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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vereinigte Staaten von Amerika (Geschichte bis 1789)

nada; der tapfere Führer Montgomery fiel 31. Dez. 1775 beim Sturm auf Quebec, und die Amerikaner mußten sich mit schweren Verlusten zurückziehen. Dagegen wurde ein engl. Angriff auf das wichtige Charleston zurückgewiesen, wahrend gleichzeitig Kaperschiffe den Engländern großen Schaden zufügten. Diese Erfolge beförderten den Gedanken einer vollständigen Unabhängigkeitserklärung, die übrigens bereits Mai 1775 von der Vertretung Nordcarolinas für dieses Land ausgesprochen worden war. Eine 7. Juni 1776 von Richard Henry Lee im Kongreß eingebrachte Resolution bildete die Grundlage für die 4. Juli unterzeichnete Unabhängigkeitserklärung (s. Declaration of independence) der V. S. v. A.

II. Die Periode der Konföderation (bis 4. März 1789). Der Zusammenhang, in den die 13 Kolonien traten, war zunächst nur ein loser, soweit er zur gemeinsamen Abwehr unerläßlich wurde. Er war aber um so notwendiger geworden, als gerade um diese Zeit England bedeutende Anstrengungen zur völligen Unterdrückung der Rebellion machte. Es rüstete eine große Flotte, die unter Befehl des Admirals Howe gestellt wurde, und ein Landheer von 55000 Mann unter dessen Bruder Lord Howe. Da die Volksstimmung in England die Werbung erschwerte, kaufte die Regierung den kleinen deutschen Höfen Hessen-Cassel, Hessen-Hanau, Braunschweig, Waldeck, Anhalt und Ansbach Mietstruppen ab, welche die Waffen gegen die amerik. Kolonien führen mußten. Einer solchen Macht gegenüber konnte sich Washington, der seine Armee bald nach der Einnahme von Boston nach Neuyork verlegt hatte, zunächst nur auf die Defensive beschränken. Als Howe im August mit 30000 Mann von Staten Island anrückte, räumte Washington nach einigen unglücklichen Gefechten, besonders bei White Plains (28. Okt.), nicht bloß die Stadt, sondern auch den Staat Neuyork. Zwei erfolgreiche Überfälle bei Trenton (25. Dez. 1776) und Princeton (3. Jan. 1777) hoben einigermaßen wieder den Mut seiner durch Krankheiten und schlechte Verpflegung decimierten Milizen, so daß die Winterquartiere unter erträglichen Umständen bezogen werden konnten. Im Frühjahr 1777 verlegte der engl. Feldherr Howe seine Operationen in die Chesapeakebai, worauf es ihm gelang, 27. Sept. Philadelphia einzunehmen, nachdem er zwei Wochen vorher Washington bei Brandywine geschlagen hatte. Am 4. Okt. erlitt Washington bei Germantown eine zweite empfindliche Niederlage, so daß er seine Winterquartiere in die wilde Gegend bei Valley-Forge verlegen mußte. Hier war es, wo der 1. Dez. eingetroffene preuß. Offizier Steuben als "Generalinspektor" hervorragende Dienste als Disciplinator und Organisator der Armee leistete. Zum weitern Glück für die Kolonien gelang es deren Truppen unter Gates nach mehrern glücklichen Gefechten, den engl. General Bourgoyne, der von Canada aus eingedrungen war, am 7. Okt. bei Saratoga zu schlagen und bald darauf (17. Okt.) zur Kapitulation zu zwingen. Dieser Erfolg, der 6000 Briten zu Gefangenen machte, war namentlich dadurch von Bedeutung, daß er die bisher schwankende franz. Regierung zum Abschluß eines Handels- und Verteidigungsbündnisses mit den Amerikanern bewog, nachdem schon vorher nicht bloß zahlreiche franz. Offiziere, darunter General Kalb und der junge Lafayette, in die Armee Washingtons eingetreten, sondern auch heimlich bedeutende Unterstützungen an Geld und Ausrüstung gewährt waren. Jetzt erklärte Frankreich an England offiziell den Krieg und rüstete zwei Flotten aus. Das Erscheinen der franz. Kriegsschiffe unter d'Estaing kam den amerik. Kämpfern gelegen, da sie sonst kaum im stande gewesen wären, der energischen Kriegführung, welche unter dem neuen engl. Oberfeldherrn Henry Clinton eingeleitet wurde, zu widerstehen. 1778 und 1779 konnte Washington nur einmal (28. Juni 1778 bei Monmouth) wagen, sich den Engländern in offenem Felde entgegenzustellen; der Erfolg dieses Treffens genügte aber nicht einmal, um den schweren Verwüstungen Einhalt zu thun, welche die brit. Truppen längs der ganzen Küste, besonders aber in den reichern südl. Provinzen, wohin Clinton seine Hauptthätigkeit verlegte, durchführten. Selbst daß Spanien an England den Krieg erklärte, Holland mit Schweden, Dänemark und Rußland das Neutralitätsbündnis abschloß (1. Jan. 1780), infolgedessen England auch an Holland den Krieg erklärte, half den Amerikanern wenig. Sie erlitten einen schweren Schlag, als Clinton 12. Mai 1780 das wichtige Charleston in Südcarolina mit 6000 Mann, 400 Kanonen, 4 Fregatten und reichen Vorräten zur Übergabe zwang. Dies war der Höhepunkt des amerik. Mißgeschicks, das durch einige glänzende Waffenthaten, wie die Wegnahme zweier brit. Kriegsschiffe im Englischen Kanal durch Kapitän Jones (23. Sept. 1779) und die Erstürmung von Stony-Point durch General Wayne (16. Juli 1779), nicht gebessert wurde. Clinton glaubte aber nach der Einnahme Charlestons den Süden vollständig bezwungen zu haben, zog sich mit der Hauptarmee nach Neuyork zurück und ließ General Cornwallis mit 8000 Mann zur Bekämpfung der Guerillabanden zurück, die allein noch von amerik. Seite den Krieg fortführten. Diese Schwächung der Briten im Süden wurde von Washington geschickt zu einem Hauptschlage benutzt. Er wußte Clinton in dem Glauben zu belassen, daß er gegen ihn in Neuyork operieren würde, während er thatsächlich Cornwallis in seiner befestigten Stellung bei Yorktown in Virginien im Verein mit einem franz. Hilfskorps und einer franz. Flotte vollständig einschloß, so daß dieser sich 19. Okt. 1781 mit 8000 Mann und 106 Geschützen ergeben mußte. Diese Nachricht rief in London ungeheure Aufregung hervor, und da die Engländer der kostspieligen Kriegführung längst überdrüssig geworden waren, so gelang es 30. Nov. 1782 den amerik. Unterhändlern Adams und Franklin, in Paris einen Präliminarfrieden mit den Engländern zu schließen, dem 3. Sept. 1783 der definitive Friede von Versailles folgte, wodurch die Unabhängigkeit der "V. S. v. A." anerkannt wurde. Am 25. Nov. 1783 wurde auch Neuyork, der letzte von den Engländern besetzt gehaltene Punkt, geräumt, und 23. Dez. konnte Washington dem Kongreß seinen Rücktritt von dem Amt eines Oberbefehlshabers anzeigen. Der junge Freistaat befand sich jedoch in einer nichts weniger als beneidenswerten Lage. Die sehr bedeutende Kriegsschuld und die Notwendigkeit größerer Anstrengungen, um den ganz daniederliegenden Wohlstand zu heben, gegenüber einem vollständigen Mangel an Kredit, zwang die Staaten, eine Befestigung des schwachen Centralverbandes herbeizuführen, den man provisorisch mit den Konföderationsartikeln (s. d.) begründet hatte. Ein Konvent mehrerer Staaten, welcher Sept. 1786 in Annapolis tagte, schlug dem Kongreß die Berufung eines Konvents zur Beratung einer Verfassung vor, und wirklich trat, nach-^[folgende Seite]