Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

234

Vereinigte Staaten von Amerika (Geologie. Klima)

der Alleghanies fließen dem Mexikanischen Meerbusen mehrere beträchtliche Ströme zu, wie Apalachicola und Mobile. - Die mittlere Abteilung, zu der man auch die Canadischen Seen rechnen kann, wird von dem Becken oder der Ebene des Mississippi gebildet, das östlich von den Alleghanies, westlich von den Rocky-Mountains oder dem Felsengebirge (s. d.) begrenzt wird. Es enthält keine eigentlichen Gebirge; die am mittlern Arkansas auftretenden Ozark-, Washita- u. s. w. Berge erreichen etwa 500 m Höhe. Außer zahlreichen Hügeln besteht dieses Gebiet entweder aus völlig ebener oder leicht gewellter Oberfläche. Der Osten ist waldreich, während der Westen hauptsächlich aus Prairien besteht und westlich vom 95. Längengrad fast baumlos ist. Im Süden dieses Gebietes, an der Grenze von Texas und Neumexiko, erhebt sich das wüste Sandsteintafelland des Llano Estacado. Am Rande desselben entspringen auch dem Mississippi nicht zufließende Ströme, wie der Brazos und der texanische Colorado. Der Rio Grande del Norte, welcher die Grenze gegen Mexiko bildet, entspringt schon in den Rocky-Mountains und durchläuft ein Längenthal derselben. - Mit letzterm Gebirge beginnt die westl. Abteilung, die vorherrschend gebirgig ist. Im Westen derselben zieht sich die Kette der Sierra Nevada und dann des Kaskadengebirges parallel der Küste des Stillen Oceans nordwärts, und ganz an der Küste zieht die Coast Range entlang. Das weite, ebenfalls gebirgige Gebiet zwischen Rocky-Mountains einerseits, Sierra Nevada und Kaskadengebirge andererseits zerfällt in drei Teile. Im Norden wird es vom Columbia und namentlich von seinem großen Nebenfluß, dem Snake-River, entwässert, im Süden vom Colorado mit dem Gila. Zwischen beiden aber dehnt sich ein Raum aus, der keine Gewässer nach dem Meere entsendet und das "Große Becken" (Great Basin) genannt wird. Dasselbe hat einen Durchmesser von durchschnittlich 900 km und eine Meereshöhe von 1200 bis 1500 m. Unter seinen Seen und Flüssen ist der Salt-Lake (s. d.) in Utah der hervorragendste. Das Thal zwischen Sierra Nevada und Coast Range wird vom Sacramento und San Joaquin durchströmt, und vom Westabhange der Coast Range fließen viele, aber unbedeutende Küstenflüsse dem Stillen Ocean zu. Wasser- und Regenarmut herrschen namentlich im Süden der westl. Abteilung, und wüstenartige Gegenden sind besonders im Großen Becken und im Gebiet des Colorado vorherrschend, die auch sehr arm an Baumwuchs sind. - Die mittlere Höhe des gesamten Gebietes ist 762 m; am höchsten liegt Colorado (2070 m); die größten Gegensätze zeigt Kalifornien (0-4572 m, mittlere Höhe 884 m); über 2000 m hoch liegt Wyoming, unter 100 m Mississippi, Neujersey, Rhode-Island, Louisiana und Florida.

Geologie. Obgleich die archäischen Gesteine in Nordamerika ihre Hauptverbreitung in den brit. Provinzen haben, ist doch in der Union ihr Auftreten in der Appalachenkette und im System der Rocky-Mountains von Bedeutung; ferner hervorzuheben sind die Adirondacks; isolierter sind die Vorkommnisse in den Black-Hills sowie Stellen in Missouri, Arkansas und Texas. An und um diese archäischen Kerne legen sich nun Silur, Devon und Carbon in gewaltigen Arealen mit einfachen, aber großartigen Verhältnissen und nehmen den Hauptteil des zweiten geogr. Abschnitts, des Mississippibeckens, ein. Die marine Kreideformation tritt am Ost- und Südabhang des Appalachensystems auf, wie in Neujersey, Alabama u. s. w., und bedeckt auf der andern Seite des Mississippi auch weite Strecken in Texas. Von ihr aus nach dem Meere zu tritt das Quartär, namentlich aber das marine Tertiär auf, das, einen mächtigen Flächenraum bedeckend, von Neujersey südwärts bis und durch Florida, und von da westwärts durch die Golfstaaten bis nach Mexiko hinein zieht und außerdem im Mississippithal weit nordwärts dringt. Auf die paläozoischen Schichten des Mississippibeckens folgt westwärts die Ebene der Laramieformation, welche zur Kreide gerechnet wird, sowie ausgedehnte tertiäre Süßwasserablagerungen. Der westliche geogr. Abschnitt ist komplizierter gebaut, weist vielfach vulkanische Gesteine auf und zeichnet sich durch geolog. Merkwürdigkeiten, wie den Yellowstone-Nationalpark, die Cañons des Colorado, zusammengeschrumpfte Binnenseen u. s. w., aus. Die Spuren der Eiszeit sind in den nordöstl. Staaten bis zum 98. Meridian westlich und Pennsylvanien südlich bemerkbar. Die Gletscherstreifungen sind namentlich in den Neuengland-Staaten und Neuyork häufig hervortretend. In den Rocky-Mountains u. s. w. sind Spuren früherer Gletscher; Reste sind noch auf Mount-Shasta, Mount-Hood und anderwärts zu finden.

Klima. Das Land reicht von der Nähe der Wendekreise bis zur nordischen Seeplatte und wird von Westen nach Osten von keinem Hochgebirge durchzogen. Deshalb haben die Winde vom Norden wie vom Süden her ungehinderten Zugang, und auch vom Westen nach Osten finden sie auf dem weiten Raume zwischen den Felsengebirgen und den Alleghanies keinen Widerstand: kein anderes Land hat eine veränderlichere Witterung. Ein Wechsel von 14 bis 17° C. in einigen Stunden ist nicht selten, und oft schlägt in einem Tage das Wetter drei- bis viermal um. Der Nordwestwind, der von den Felsengebirgen und über die Prairien herkommt, ist kalt und trocken; der Nordost weht vom Meere und den großen Binnenseen her und ist deshalb feucht und kalt; Südost und Südwest sind beide heiß. Die Sommer des südl. Arizona kommen denen Ostindiens und Nordafrikas nahe. Äußerst hohe Winterkälte und Gefrieren des Quecksilbers kommen namentlich in dem Gebiet von Michigan bis Montana vor, während in den Südstaaten Schnee und Eis im Winter immer seltener werden, je mehr man sich dem Golf nähert, so daß z. B. im südlichsten Florida Winter und Sommer mehr als trockne und regenreiche Jahreszeit zu unterscheiden sind. An der atlantischen Küste trägt die feuchte Luft im allgemeinen dazu bei, die Kälte und besonders die Hitze unangenehm zu machen, während im Westen, namentlich westwärts vom Mississippi, die gewöhnlich klare und äußerst trockne Atmosphäre die großen Temperaturextreme weniger fühlbar macht. Das Klima an der Küste des Stillen Oceans ist durchweg verschieden von dem der östl. Staaten. Es ist milde, ohne die Extreme des Sommers und Winters, und um so gleichmäßiger, je näher man der Küste und dem Süden kommt. Während also noch auf den Höhen der Sierra Nevada im Winter starker Schneefall herrscht, unterscheidet sich an der kaliforn. Küste, namentlich im Süden derselben, Sommer und Winter fast nur durch die Ab- und Anwesenheit der Regen; doch sind hier, umgekehrt wie in Florida, die Sommermonate die trocknen. Örtliche Verhältnisse und namentlich die Höhenlage spielen