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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Valencia (in Venezuela) - Valenciasee

Die Bewohner, stark mit maur. Blut vermischt, zeichnen sich durch Fleiß und Sorgfalt aus, doch sind die Landleute in gedrückter Lage, und viele werden zur Auswanderung, besonders nach Südamerika, veranlaßt. Das Land wird jetzt in die Provinzen Castellon de la Plana, V. und Alicante geteilt. V. wurde 1233-53 von den Aragoniern erobert und 1319 mit deren Königreich vereinigt. (S. Spanien, Geschichte.) - 2) Span. Provinz, liegt zwischen Castellon de la Plana und Teruel im N., Cuenca und Albacete im W., Alicante im S. und dem Mittelmeer im O. und hat auf 10 715,17 qkm (1887) 733 978 (366 000 männl., 367 978 weibl.) E., 51 932 mehr als 1877, also 68,3 E. auf 1 qkm. Von Personen über 7 Jahre waren 52,7 Proz. männliche und 65,5 Proz. weibliche Analphabeten. In den Huertas ist die Bevölkerung dichter als irgendwo in Spanien. Mehr als ein Fünftel des Kulturlandes ist künstlich bewässert (91 327 ha) und davon dienen 24 000 ha dem Reisbau (besonders bei Sueca und Cullera), außerdem werden viele Orangen um Carcagente und Alcira, Citronen, Oliven, Mais, Wein, Erdnüsse und Zwiebeln gebaut. Die vom Turia bewässerte Huerta der Stadt V. mit 53 Ortschaften gewährt drei- bis vierfache Ernten und heißt der "Garten Spaniens", auch sind die Huertas von Jativa, Gandia und die Ufer des untern Jucar berühmt, sowie die Weingärten von Requena und Utiel im Magrothale. Südlich von der Hauptstadt der Strandsee Albufera (s. d.) de V. - 3) V. del Cid, lat. Valentia Edetanorum, Hauptstadt der Provinz V. und früher des gleichnamigen Königreichs, rechts am Turia (Guadalaviar), über den 5 Brücken zu den auf das jenseitige Ufer reichenden Vorstädten führen, über 3 km vom Meer, an der Eisenbahn Tarragona-Almansa und den Seitenlinien V.-el Grao (Hafen, 6 km), V.-Liria (30 km), V.-Utiel (88 km) und Teruel-Calatayud (im Bau) sowie vier Schmalspurbahnen, ist im alten Teil eng gebaut mit gewundenen Straßen, umgeben von zum Teil maur. Türmen, bis 1871 auch von Festungswällen, Sitz eines Generalkapitäns, eines Erzbischofs (seit 1192), der Provinzialbehörden, einer königl. Audienz, einer Filiale der Bank von Spanien, einer Handelskammer und vieler Konsulate (auch eines deutschen) und hat (1887) 170 763 (82 009 männl., 88 754 weibl.) E., 26 902 mehr als 1877; 1897 wurden Pueblo Nuevo del Mar (11 219 E.), Villanueva del Grao (5216 E.) und Campanar (2171 E.) einverleibt. Es giebt in V. 9 öffentliche Plätze, darunter die Plaza de Mercado (Markt) der bedeutendste, daran die Börse mit spiraligen (sarazen.) Säulen, herrliche Promenaden am Turia, 5 Theater, 14 Kirchen, darunter der 1262 begonnene Dom (La Séo) mit prachtvollem Portal am südl. Arm des Querschiffs, achteckiger reich geschmückter Kuppel über der Vierung aus der zweiten Hälfte des 11. Jahrh., dem achteckigen Glockenturm el Miguelete, 46 m hoch, aus dem Anfang des 15. Jahrh, und alten Gemälden im Innern; Sta. Catalina, eine ehemalige Moschee, mit sehr zierlichem Turm, der prächtige 1516 gebaute Kreuzgang des Klosters San Miguel de los Reyes (jetzt Zuchthaus), ferner die Seidenbörse (Lonja de la Seda), ein im J. 1895 restaurierter got. Bau, die Audiencia, das Ständehaus des frühern Königreichs V., ein Renaissancebau aus dem 16. Jahrh., das Hospital, die Strafanstalt und der Circus für Stiergefechte. An wissenschaftlichen Anstalten besitzt V. eine 1500 gegründete Universität mit (1896/97) 49 Lehrern und 726 Hörern, jurist., mathem., naturwissenschaftlicher und mediz. Fakultät, einer Bibliothek mit 58 556 Bänden (376 Inkunabeln) und 719 Handschriften, den besten botan. Garten Spaniens, ein Museum mit vorzüglichen Gemälden des 17. Jahrh. und eine Akademie der bildenden Künste. Die ehemals berühmte Seidenindustrie hebt sich erst neuerdings wieder, die Cigarrenfabrik beschäftigt 3500 Arbeiter; auch Papier-, Öl-, Schokoladen-, Schwefelsäure-, Thonfliesen- und Seifenfabrikation sowie eine Brauerei, Seilerei, Böttcherei sind gleich dem Handel bedeutend. Der Seehandel wird mittels der ziemlich unsichern Reede des Grao bei Villanueva del Grao (s. d.) betrieben, die Station der Messagieres Maritimes und von zwei span. Dampferlinien ist. Größere Hafenanlagen sind im Bau. Der Binnenhafen, durch zwei Molen fast ganz abgeschlossen, ist 6½ m, der äußere zwischen den Dämmen 7-8 m tief. Hier wie im nördl. Cabañal (s. Pueblo nuevo del Mar) sind besuchte Seebäder. Der Schiffsverkehr (1896: 6031 Schiffe mit 3,5 Mill. Registertons) ist zurückgegangen. Die Ausfuhr besteht in Wein, Rosinen, Öl, Reis, Orangen, Zwiebeln und Safran und die Einfuhr in Kakao, Weizen und Mehl, russ. und schwed. Bauholz, Faßdauben, Phosphaten, Guano, Häuten, Fellen, Stockfisch, engl. Kohlen, amerik. Petroleum, Papier, Glas- und Webwaren, Seide, Eisen und Eisenwaren, Kupfer und Zinn. - V., 138 v. Chr. als röm. Kolonie gegründet, wurde 712 von den Mauren erobert, unter denen es als Belisa oder Bagentia zur Landschaft Murbathr gehörte. Von 1021 bis 1085 gehörte es den Beni Alamari, 1085-92 den Dhulnuniden, denen es 1092 nach hartnäckiger Verteidigung die Almoraviden entrissen, um es 1094 an Cid zu verlieren, 1102 aber wiederzuerlangen. Am 28. Sept. 1238 verloren es die Mauren an Jakob I. von Aragonien. V. war 1520-22 in Aufstand gegen Karl V., verlor unter Philipp III. 200 000 Mauren durch Ausweisung und wurde 9. Jan. 1812 nach langer Belagerung von den Franzosen unter Suchet genommen. - 4) V. de Alcantara, Bezirksstadt und Festung im SW. der span. Provinz Caceres in Estremadura, auf einer Anhöhe am Nordostfuß der Sierra de Mamede, an einem linken Zufluß des Tajo, 7 km von der portug. Grenze, an der Eisenbahn Madrid-Lissabon (401 km), hat (1887) 8230 E.

^[Abb.]

Valencia, früher Nueva Valencia del Rey genannt, Hauptstadt des Staates Carabobo in Venezuela, in 495 m Höhe herrlich gelegen, 30 km vom Seehafen Puerto-Cabello (s. d.), von wo die Bahn über V. nach Caracas führt, von fruchtbaren Ebenen umgeben, ist gut und weitläufig gebaut, hat sehr breite Straßen, einen großen Marktplatz, schöne Kathedrale, ein Kollegium und zählt (1891) 27 538 E., welche Ackerbau, Anbau von Zuckerrohr und Kaffee, Handel und Industrie treiben.

Valenciasee, Lago de Valencia oder See von Tacarigua, See an der Grenze der Staaten Carabobo und Guzman Blanco in Venezuela, ist etwa 45 km lang, bis 20 km breit; das Areal beträgt 550 qkm, die größte Tiefe 70 m, die Seehöhe 414 m. Der See wird durch zwei Halbinseln in zwei Becken