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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Usedom (Stadt) – Usingen

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Usedom'

E. Müller, Die Seebäder der Inseln U. und Wollin (6. Aufl., Berl. 1896).

Usedom, Stadt im Kreis Usedom-Wollin des preuß. Reg.-Bez. Stettin, an der Südwestseite der Insel U., auf einer Landenge zwischen Peene und der seeartigen Bucht, die durch die sog. Kähle mit dem Kleinen Haff in Verbindung steht, an der Linie Ducherow-Swinemünde der Preuß. Staatsbahnen, hat (1895) 1755 meist evang. E., Post, Telegraph; Landwirtschaft und Fischerei.

Usedom, Karl Georg Ludw. Guido, Graf von, preuß. Diplomat, geb. 17. Juli 1805 zu Hechingen, studierte in Greifswald, Göttingen und Berlin Jura und Staatswissenschaften und trat 1830 in den Staatsdienst. 1832 bereiste U. Frankreich, England und Oberitalien, wurde 1835 zum Legationssekretär in Rom ernannt, dann nach Berlin als vortragender Rat versetzt und 1844–45 dem Minister des Innern behufs Ausarbeitung einer landständischen Verfassung für den preuß. Staat beigegeben. Bald darauf ging er als außerordentlicher Gesandter nach Rom. Im April 1848 wurde U. vorübergehend Bundestagsgesandter in Frankfurt a.M., kehrte 1849 nach Rom zurück, schloß 1850 den Frieden mit Dänemark ab und übernahm 1851–54 wieder den Gesandtschaftsposten in Rom. 1855 ging er in außerordentlicher polit. Mission nach London und wurde 1858 Nachfolger Bismarcks beim Bundestage in Frankfurt. 1862 wurde er in den Grafenstand erhoben und 1863 zum Gesandten am ital. Hofe ernannt, wo er 1866 bei dem Abschluß der Allianz Preußens mit Italien hervorragend beteiligt war. 1869 trat U. aus dem aktiven Dienst und wurde 1872 kommissarisch zum Generaldirektor der königl. Museen ernannt, zog sich aber bald darauf auf seine Güter in Pommern zurück. U. war auch lebenslängliches Mitglied des preuß. Herrenhauses. Er starb 22. Jan. 1884 in San Remo. Seine «Polit. Briefe und Charakteristiken aus der deutschen Gegenwart» erschienen 1849 in Berlin.

Usedom-Wollin, Kreis im preuß. Reg.-Bez. Stettin, hat 689,06 qkm und (1895) 51404 E., 3 Städte, 88 Landgemeinden und 36 Gutsbezirke. Sitz des Landratsamtes ist Swinemünde.

Usegua, Landschaft in Deutsch-Ostafrika, am Indischen Ocean, im N. vom Pangani, im W. vom Ngurugebirge, im S. von der Landschaft Ukami begrenzt, erhebt sich von dem schmalen, aus Korallenkalk bestehenden Küstenstreifen terrassenförmig nach dem Innern; die erste Terrasse, 75 km breit, liegt 250–330 m, die zweite, 20 km, breit, 330–770 m ü.d.M. Aus letzterer steigt das Ngurugebirge empor. Die Küste ist nur wenig gegliedert und wegen der Korallenriffe schwer zugänglich. Außer dem Pangani und dem Wami durchziehen nur wenige Flußläufe das Land, von welchen nur der Mligasi nennenswert ist; der Norden leidet unter ausgesprochener Trockenheit. Auf den Feldern gedeihen Mais, Maniok, Bataten, Sesam und Tabak. An der Küste trifft man auf zerstreute Kokospalmenkulturen. Die Bewohner (Wasegua) sind Bantu und treiben Ackerbau und Viehzucht. Sie drängen seit Jahrzehnten als Krieger oder als friedliche Einwanderer nach Usambara. Der bedeutendste Ort ist der Hafenplatz Saadani (s. d.).

Usen (Uzeń, spr. -sénj), Großer und Kleiner, zwei typische Steppenflüsse mit salzigem Wasser, entspringen im russ. Gouvernement Samara, fließen parallel nach SO. ins Gouvernement Astrachan ↔ und verlieren sich in den Kamysch-Samarischen Seen und Sümpfen, der erstere nach 322 km, der andere nach 268 km.

Usener, Herm. Karl, klassischer Philolog, geb. 13. Okt. 1834 zu Weilburg an der Lahn, studierte zu Heidelberg, München, Göttingen und Bonn, wurde 1858 Adjunkt am Joachimsthalschen Gymnasium in Berlin, 1861 außerord. Professor in Bern, 1863 ord. Professor in Greifswald, 1866 in Bonn. U. hat namentlich herausgegeben: «Quaestiones Anaximeneae» (Gött. 1856), «Analecta Theophrastea» (Lpz. 1858), «Alexandri Aphrodisiensis problematorum libri Ⅲ et Ⅳ» (Berl. 1859), «Scholia in Lucani bellum civile. I. Commenta Bernensia» (Lpz. 1869), «Anecdoton Holderi» (ebd. 1877), «Legenden der Pelagia» (Bonn 1879), «De Stephano Alexandrino» (ebd. 1880), «Philologie und Geschichtswissenschaft» (ebd. 1882), «Acta s. Marinae et s. Christophori» (ebd. 1886), «Altgriech. Versbau, ein Versuch vergleichender Metrik» (ebd. 1887), «Epicurea» (Lpz. 1887), «Religionsgeschichtliche Untersuchungen» (Tl. 1 u. 2, Bonn 1889), «Dionysii Halicarnassensis librorum de imitatione reliquae epistulaeque criticae duae» (ebd. 1889), «Der heil. Theodosios. Schriften des Theodoros und Kyrillos» (Lpz. 1890), «Acta martyris Anastasii Persae» (Bonn 1894), «Götternamen. Versuch einer Lehre von der religiösen Begriffsbildung» (ebd. 1895).

Ushas (spr. -schas), im Sanskrit Name der Morgenröte. Im Rigveda heißt U. Tochter des Dyaus ( s. d.) und sie ist dort die einzige Göttin, der ein Buhle zugeteilt wird. Da sie sich allen unverhüllt zeigt, so wird sie als das Urbild der Hetären angesehen. Die Lieder an U. gehören zu den wenigen wirklich poetischen im Rigveda.

Usīa (hebr. Uzzijjahu, «meine Stärke ist Jahwe») oder Asaria, König von Juda, etwa bis 740 v. Chr. regierend, folgte 16jährig seinem Vater Amasia. Er lebte in einer Periode des Friedens. In seinem Alter wurde er aussätzig, weshalb sein Sohn Jotham (s. d.) von ihm als Mitregent angenommen wurde. In seinem Todesjahre wurde Jesaias (s. d.) zum Propheten berufen. Die Nachrichten der Chronik über U. sind unglaubwürdig.

Usindja, Usinja, Gebiet in Deutsch-Ostafrika, zwischen Victoria-Njansa und der Landschaft Unjamwesi. Die westl. Hälfte wird Usui, die östliche Ukhanga genannt. Es ist ein welliges, gut angebautes Land, das nach Westen zu höhern Bergen ansteigt. Die Bevölkerung gleicht im Süden den Wanjamwesi, während sie im bergigen Nordwesten kräftiger und thätiger ist. Die herrschenden Häuptlinge gehören zum Stamm der Wahuma (s. d.).

Usingen. 1) Kreis im preuß. Reg.-Bez. Wiesbaden, hat 360,86 qkm und (1895) 22004 (10944 männl., 11060 weibl.) E., 1 Stadt und 52 Landgemeinden. –

2) Kreisstadt im Kreis U., am Usbach (Usa), an der Nebenlinie Homburg vor der Höhe-U. (22,6 km) der Preuß. Staatsbahnen, Sitz des Landratsamtes und eines Amtsgerichts (Landgericht Wiesbaden), hat (1895) 1900 E., darunter 247 Katholiken und 77 Israeliten, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, evang. Schullehrerseminar, Realschule, Präparandenanstalt, Wollwirkerei und Gerberei. 1362 kam die Stadt an Nassau. Das 1660–62 erbaute, 1873 abgebrannte Schloß war bis 1774 Residenz der 1659 gestifteten und 1816 erloschenen Linie der Fürsten von Nassau-Usingen.