isid. de Maria, Compendio de la historia de la Republica Oriental U. (Montevideo 1864); Franckenberg, Versuch einer Darstellung der polit. Verhältnisse der La Plata-Staaten und besonders der Republik U. (Köln 1866); République Orientale de l'U. Notice historique (Par. 1867); Mulhall, Handbook of the River Plate Republics (Lond. und Buenos-Aires 1875); Diaz, Historia politica y militare de las Republicas del Plata (7 Bde., Montevideo 1878); The Republic of U., South-America, its geography, history etc. (2. Aufl., Lond. 1883); Lomba, La Republica Oriental del U. (Montevideo 1884); Bordoni, Montevideo e la Republica dell' U. (Mail. 1885); Bianconi, Cartes commerciales: U. (Par. 1885); The Republic of U. Prospects of 1889 (Lond. 1889); The Republic of U. The country in 1888, statistical data (mit Karte; ebd. 1889); van Bruyssel, La république orientale de l'U. (Brüss. 1889); Wonner, ↔ De las industrias y del desarrollo industrial en la Republica oriental del U. (Montevideo 1889); Uruguay (hg. von dem Bureau of American Republics, Washington 1892); Anuario estadistico de la Republica Orientale del U. (Montevideo); Bollo, Atlas geografico y descripcion geografica y estadistica de la Republica Oriental del U. (ebd. 1896); Foreign trade of Argentina, U. and Brazil (Philad. 1897).

Uruguayāna, Stadt im brasil. Staat Rio Grande do Sul, am Uruguay, von argentin. Flüchtlingen 1843 gegründet, mit etwa 4000 E., ist als Endpunkt der Eisenbahnen von Rio Grande und von Porto-Alegre in Aussicht genommen.

Urùmija, pers. Stadt, s. Urmiâ.

Urumtschi, wichtige Stadt mit etwa 30000 E. in der chines. Dsungarei, am Nordabhang des Thianschan, mit Turfan, Barkul und den russ. Handelsplätzen durch Karawanenstraßen verbunden.

Urundi, Land an der Nord- und Ostküste des Tanganika in Ostafrika, zwischen 3 und 5° südl. Br.; die Bevölkerung schätzt Stanley auf 3 Mill.; das Gebiet ist fast noch gar nicht erforscht.

Urungu (Ulungu), Landschaft am Südufer des Tanganika, an der Ostgrenze von Kasembes Reich. In U. liegt der Ort Pambete, der Ausgangspunkt der von Stevenson gebauten und viel begangenen Karawanenstraße, welche Tanganika mit dem Nordende des Njassasees verbindet.

Urva, s. Krabbenmanguste.

Urville (spr. ürwil), kaiserl. Schloß mit Herrschaft im Kanton Pange, Landkreis Metz des Bezirks Lothringen, zur Gemeinde Kurzel (Courcelles-Chaussy) gehörig, 1,5 km von Kurzel und 15 km östlich von Metz, besteht aus einem viereckigen zweistöckigen Hauptgebäude im Renaissancestil mit Ecktürmen und mehrern Nebengebäuden und ist von einem Park (20 ha) und Waldungen (40 ha), Ackern und Wiesen umgeben. Seit 1890 ist es im Besitz Kaiser Wilhelms II.

Urwähler, s. Dreiklassenwahlsystem und Wahl.

Urwald, der Waldzustand, in dem das freie Walten der Natur in keiner Weise durch Eingriffe der Menschen gestört oder beschränkt worden ist. Dort sieht man die mächtigsten Bäume durch Stürme oder dadurch, daß sie das Ziel ihres Lebens erreicht haben, zusammengestürzt übereinander liegend, langsam verwesend neuen Generationen wieder Platz machend. Auf den modernden, wirr übereinander liegenden Stämmen keimen oft die Samen anderer Bäume. In Deutschland finden sich nur noch wenige U., im Bayrischen Walde, in den schwer zugänglichen höhern Regionen der Alpen (z.B. der Wettersteinwald bei Partenkirchen); mehr aber in den weniger bevölkerten Ländern, wie Polen und Rußland, und in Amerika sind noch überaus große Flächen damit bedeckt. Im Böhmer Wald ist nur noch ein kleiner Rest von etwa 130 ha, des früher über 1000 ha großen, in der Hauptsache aus Fichten bestehenden U. des Fürsten Schwarzenberg übrig geblieben. Die ältesten Fichten haben dort ein Alter von 400 bis 500 J. Besonders ausgezeichnet ist der tropische U. durch die mächtigen, bis zu den äußersten Spitzen der größten Bäume reichenden und sie oft ganz bedeckenden Schlingpflanzen (Lianen) und wegen der zahllosen, oft schön blühenden Gewächse (Orchideen u.a.) und Farnkräuter, die sich an den Stämmen der ältern Bäume angesiedelt haben. – Vgl. Göppert, Skizzen zur Kenntnis der U. Böhmens und Schlesiens (Dresd. 1868).