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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Vianden; Vianna do Castello; Viardot-Garcia; Viareggio; Viassolo; Viatikum; Viaud

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Vianden - Viaud

50 m Länge, zu einem kleinen Kessel erweitert. Die Straße, meist durch Sprengung dem Fels abgewonnen, stellenweise durch Galerien und Felsdurchbrüche vor Lawinen und Steinschlägen geschützt, wechselt dreimal das Ufer. Bei der dritten Brücke (885 m ü. d. M., 7 km von Thusis) endet die V. Der Engpaß öffnet sich zu dem freundlichen Wiesengrunde des Schamser Thals (Vallis sex amnes), das sich 7 km lang zwischen den Massiven des Piz Curver (2975 m) in den Piz Beverin (3000 m) südlich bis zur Rofna erstreckt. Hauptort ist Andeer-Splügen (979 m) mit 581 E., gipshaltiger Eisenquelle und der Ruine Bärenburg, unweit welcher sich nördlich das Thal von Ferrera (s. d.) mit dem Avers öffnet. Aus dem Schams steigt die Straße bei der Mündung des Averser-Rheins durch die Felsschlucht Rofna oder Rofla, in welcher der Fluß mehrere Fälle bildet, zu der obersten Thalstufe, dem Rheinwald, hinauf und teilt sich bei dem Dorfe Splügen in die Splügen- und die Bernhardinstraße. Von Thusis bis Splügen beträgt die Länge der Straße 26 km.

Vianden, Stadt und Kantonshauptort im Distrikt Diekirch des Großherzogtums Luxemburg, an der Our, in 239 m Höhe, in wildromantischer Gegend, an der Nebenlinie Diekirch-V. (13,7 km) der Luxemb. Kanton-Eisenbahn, bat (1890) 1422 E., Post, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, Reste der ehemaligen kreisförmigen Ringmauer, großartige, den Ort überragende Trümmer eines Schlosses der Grafen von V., spätern Grafen von Nassau-Oranien-Vianden, mit 1849 wiederhergestellter Schlosskapelle; bedeutende Lederfabrikation und Jahrmärkte. - Vgl. König, Beiträge zur Geschichte der Stadt V. (Köln 1895).

Vianna do Castello. 1) Der nördlichste Distrikt Portugals in der Provinz Minbo, zwischen den span. Provinzen Pontevedra im N. und Orense im O., dem Distrikt Braga im S. und dem Atlantiscken Ocean im W., ist mit Ausnahme des linken Minhoufers und des Limathals ziemlich gebirgig und hat auf 2243 qkm (1890) 210787 E., also 94 auf 1 qkm. -

2) Hauptstadt des Distrikts V. d. C., rechts an der breiten Mündung des Limia oder Lima, über den eine lange Holzbrücke führt, an der Eisenbahnlinie Oporto-Valença do Minho, hat (1890) 9682 E.; Fisckfang, Küstenhandel und das starke Fort Castello de Santiago.

Viardot-Garcia (spr. wiardoh), Michelle Pauline, Sängerin, Tochter von Manuel Garcia (s. d.), geb. 18. Juli 1821 zu Paris, lebte mit ihren Eltern bis 1828 in England, den Vereinigten Staaten und Meriko. Nachdem die Familie nach Paris zurückgekehrt war, erhielt Pauline erst von Meysenberg, dann von Liszt Klavierunterricht und trat in den Konzerten ihrer Schwester Malibran (s. d.) als Pianistin auf. Nach dem Tode ihres Vaters (1832) lebte sie mit ihrer Mutter in Brüssel. Inzwischen hatte sich ihr Gesangstalent entfaltet, sie betrat 1839 in London die Bühne der Italienischen Oper und sang 1840 mit großem Erfolge in Paris ebenfalls an der Italienischen Oper. Auf Kunstreisen iu Italien, Spanien, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und Rußland feierte sie sodann als Sängerin außerordentliche Triumphe. Später zog sie sich von der Bühne zurück und lebt seit 1871 abwechselnd in Paris, Berlin und Baden-Baden, hauptsächlich als Gesanglehrerin thätig. Sie besaß einen sehr schönen, vorzüglich gebildeten Mezzosopran. Dabei waren ihr feiner musikalischer Sinn, reiche Ausdrucksfähigkeit und glückliche Darstellungsgabe eigen. Auch als Komponistin von Liedern, Operetten hat sie sich bethätigt. Ihrer 1840 mit dem Historiker und Kunstschriftsteller Louis Viardot geschlossenen Ehe entstammen vier Kinder, von denen Louise Héritte als Komponistin, Frau Chamerot-Viardot und Marianne als Konzertsängerinnen, Paul als Violinist bekannt geworden sind.

Ihr Gatte (geb. 31. Juli 1800 zu Dijon, gest. 5. Mai 1883 in Paris) war seit 1839 Direktor des Italienischen Theaters in Paris, gab aber diese Stellung auf, um seine Gattin auf ihren Kunstreisen zu begleiten. Er schrieb: "Histoire des Arabes et des Maures d'Espagne" (2 Bde., Par. 1851), "Des origines traditionelles de la peinture moderne en Italie" (1840), "Les musées de France" (1855), "Espagne et beaux-arts" (1866), "Merveilles de la peinture" (2 Bde., 1868-69).

Viareggio (spr. -reddscho), Hafenstadt in der ital. Provinz und im Kreis Lucca in Toscana, am Ligurischen Meer, an den Eisenbahnen Genua-Pisa und V.-Lucca (23 km), hat (1881) 10190, als Gemeinde 12735 E., Hauptzollamt, weit ins Meer reichenden Molo mit Leuchtturm und sehr besuchte Seebäder. Dem 1822 in der Nähe ertrunkenen Dichter Shelley wurde 1892 ein Denkmal von Urbano Lucchesi errichtet.

Viassolo, Giovanni Battista, nach andern Ogeri, ital. Lustspieldichter, geb. 9. April 1749 zu Poggiolo di Garessio (Provinz Cuneo), wurde 1784 Richter zu Govon bei Asti, dann in Moncalieri. Aus Liebe zu einer Schauspielerin, Camilla Nicci, gab er seine Stelle auf und schloß sich einer Schauspielergesellschaft an. Deshalb von seinen Eltern verstoßen, nannte er sich nun Camillo Federici (aus fedele alla Ricci). Er starb 23. Dez. 1802 zu Turin. Unter seinen Theaterstücken sind "L'avviso ai mariti", "Lo scultore e il cieco" und "Enrico IV al passo della Marna" die vorzüglichsten. Das Lustspiel "La bugia vive poco" kam 1798 als "Gleiches mit Gleichem" durch Vogel auf die Berliner Bühne. Seine "Opere teatrali" erschienen Padua 1802-16 (14 Bde.), Florenz 1826 (26 Bde.), Venedig 1828 (23 Bde.) u. ö.

Viatikum (vom lat. via, d. i. Weg oder Reise), das Geld, das jemand zur Reise erhält, Reisegeld, Zehrpfennig, Almosen; in der kath. Kirche auch die Kommunion, welche einem Sterbenden gegeben wird (s. Ölung, letzte).

Viaud (spr. wioh), Julien, franz. Schriftsteller, geb. 14. Jan. 1850 zu Rochefort (Charente-Inférieure), trat 1867 in die franz. Marine, machte den Feldzug in Tongking mit, veröffentlichte unter dem Namen Pierre Loti eigentümliche Liebesgeschichten, deren Schauplatz sich über die gauze Welt erstreckt. Eine düstere Stimmung sowie übertriebene Zierlichkeit in der Form lassen ihn den Dichtern der Décadence verwandt erscheinen. 1891 wurde er Mitglied der Akademie. Er schrieb: "Aziyadé" (1877), "Rarahu" (1880; neu gedruckt 1882 als "Mariage de Loti, "Le roman d'un spahi" (1881), "Pêcheurs d'Islande" (1886; ins Deutsche übersetzt von Königin Elisabeth von Rumänien, 3. Aufl., Bonn 1890), "Madame Chrysanthème" (1887), "Japoneries d'automne" (1889), "Au Maroc" (1890), "Fantôme d'Orient" (1892), "L'exilée" (1893), "Le désert" (1895), "Jérusalem" (1895), "La Galilée" (1895), "Pages choisies" (1896), "Les trois dames de la Kasbah" (1896), "Ramuntcha" (1897).