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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Verkupfern - Verlagsanstalt für Kunst und Wissenschaft
Partei gegenüber, welche den Termin versäumte.
Die auf Grund mündlicher Verhandlung ergehen-
den Beschlüsse des Gerichts müssen verkündet wer-
den. Nicht verkündete Beschlüsse und nicht verkün-
dete Verfügungen des Vorsitzenden, eines beauf-
tragten oder ersuchten Richters sind den Parteien
von Amts wegen zuzustellen (ß. 294). Vgl. auch
Osterr. Civilprozeßordn. §§. 414 u. 415,420 u. 427.
- Nach §. 85 der Deutschen Strafprozeßordnung
werden Entscheidungen, welche in Anwesenheit der
davon Betroffenen ergehen, denselben durch V. be-
kannt gemacht und auf Verlangen eine Abschrift er-
teilt. Bei andern Entscheidungen erfolgt Bekannt-
machung durch Zustellung. In der Hauptverhand-
lung erfolgt die V. des lirteils durch Verlesung der
Urteilsformcl und Eröffnung der Urteilsgründe am
Schlüsse derVerhandlung oder spätestens mitAblauf
einerWochenach diesem Schlüsse (§.267). InSchwur-
gerichtssachcn wird dem Angeklagten der Wahrsprucd
durch Verlesung und demnächst das Urteil des Ge-
richtshofs in der vorher bestimmten Art verkündet
<§§. 313, 315). Die V. der Urteile erfolgt in jedem
Falle öffentlich, doch kann nach dem deutschen Reichs-
gesetz vom 5. April 1888 für die V. der Gründe
oder eines Teils derselben die Öffentlichkeit aus-
geschlossen werden. (S. Öffentlichkeit und Münd-
lichteit der Rechtspflege.) Als Befonderheiten des
österr. Strafverfahrens sind hervorzuheben, daß
einem wegen ungeziemenden Benehmens entfernten
oder zur Urteilsverkündung nicht wieder erschiene-
nen Angeklagten das Urteil durch ein Mitglied des
Gerichtshofs in Gegenwart des Schriftführers ver-
kündet werden kann, und daß mit der Urteilsverkün-
dung eine Belehrung des Angeklagten über die ihm
zustehenden Rechtsmittel verbunden wird (Osterr.
Strafprozehordn. §§. 234, 268, 269, 340).
Verkupfern, das überziehen von Metallflächen
mit Kupfer' es geschieht, wenn man z. B. bis zum
beginnenden Weißglühcn erhitztes Eisen in geschmol-
zenes Kupfer taucht; noch leichter verkupfert sich erst
mit Zink überzogenes Eisen. Will man auf nassem
Wege verkupfern, so mischt man zu konzentrierter
Kupfervitriollösung konzentrierte Schwefelsäure,
taucht in diese Flüssigkeit den Stahl- oder Eisen-
gegenstand, nimmt ihn sofort wieder heraus, spült
ihn ab und trocknet ihn mit geschlämmter Kreide.
Diese Art des V. dient als Vorarbeit für das Ver-
golden und Verzieren durch Ansieden. Zink ver-
tupfert man, indem man es erst mit einem Gemisch
von verdünnter Schwefel- und Salpetersäure ab-
beizt und dann in einem Bade aus 12 Teilen Wein-
stein, 1 Teil koblensaurcm Kupferoxyd und 24 Teilen
Wasier auf 75" erhitzt, dann herausnimmt, wäscht
und trocknet. Znm V. von Messing erhitzt man das-
selbe an der Luft, bis es braun wird, kühlt in (5hlor-
zinilösung ab, spült ab und kocht es in kupferhal-
tiger Chlorzinklösung und berührt es dabei mit
einem Zinkblech, worauf das Messing herausgenom-
men, gespült, gebürstet und getrocknet wird.
Zur galvanischen Verkupferung dient eine
Auflösung von Kupferoxyd in Eyankalium. Nach
der von F. Weil in Paris eingeführten Methode
der galvanifchen Verkupfcrung von Gußeisen, Stahl
oder Schmiedeeisen verwendet man als Zersetzungs-
slüssigkeit eine Lösung von 350 ^ Kupfervitriol,
1500 8 Seignettesalz, 400-500 8 Ätznatron in 20 1
Wasser gelöst. Nach Oudrys Verfahren des V. von
Eisen, das in Paris zum V. der großen Brunnen
auf dem Concordienplatze Anwendung gefnnden
hat, schlägt man das Kupfer nicht unmittelbar auf
das Eisen nieder, sondern überzieht dieses zunächst
mit einer für Wasser und saure Flüssigkeiten un-
durchdringlichen Hülle und macht diese sodann dureb
Einreiben von Graphit leitend und schlägt bicrauf
das Kupfer in der Dicke von 2,2 mm nieder. Ist die
ausgefällte Kupferschicht sehr dick, so wird deren
Oberfläche meist etwas knollig und muß daher noel>
mit der Feile etwas abgeglichen werden.
V. nennt man auch das Beschlagen des Rumpfes
der hölzernen Seeschiffe mit Kupferblech, um das
Ansetzen von Tang und Muscheln und das Ein-
dringen der Bohrmnschel zu verhüten.
Verkürzung, in den zeichnenden Künsten die
Darstellung der Körper, die nicht nach den Verhält-
nissen der Glieder an sich, sondern nach deren per-
spektivischer Ansicht auf einem bestimmten Stand-
punkte entworfen wird. (3. Perspektive.) - Nbcr
V. derGlä n b iger s. Anfechtung.
Verlag, im Bergrecht die Auslagen für den
Grubenbetrieb. Erst nach ihrer Wiedererstattung
wird der Bergbau gewinnbringend, wird die Ver-
lagszeche, wenn sie ferner Überschuß gewährt, eine
Ausbeutezeche. - Über V. im Buchhandel s. Ver-
lagsbuchhandel.
^ Verlags-Anstalt,Deutsche (vormalsEduard
Hallberger), Verlagsbuchhandlung mit techni-
schen Zweigen in Stnttgart, eine Aktiengesellschaft,
gebildet 1881 aus dem Geschäft von Eduard Hall-
berger (f. .hallberger, Louis) dafelbst, dessen Zeit-
schriften "Über Land und Meer" (s. d.), "Illustrierte
Welt", "Deutfche Romanbibliothek", nebst den illu-
strierten Prachtwerken und der Belletristik (in Werken
von Ebers, Fr. Bischer, Graf Schack, W. Jordan,
Ossip Schubin, Erhard, Voß, Samarow, Hackländer,
V. Hopfen, Otto Müller, Anton von Perfall u. v. a.)
noch jetzt die Hauptumernehmungen der Firma bil-
den. Dazu kamen: "Aus fremdenZungen" (1891 fg.),
die Monatsschrift "Deutsche Revue" (hg. von N. Flei-
scher, 1894 fg.), Luegers "Lexikon der gefamten Tech-
nik und ihrer Hilfswissenschaften" (1895 fg.), ver-
fchiedene Bismarck-Vero'ffentlichungen, der Iugend-
schriftcnverlag von K. Thienemann in Stuttgart
(1895 erworben) u. a. Die technischen Zweige um-
fassen Buchdruckerci, Buchbinderei, Xylographische
Anstalt, Galvanoplastik, Stereotypie mit mehr als
100 Maschinen und 500 beschäftigten Personen, ser-
ner Papierfabriken in Salach, Süßen und Wildbad
mit mehr als 300 beschäftigten Perfonen. An Wohl-
thätigkeitsanstalten sind vorhanden: die .hallber-
gersche Hallsstiftung (40 000 M.), der allgemeine Un-
terstützungs- und Pensionsfonds (250000 M.) und
NnterstützungskassenderPapierfabriken(16000M.j.
Das Aktienkapital beträgt 3 Mill. M.; die Dividende
war 1891-96: 14, 1<12, 10, 9, 8^ Proz. Einc
Filiale besteht in Leipzig.
Verlagsanstalt fürKunst und Wissenschaft
(vormals Friedrich Bruckmann), seit Okt. 1896
abgekürzt "Verlagsanstalt F. Bruckmann A.-G." in
München, gegründet 1858 in Frankfurt a. M. von
F ried r. Brück in a n n (geb. 4. Juni 1814), wurde
1861 nach Stuttgart, 1863 nach München verlegt und
ist seit 1883 im Besitz einer Aktiengesellschaft. Der
Verlag wurde rasch berühmt durch seine kunstvollen
Reproduktionen (in Photographie und andern Ver-
fahren) von W. von Kaulbachs "Frauengestalten
aus Goethes Werken" (21 Kartons), denen die
"Schiller-Galerie", die "Fritz-Neuter-Galerie", die
"Shakespeare-Galerie" u. a. folgten. Umfangreiche