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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Versäumnisurteil - Verschwender
Partei von der Prozeßhandlung ausgeschlossen wird.
(S. Versäumnisurteil.)
VersäumnisurteilundVerfäumnisverfah-
ren. Das Versäunmisverfahren tritt ein infolge
totaler Versäumnis. Wenn der Kläger den Termin
zur mündlichen Verhandlung versäumt, so ist auf
Antrag des Beklagten das Versäumnisurteil dahin
zu erlassen, daß der Kläger mit der Klage abzuweisen
sei, indem angenommen wird, daß Kläger auf den
Anspruch verzichte. Beantragt gegen den Beklagten,
welcher den Termin versäumt, der Kläger das Ver-
säumnisurteil, so gilt das thatsächliche mündliche
Vorbringen des Klägers als zugestanden und, so-
weit dasselbe den Klagantrag rechtfertigt, ist nach
dem Antrage zu erkennen, während, soweit dies nicht
der Fall, die Klage abzuweisen ist. Der Antrag auf
Versäumnisurteil ist zurückzuweisen, wenn es an:
Nackweise eines von Amts wegen zu beachtenden
Umstandes mangelt, wenn die säumige Partei nicht
ordnungsmäßig, insbesondere nicht rechtzeitig ge-
laden war, oder ihr ein thatsächliches mündlichem
Vorbringen oder ein Antrag nicht rechtzeitig mittels
Schriftsatzes mitgeteilt war. Gegen das Versäumnis
urteil findet der Einspruch (s. d.) statt. Ein ent-
sprechendes Verfahren tritt im Rechtsmittelverfahren
(Berufung und Revision) ein, wenn der, welcher da5
Rechtsmittel eingelegt hat, oder sein Gegner in der
mündlichen Verhandlung ausbleibt oder nicht ver-
handelt und der Gegner das Versäumuisurteil bean-
tragt lCivilprozeßordn. §§. 295 fg., 504, 520).
Nach der Österr. Civilprozeßordnung vom 1. Aug.
1895, §. 396, hat die Versäumung der ersten Tag-
satzung die Folge, daß das bezügliche Vorbringen der
Gegenpartei soweit für wabr erachtet wird, als es
nickt durch die vorliegenden Beweise widerlegt wird.
Auf dieser Grundlage ist das Versäumnisurteil von
dem Vorsitzenden oder dem betrauten Richter auf An-
trag der erschienenen Partei zu fällen.
Versbau, s. Metrik. ftcioiti.
Vsrs dianos (frz., spr. währ blang), s. Vei^i
Verfchaffelt, Pierre Antoine, in Rom Pietro
Fiamingo genannt, vläm. Bildhauer und Bau-
meister, geb. 1710 zu Gent, gest. 1793 zu Maunheim,
studierte in Paris hei Bouchardon, ging 1737 nach
Rom, wo er neben Büsten den Erzengel Michael auf
der Engelsburg in Bronze (1740) fertigte, wofür
er vom Papst zum Ritter eruannt wurde. Er wurde
Direktor der Akademie zu Mannheim, wo er da5
Zeughaus, deu Hochaltar der Hofkirche baute und die-
sen wie den Garten zu Schwetzingen mit zahlreichen
Statuen schmückte. V. gehört der feinen klassicisti-
schen Richtung der Nokokoplastik an und ist iuner-
halb dieser einer der tüchtigsten Meister.
Verschalten, im Seewesen, s. Schalken.
Verschanztes Lager, befestigtes Lager,
die Gesamtheit der zur längern Unterbringung grö-
ßerer Truppeumassen bestimmten, gegen feindliche
Angriffe durch Befestigungen geschützten Räumlich-
keiten. Früher waren V. L. die befestigten Winter-
lager, später wurden sie festen Plätzen durch per-
manente Anlagen angegliedert (Belfort vor 1870),
neuerdings nennt man V. ^. auch die großen Lager-
fcstungen (s. Festungen).
Verschanznng des Schiffs, s. Rehling.
Verfchiedenzeher, s. Käfer.
Verschlag, s. Erkältung und Rehe.
Verschleifung, in der Metrik, s. Auflösung.
Ve^schleimung oder Schleim sucht l^olv-
d^nnia), ein chronischer Krankheitszustand der
BrockhauZ' Kouversations-Lexikon. 14. Aufl.. XVI.
Schleimhaut (besonders der des Vcrdauungsappa-
rats) oder gleichzeitig mehrerer Schleimhäute, dessen
Hauptsymptom in reichlicher Absonderung eines
dicken Schleims besteht. Die ältere Medizin sprach
auch von einem Schleimsieber ls. d.). Über die Be-
handlung der V. s. Katarrh.
Verschleiß, soviel wie Warenverkauf; ver-
schleißen, im Kleinhandel vertreiben.
Verschlucken, s. Kehlkopf und Schlingen.
Verschluß, s. Handfeuerwaffen und Geschütz. -
Über V. im Warenverkehr s. Warenverschluß.
Verschlußlaute, s. Laut.
Verschneiden des Weins, Coupage, das
Mischen verschiedener Weinsorten, um dieselben
mundgerecht zu machen; auch nennt man V. das
Versetzen von leichten Weinen mit Spiritus. Das
V. mit Spiritus geschieht stets bei Portwein, Sherry
und Marsala und gilt nicht als Verfälschung. --
Vgl. a Prato, Der Weinverschnitt oder die Coupage
der Weine (Wien 1896).
Verschneidung, s. Kastration.
Verschollener, derjenige Abwesende, dessen
Aufenthaltsort feit langem unbekannt ist und von
welchem es wegen des Mangels an Nachrichten
zweifelhaft ist, ob er noch lebt. iS. Todeserklärung.)
Verschollenheit des Schiffs, Seeverschol-
len he it. Nach Deutschem Handelsgesetzbuch von
1861, Art. 866, von 1897, §. 862, ist ein Schiff, das
eine Reise angetreten hat, als verschollen anzusehen,
wenn es innerhalb der Verschollenheitsfrist den Be-
stimmungshafen nicht erreicht hat, auch innerhalb
dieser Frist den Beteiligten keine Nachrichten über das-
selbe zugegangen sind. Die Verschollenheitsfrist be-
trägt: 1) wenn sowohl der Abgangshafen als der Be-
stimmungshafen ein europ. Hafen ist, bei Segelschiffen
fechs, bei Dampfschiffen vier Monate; 2) wenn ent-
weder nur der Abgangshafen oder nur der Bestim-
mungshafen ein nichteurop. Hafen ist, falls derfelbe
diesfeit des Vorgebirges der Guten Hoffnuug und
des Kap Hoorn belegen ist, bei Segel- und Dampf-
schiffen neun Monate, falls derselbe jenseit des
einen jener Vorgebirge belegen ist, bei Segel- und
Dampfschiffen zwölf Monate; 3) wenn sowohl der
Abgang? als der Bestimmungshafen ein nicht-
europ. Hafen ist, bei Segel- und Dampfschiffen sechs,
neun oder zwölf Monate, je nachdem die Durch-
schnittsdauer der Reise nicht über zwei, oder nicht
über drei oder mehr als drei Monate beträgt. Im
Zweifel ist die längere Frist abzuwarten. Der §.117
der allgemeinen Eeeversicherungsbedinguugen ss. d.)
stimmt hiermit völlig überein. Sehr wichtig ist die
V. für das Seeversicherungsrccht, weil sie den Ver-
sicherten berechtigt, von dem Versicherer die Zah-
lung der Versicheruugssumme zu verlaugen. (Nähe-
res s. Abandon.) Aber auch in andern Beziehuugcn
äusicrt die V. rechtliche Wirkungen. So können z. B.
nach 8. 42 der Deutschen Seemannsordnung mit
Eintritt der V. die Erben der auf dem verschollenen
Schiff befindlichen Mannschaften dieHeucransprüche
derselben geltend machen.
Verschulen, von Pflanzen, s. Pflanzkamp.
Verschwörung, s. Erulceration.
Verschwender l lat. proäi^i^), im Sinne des
Privatrcchts eine Person, welche durch Hang zu
zwecklosen und unbesonnenen Ausgaben oder durch
mutwillige Vernachlässigung ihr Vermögen der Zer-
rüttung aussetzt. Er bedarf der staatlichen Fürsorge
wie ein Geisteskranker. Gegen ihn kann daher nach
auf An-
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