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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Varnbüler - Varnhagen von Ense
wie eines deutschen und eines österr. Konsuls, bat
(1893) 28174 (5., Bulgaren, Türken und Griechen,
eine neue Kaserne, Magazine und zwei Lazarette.
Die Festungswerke sind seit 1878 geschleift. Nahe der
Stadt, im Osten, inmitten der am Berghange gelege-
nen Weingärten zu Monastir (einein alten Kloster)
liegt die fürstl. Sommerresidenz Eurinograd. V. ist
Stapelplatz aller Waren des östl. Bulgariens, vor
allem für die Getreideausfubr (1896:130,2 Mill. 1^
für 17,04 Mill. Frs.). Die Einfuhr (17,3 Mill. Frs.>
besteht zumeist aus Teztil-, Leder- und Metallwaren.
Regelmäßigen Dampferverkehr unterhalten die
bulgar. Gesellschaft und der Österreichisch-Ungarische
Lloyd. - Bei V. erlitten 10. Nov. 1414 die Ungarn
unter Wladislaw eine blutige Niederlage durch Mu-
rad 11.; 1610 wurde die Stadt von den Kosaken ge-
nommen. 1773 widerstand V. den Russen, ergab sich
aber 1828 nach dreimonatiger Belagerung.
Varnbüler, Friedr. "Gottlob Karl, Freiherr
von, württemb. Staatsmann, geb. 13. Mai 1809
zu Hemmingen, aus einer durch mehrere Mit-
glieder um Württemberg verdienten Familie, Sohn
des Finanzministers Karl Freiherrn von V. (geb.
12. Aug. 1776, gest. 27. April 1832)^ studierte in
Tübingen und Berlin Rechts- und ^taatswissen-
schaft/war 1833-39 Kollegialmitglied der Kreis-
regicrung in Ludwigsburg, bewirtschaftete von 1839
an seine Güter (Hemmingen, Höfmgen und Lud-
wigshöhe), leitete 1849-53 eine große Maschinen-
fabrik in Wien und war seit 1845 als Vertreter der
Ritterschaft des Neckarkreises Mitglied der Zweiten
Kammer, wo er besonders in wirtschaftlichen Fragen
eine hervorragende Stellung einnahm. In den
Stürmen von 1848 und in der Reaktionsperiode
verteidigte er entschieden den Standpunkt der Re-
gierung und die Interessen des Adels. König Karl
ernannte ihn 21. Sept. 1864 zum Minister des
Auswärtigen und des Königlichen Hauses und
übertrug ihm 21. Okt. auch die Leitung der Ver-
tehrsanstalten. V.s preußenfeindliche Politik im
Sommer 1866 hatte unzweifelhaft die Sympathien
des größten Teils der Bevölkerung. Am 13. Aug.
schloß er in Berlin den Frieden mit Preußen ab,
bei welchem auf seine Initiative die Allianzver-
träge und die Verlängerung des Zollvereins ver-
einbart wurden. In betreff dieser Verträge be-
gegnete er im Lande und in der Kammer der Ab-
geordneten den heftigsten Angriffen. Am 31. Aug.
1870 seines Ministerpostens enthoben, wurde er
1873 in den Reichstag gewählt, dem er bis 1881
angehörte. Als eifriges Mitglied der schutzzollneri-
schen Partei unterzeichnete er im Okt. 1878 die
Erklärung der Volkswirtschaftlichen Vereinigung
und wurde für die 3. Jan. 1879 zusammentretende
Zolltarifkommission zum Vorsitzenden ernannt. So-
wohl in der Kommission als auch später in: Reichs-
tag entwickelte er unter steter Fühlung mit dcm
Reichskanzler eine erfolgreiche Thätigkeit für den
Zolltarif. Er starb 26. März 1889 in Berlin.
Varnhagen von Gnse, Karl Aug., Schrift-
steller, geb. 21. Febr. 1785 zu Düsseldorf, kam 1794
mit seinem Vater nach Hamburg und studierte seit
1800 in Berlin Arzneiwissenschaft, zugleich aber
auch Philosophie und alte Litteratur. Ä. W. von
Schlegels Vorlesungen und Fichtes Bekanntschaft
befestigten ihn in diesen Studien, die er später in
Halle, Berlin und Tübingen fortsetzte. 1809 trat
er in.die österr. Armee, wurde nach der Schlacht bei
Aspcrn zum Offizier befördert, bei Wagram ver-
wundet und darauf nach Wien gebracht. Nach
seiner Genesung begleitete er den Obersten Prinzen
Bentheim als Adjutant auf mehrern Reisen, so auch
1810 nach Paris an den Hof Napoleons. Als die
Österreicher 1812 am russ. Feldzug teilnahmen, ver-
ließ V. v. E. deren Dienst und begab sich nach Ber-
lin, trat 1813 als Hauptmann und Adjutant des
Generals Tettenborn in russ. Dienste und nahm an
den Kriegszügen in Norddeutschland und Frankreich
teil. Noch während des Krieges gab er die "Geschichte
der Hamburger Ereignisse" (Lond.1813) und darauf
die "Geschickte der Kriegszüge Tettenborns" (Stuttg.
1814) in Druck. In Paris empfing er von Preußen
die Berufung in den diplomat. Dienst, worauf er
1814 dem Staatskanzler Hardenberg zum Kongreß
nach Wien, 1815 nach Paris folgte und dann Mi-
nisterresidcnt in Karlsruhe wurde. Nachdem er thätig
an der Einfübrung der ständischen Verfassung in
Baden mitgewirkt hatte, wurde er im Sommer 1819
abberufen und lebte seitdem mit dem Titel eines
Geh. Legationsrats meist in Berlin seiner schrift-
stellerischen Thätigkeit; 1829 ging er in außerordent-
licher Sendung nach Cassel und war überhaupt in
polit. Geschäften vielfach thätig. Er starb 10. Okt.
1858 zu Berlin.
In seinen Gedichten ohne Selbständigkeit, hat sich
V. v. E. in seinen histor., meist biogr. Arbeiten, in
denen er das Hauptgewicht freilich nur auf neben-
fächlichen Klatsch und pikante Anekdoten legt, als
gewandten Prosaiker erwiesen. Seine zahlreichen
Schriften gehörten anfangs der romantischen Dicht-
weise, später der Biographie und litterar. Kritik
an. Schon 1804 gab er mit A. von Chamisso einen
"Musenalmanach" heraus. Seine Hauptwerke sind:
"Deutscke Erzählungen" (Stuttg. 1815; 3. Aufl.
1879), "Vermischte Gedichte" (Franks. 1816), "Goethe
in den Zeugnissen der Mitlebenden" (1. Sammlung,
anonym, Verl. 1824), "Biogr. Denkmale" (5 Bde.,
ebd. 1824-30; 3. vermehrte Aufl., Lpz. 1872-74),
"Zur Geschichtschreibung und Litteratur" (Hamb.
1833), "Leben des Generals Seydlitz" (Berl. 1834),
"Leben des Generals Winterfeld" (ebd. 1836), "Leben
der Königin von Preußen, Sophie Charlotte" (ebd.
1837), "Leben des Feldmarschalls Grafen von
Schwerin" (ebd. 1841), "Leben des Feldmarschalls
Keith" (ebd. 1844), "Hans von Held" (Lpz. 1845),
"Denkwürdigkeiten und vermischte Schriften" (7 Bde.,
ebd. 1837-46), "Karl Müllers Leben und kleine
Schriften" (Berl. 1847), "Leben des Generals Bülow
von Dennewitz" (ebd. 1853). V. v. E. stand mit den
bervorragendsten seiner Zeitgenossen in Briefwechsel.
Einen großen Einfluß auf seine Thätigkeit übte seine
Gattin^ Bald nach seinem Tode erschienen, heraus-
gegeben durch seine Nichte Ludmilla Assing (s. d.),
noch zwei Bände seiner "Denkwürdigkeiten", Bd. 8
u. 9 (Lpz. 1859), die "Briefe von A. von Humboldt
an V. v. E. aus den 1.1827-58" (1. bis 5. Aufl., ebd.
1860); ferner die "Briefe an eine Freundin" Mnely
Böltei (Hamb. 1860), "Briefwechsel zwischen V. v.E.
und Ölsner" (3 Bde., Stuttg. 1865), "Briefe von
Stägemann, Metternich, Heine und Bettina von
Arnim" (Lpz. 1865) und "Briefe von Chamisso,
Gneisenau u. s. w." (2 Bde., ebd. 1867), dann "Tage-
bücher von F. von Gentz" (ebd. 1861) sowie "Tage-
bücher" (Bd. 1-6, ebd. 1861-62; 2. Aufl., Bd. 1
-4,1863; Bd. 7-8, Zür. 1865; Bd. 9-14, Hamb.
1868-70) und "Blätter aus der pveuß. Geschichte"
(5 Bde., Lpz. 1868-69), welche Enthüllungen über
die neuere preuß. Geschichte enthalten; "I^ttre" än