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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Ventilation

beträgt und ein Mensch stündlich etwa 22,6 l Kohlensäure produziert, so würden 32 cbm Luft pro Kopf und Stunde erforderlich sein. Neuerdings ist auch die Temperaturzunahme als Maßstab für die Luftverunreinigung genommen worden. Dieselbe giebt einen sehr brauchbaren Maßstab, wenn gleichzeitig der Wassergehalt berücksichtigt wird, da dieser die Entwärmung des Körpers beeinflußt. Ist die Anzahl der Personen nicht bekannt, so reicht erfahrungsmäßig bei wenig benutzten Räumen ein einmaliger stündlicher Luftwechsel des Raums aus, bei Steigerung der Benutzung muß ein größerer Luftwechsel eintreten; in Räumen, in denen sich Gerüche entwickeln, ist eine Steigerung des Luftwechsels bis auf den 4-5fachen Rauminhalt erforderlich. Darüber hinauszugehen ist wegen der dann stattfindenden Zugerscheinungen nicht rätlich. Die Ansichten über den zweckmäßigsten Feuchtigkeitsgehalt der Luft sind verschieden. Meistens wird eine relative Feuchtigkeit von 30 bis 50Proz. oder ein Sättigungsdeficit von 10 bis 8 g als am zuträglichsten angenommen. Für einzelne Fälle, z. B. Lagerräume, Ställe, kann man sich durch Einsetzen von sog. Lüftersteinen, welche mit Kanälen versehen sind, durch Lüftungsgitter und ähnliche Vorrichtungen helfen. Der einfachste Luftaustausch findet durch Öffnen von Fenstern oder einzelnen Scheiben statt, oder es werden Jalousieklappen, auch sog. Schmetterlingsschieber aus Glas angebracht. Eine gewisse, wenn auch geringe V. findet im Winter durch die Stubenöfen statt.

Eine wirksame V. ist nur durch künstliche Lüftung zu erzielen, indem man besondere Kanäle für Zuleitung reiner Luft, am besten aber auch gleichzeitig besondere Kanäle für Abführung der verbrauchten Luft anordnet. Um die Luft in den Kanälen fortzubewegen, wird dieselbe entweder erwärmt (V. mittels Temperaturdifferenz), oder es werden Druck- oder Saugapparate (Ventilatoren) benutzt (V. mittels maschineller Einrichtung). Werden die Ventilatoren in den Zuluftkanälen aufgestellt, so spricht man von Pulsions- oder Drucklüftungssystem; werden die Ventilatoren (Exhaustoren) in den Abluftkanälen angeordnet, so spricht man von Sauglüftungsanlagen; wird die Abluft aber zur Sicherung der Bewegung besonders erwärmt, so spricht man von Aspirationssystem. Die Systeme können auch miteinander kombiniert werden, was aber gewöhnlich aus Sparsamkeitsgründen nicht geschieht. Drucklüftung wendet man bei kurzen, wenig Widerstand bietenden Abluftkanälen, Sauglüftung bei kurzen Zuluftkanälen an.

Die vollkommenste Anlage der Zuluftkanäle besteht darin, daß man für alle zu lüftenden Räume eine gemeinsame Entnahmestelle der frischen Luft anordnet, letztere an einem Heizapparat im Keller vorwärmt und sodann den einzelnen Räumen in getrennten aufsteigenden Kanälen zuführt. Die Entnahme der Frischluft von außen soll möglichst an einer gegen Wind, Staub, Rauch und Ruß geschützten Stelle erfolgen. Zweckmäßig ist es, zwei in entgegengesetzter Richtung liegende Entnahmestellen anzuordnen, um den Einflüssen des Windes unter Anwendung von Klappen vorzubeugen. Die Öffnungen sind vor Regen und Schnee zu schützen und mit Gitterwerk zu versehen. Ein Reinigen der Luft nach der Entnahme von außen ist stets wünschenswert. Dies geschieht durch Staubkammern, in welchen sch der gröbere Staub ablagert. Feinerer Staub kann durch sehr feine Metalldrahtgitter, Gewebefilter oder Waschapparate ausgeschieden werden. Solche Einrichtungen sind jedoch mit Vorsicht anzuwenden, da sie leicht zum Hindernis für die Luftbewegung werden. Durch die Erwärmung der Frischluft wird die relative Feuchtigkeit derselben vermindert, weshalb sich eine Befeuchtung bis auf 30-50 Proz. der Sättigung empfiehlt. Das Befeuchten der Luft kann in den zu lüftenden Räumen selbst oder besser gemeinsam an Verdunstungsgefäßen, flachen, offenen Schalen, oder Zerstäubungsapparaten in der Heizkammer erfolgen.

Die den Räumen zugeführte Frischluft muß zur Vermeidung von lästigen Zugerscheinungen durch eine Vorwärmung auf Temperatur von etwa 20° C gebracht werden. Dies kann in dem betreffenden Raume selbst oder außerhalb desselben in einer Centralstelle geschehen. Soll in letzterm Falle die Zuluft zugleich die Räume erwärmen, wozu eine Temperatur von etwa 40° erforderlich ist, so hat man es mit einer kompletten Luftheizungsanlage (s. Heizung) zu thun. Für einzelne Räume läßt sich eine Winterventilation schaffen unter Benutzung von Zimmeröfen, welche unter den Namen Ventilations-, Gesundheits-, Sanitätsofen u. s. w. im Handel geführt werden (s. Öfen). Gewöhnlich erwärmen diese Öfen entweder nur die einzuführende Luft oder sorgen für Ableitung der verbrauchten Luft. Für Vorwärmung der Frischluft kann jeder Zimmerofen, der von einem Mantel umgeben ist, oder jeder Heizkörper einer Zentralheizung dienen. Auch jeder Kachelofen kann durch besondere, im Ofen selbst liegende Kanäle zur Vorwärmung der Luft ohne Mühe eingerichtet werden. Stets sollte hierbei durch besondere Abluftkanäle, die am besten neben die betreffenden Schornsteine zu legen sind und in dem Dachraume oder über dem Dache münden, für eine regelmäßige Lüftung gesorgt werden. Die Zimmeröfen, welche nur allein für Ableitung der Luft sorgen, führen meistens die Abluft nach Erwärmung den Schornsteinen zu, was aber nicht zu empfehlen ist, da der Zug im Schornstein darunter leidet, auch Rauch und Ruß ins Zimmer treten kann. Sollen einzelne Mantelöfen mit Lüftung heizen und stehen dieselben von der äußern Entnahmestelle der Frischluft entfernt, so müssen horizontale Kanäle in, über oder unter dem Fußboden angelegt werden, doch ist dies vom hygieinischen Standpunkt nicht zu empfehlen, selbst wenn die Kanäle genügend von dem sich ablagernden Staub zu reinigen sind.

Die Zu- und Abführungskanäle einer Lüftungsanläge für ein ganzes Gebäude sind dieselben wie die einer Luftheizungsanlage (s. Heizung). Die Tafel: Ventilation II, Fig. 1, stellt schematisch die Anordnung einer Lüftungsanlage mittels Temperaturdifferenz dar. a ist der Einströmungskanal der Luft, b die Staubkammer, d der Heizapparat, c die Austrittsöffnung der warmen Luft, e die Mischklappe (c und e werden meist fortgelassen), ff die Abströmungsöffnungen der warmen Luft, gg Mündungen der Luftkanäle zum beliebigen Einlassen unerwärmter Luft behufs Mischung mit der erwärmten, h zweiter Lufteintritt für kalte Luft.

Die V. ist am lebhaftesten, wenn die äußere Temperatur am niedrigsten ist, also im strengen Winter, wo sie aber am wenigsten vermißt wird. Dagegen ist ihre Wirkung sehr gering, ja gleich Null, wenn die äußere Temperatur nur wenig niedriger als die Temperatur in den zu ventilierenden Räumen oder gleich dieser Temperatur ist. In diesem Falle ist