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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vesta - Vesuv

e achegas (Wien 1874); d'Avezai, Les voyages de Améric Vespuce (Par. 1858); Ruge, Geschichte des Zeitalters der Entdeckungen (Berl. 1881); Winsor, History of America, Bd. 2 (Lond. 1886); G. Uzielli, Les voyages et les écrits d' Am. Vespuce (2 Bde., Flor. 1893); L. Hugues, A. V. (in der «Raccolta Colombiana», Bd. 5, Teil 2, Rom 1894).

Vesta, italische Göttin des Herdfeuers, entsprechend der griech. Hestia (s. d.). Im Hause war der Herd ihr Altar, besondere Verehrung empfing sie auch von denjenigen Handwerkern, die das Herdfeuer für ihr Gewerbe brauchen, wie namentlich von der Bäckerzunft. Der Staat pflegte ihren Kult in einem uralten, am Fuß des Palatinischen Hügels auf dem Forum gelegenen Rundtempel, der den Staatsherd vorstellte und in welchem darum ein ewig brennendes Feuer unterhalten wurde. Die Besorgung desselben lag den Priesterinnen der Göttin, den Vestalinnen (s. d.), ob; sie allein (sowie der Pontifex Maximus) durften den innersten Raum des Tempels (penus Vestae) betreten, in welchem gewisse geheimnisvolle Symbole und Unterpfänder des Staatswohls, darunter wenigstens in der Kaiserzeit das Palladium (s. d.), aufbewahrt wurden. Auch der übrige Raum des Tempels war dem Publikum nicht zugänglich, nur in den Tagen vom 7. bis 15. Juni wurde er zum Zwecke der jährlichen Reinigung geöffnet und am Hauptfeste der Göttin, den Vestalia (9. Juni), zogen die röm. Frauen mit entblößten Füßen nach dem Tempel und brachten hier Speiseopfer dar. – Vgl. Preuner, Hestia-Vesta (Tüb. 1864); Jordan, Der Tempel der V. und das Haus der Vestalinnen (Berl. 1886).

V. ist auch der Name des 4. Planetoiden.

Vestalinnen oder Vestalische Jungfrauen hießen die Priesterinnen der Vesta (s. d.), deren es anfangs angeblich nach Numas Satzung vier, dann (seit Tarquinius Priscus oder Servius Tullius) sechs gab. Gewählt wurden sie ursprünglich von dem Könige, später von dem Pontifex Maximus (Oberpriester), unter dessen väterlicher Gewalt sie auch während ihrer ganzen Amtszeit standen, und zwar gewöhnlich mittels Losung unter 20 ausgewählten Mädchen. Bedingungen der Annahme waren, daß sie nicht unter sechs und nicht über zehn Jahre alt waren, daß sie kein körperliches Gebrechen an sich hatten, und daß ihre Eltern, beide von freier Abkunft, noch lebten. Sie waren 30 J. zum Dienst verpflichtet. Nach dieser Zeit konnten sie austreten und sich verheiraten. Die älteste unter ihnen stand an ihrer Spitze. Die V. wohnten klösterlich zusammen in einem eigenen Hause, dem Atrium Vestae, welches zwischen dem Vestatempel und der Amtswohnung des Pontifex Maximus gelegen war, bis Augustus, der sich ein Haus auf dem Palatin erbaute, auch die Räume dieser letztern Wohnung den V. abtrat. Ihre Pflichten bestanden bei strenger Bewahrung der Keuschheit vor allem in Erhaltung des heiligen Feuers, Reinhaltung und Reinigung des Tempels mit Wasser, Herrichtung und Aufbewahrung des Speltschrots mit der Salzlake und gewisser bei Sühnungen angewandter Mittel, Verrichtung von Opfern, Bewachung der Heiligtümer. Verletzung der Keuschheit wurde mit Lebendigbegraben auf dem Campus Sceleratus, das Verlöschen des heiligen Feuers mit Geißelhieben bestraft. Der Entehrer einer Vestalin wurde zu Tode gepeitscht. Die V. genossen bedeutende Ehrenrechte. Wenn sie ausgingen, schritt ein Liktor vor ihnen her; bei gewissen Gelegenheiten durften sie im Wagen fahren; auf Beleidigung ihrer Person stand Todesstrafe. Begegneten sie zufällig einem zum Tode verurteilten Verbrecher, so war dieser gerettet. Ihre Kleidung bestand in einem langen weißen Gewande, einer Stirnbinde, von welcher Bänder herabhingen, und bei Opfern einem Schleier. – Vgl. Jordan, Der Tempel der Vesta und das Haus der V. (Berl. 1886). ^[Spaltenwechsel]

Veste, s. Fort.

Vestibule train (engl., spr. wéstibjuhl trehn), s. Korridorzug.

Vestibŭlum (lat.), im altröm. Hause die Vorflur, der zum Atrium führende Eingangskorridor (s. Römische Kunst, Textfigur); daher auch in der modernen Baukunst Vestibül soviel wie Eingangshalle, Vorhalle, Vorsaal (s. Hausflur).

Vestigĭa terrent (lat.), «die Spuren (der verunglückten Vorgänger) schrecken ab», ein auf die 246. Fabel des Äsop («Fuchs und Löwe») sich beziehendes Citat aus Horaz' «Episteln» (Ⅰ, 1, 74).

Vĕstnik Jevropy, s. Europäischer Bote.

Vestris, eigentlich Vestri, aus Italien stammende Tänzerfamilie. Gaetano Apollino Baldassare V., geb. 18. April 1729 zu Florenz, trat, von Duprez ausgebildet, 1748 zum erstenmal in Paris auf, wo er bis 1781 wirkte und auch 1800 noch einmal die Bühne betrat. V. hatte, was die Anmut, Leichtigkeit und Zierlichkeit des Tanzes anbetraf, sich zu einer Stufe erhoben, die man vor ihm für unerreichbar hielt. Er starb 27. Sept. 1808. Seine Gattin und Schülerin, Anna Friederike Heinel-Vestris, geb. 28. Dez. 1752 zu Bayreuth, wurde 20. Febr. 1768 Mitglied der Großen Oper zu Paris, wo sie im Ballett durch ihre Kunstfertigkeit großes Aufsehen erregte. Sie starb 8. Jan. 1808.

Marie Auguste V. (Vestris-Allard), der Sohn des vorigen und der Tänzerin Allard, geb. 27. März 1760 in Paris, trat 18. Sept. 1772 zum erstenmal in der Oper zu Paris auf und fand rauschenden Beifall, der ihm bis zu der Zeit verblieb, wo Duport neben ihm thätig war. Er ist der Erfinder der Pirouetten. Er starb 6. Dez. 1842 zu Paris.

Ausgezeichnet war auch Françoise Rose Gourgaud, geb. 7. April 1743 zu Marseille und mit Angiolo V. (geb. im Nov. 1730 zu Florenz, gest. 10. Juni 1809 zu Paris), einem Bruder von Gaetano, einem untergeordneten Tänzer, vermählt. Im J. 1768–1803 war sie Schauspielerin am Théâtre français. Sie starb 5. Okt. 1804 zu Paris.

Vestry (engl.), s. Parish und Anglikanische Kirche.

Vesūv, ital. Monte-Vesuvio, der einzige noch thätige Vulkan des europ. Festlandes, erhebt sich isoliert am Golf von Neapel in der Ebene Campaniens (s. Karte: Neapel und Umgebung). Seine fast kreisrunde Basis hat 16 km Durchmesser. Der jetzt 1301 m hohe Eruptionskegel raucht beständig. Von ihm durch die Schlucht des Atrio del Cavallo getrennt, erhebt sich auf der Nordseite der Monte-Somma, ein schroffer, halbkreisförmiger Wall, Rest eines großen vorhistor. Kraters, in der nördl. Punta Nasone bis zu 1137 m. Auf einem Vorsprung desselben liegt das Observatorium, versehen mit ausgezeichneten Instrumenten. Jener Eruptionskegel entstand 79 n. Chr. und blieb bis jetzt Sitz der Eruptionen, die entweder durch Seitenspalten oder aus den Gipfelkratern stattfanden. Er ragt 462 m über das Atrio hinaus, bedeckt eine Fläche von 2800 m Durchmesser, ist mit Asche und kleinen Bimssteinen bedeckt und hat im