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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Viehbohne - Viehseuchen
Viehbshne, s. Bohne.
Viehbremse ('!adaini8), eine Gattung der
Bremsen (s. d.), deren große, dunkel, zum Teil gelb
gefärbte Arten Rinder und Pferde stechen.
Vieheinfuhrverbote, s. Bd. 17.
Viehhandel, s. Viehzucht.
Viehleihe, s. Viehverstellung.
Viehoff, Heim., Literarhistoriker, geb. 28. April
1804 zu Büttgen bei Neuß, widmete sich in Bonn
philol., mathem. und naturwissenschaftlichen Studien,
wurde 1828 Lehrer am Progymnasium zu ürdingen,
war 1828-33 Erzieher in einer gräfl. Familie, dann
Gymnasiallehrer in Emmerich bis 1838, hierauf
erster Oberlehrer an der Realschule zu Düsseldorf,
bis er 1850 die Direktion der Realschule und der
Provinzialgewerbeschule zu Trier übernahm. Im
Frühjahr 1850 gehörte er als Abgeordneter dem
Ünionsparlament zu Erfurt an. 1875 ward er auf
seinen Antrag in Ruhestand versetzt. Er starb 5. Aug.
1886 zu Trier. V.s Ruf als Literarhistoriker grün-
det sich vorzugsweise auf seine 'Arbeiten über Schiller
und Goethe. Die bedeutendsten sind: "Goethes
Leben und Werke" (5. Aufl., 2 Bde., Stuttg. 1887),
"Schillers Leben" (2. Aufl., 3 Bde., ebd. 1888),
"Goethes Gedichte erläutert u. s. w." (3. Aufl. in
2 Bdn., ebd. 1874), "Schillers Gedichte erläutert
u. s. w." (6. Aufl. in 3 Bdn., ebd. 1887). Ferner
sind hervorzuheben seme "Vorschule der Dichtkunst"
(Braunschw. 1860) und das ".Handbuch der deutschen
Nationallitteratur" (16. Aufl. in 3 Bdn., ebd. 1881
-82). An metrischen Übersetzungen veröffentlichte
V. eine "Gesamtübertragung von Racines Werken"
(neue Aufl., 4Vde., Berl. 1869), drei Stücke Molieres
in der Larschen Gesamtübersetzung, elf Stücke Shake-
speares in der sog. Dingelstedtschen Gesamtüber-
setzung (Lpz. 1867 fg.), die sämtlichen Dramen des
Sophokles (ebd. 1867 fg.), Tegners "Frithjofsfage"
und Walter Scotts "Fräuleiu vom See" (beide
.hildburgh. 1865), Longfellows "Evangeline" (halle
1887), des Ausomus "Mosella" (neueAusg., Trier
1885) u. a. An eigenen Dichtungen erschienen von
ihm "Odysseus und Nausikaa. Trauerspiel in 5 Auf-
zügen von Goethe. Ein Ergänzungsversuch" (Düsseld.
1842), "Zeitgedichte" (Berl. 1870). In den I. 1843
-44 gab er ein "Archiv für den deutschen Unter-
richt" heraus und erweiterte dies 1845 mit Ludw.
.herrig zu dem "Archiv für das Studium neuerer
Sprachen und Litteraturen" (Brauusckweig), dessen
Leitung bald Herrig allein übernahm.
Viehpacht, s. Viehverstellung.
Viehpest, s. Rinderpest.
Viehfalz, s. Denaturierung.
Viehseuchen, epidemisch auftretende Krankheiten
der.Haustiere, wie Rinderpest, Maul- und Klauen-
seuche, Lungenseuche, Pocken, Räude, Beschälseuche,
Milzbrand, Hundswut, Rotzkrankheit (s. diese Artikel),
zu deren Abwehr und Bekämpfung in den meisten
europ. Staaten Gesetze und Verordnungen erlassen
sind. Die erste Veranlassung zu energischen Maß-
regeln gegen die V. gaben in Deutschland die furcht-
baren Verheerungen, welche die Rinderpest um die
Mitte des 18. Jahrh, anrichtete. Das erste um-
fassende Gesetz war das preuß. Viehsterbepatent vom
2. April 1803; von den deutschen Mittelstaaten folg-
ten Baden und Bayern 1865-67. Der Norddeutsche
Bund hat auf Grund der ihm durch Art. 4, Ziff. 15
der Verfassung erteilten Befugnis das Gesetz vom
7. April 1869 gegen die Rinderpest erlassen, welches
später auf Süddeutschland ausgedebnt wurde. In
Ergänzung desselben ergingen die Reichsgesetze vom
21. Mai 1878 (Strafbestimmungen) und vom
25. Febr. 1876 (über Verpflichtungen der Eisen-
bahnen zur Beseitigung von Anstecküngsstoffen bei
Viehbeförderungen) und schließlich das Gesetz vom
23. Juni 1880, betreffend die Abwehr und Unter-
drückung von V. (mit Ausnahme der Rinderpest),
abgeändert und neu gefaßt durch Gesetz vom 1. Mal
1894. Die Anordnung der in diesen Gesetzen vor-
gesehenen Sicherheitsmaßregeln und die Leitung
des Verfahrens liegt den Landesbehörden ob. Der
Reichskanzler hat aber die Ausführung der Gefetze
zu überwachen und, wenn diese Maßregeln sich auf
mehrere Vundesstaaten erstrecken müssen, selbst oder
durch einen von ihm bestellten Reichskommissar für
Herstellung und Erhaltung ihrer Gleichmäßigkeit zu
sorgen; bei der Rinderpest kann er auch ohne diese
Voraussetzung selbst oder durch einen Kommissar
die Behörden der beteiligten Vundesstaaten mit An-
weisungen versehen. Die vorgesehenen Mahregeln
betreffen entweder die Verhinderung der Einschlcp-
pung oder der Verbreitung der Seuche. Es ist daher
die Einfuhr seuchenkranker Tiere verboten und be-
stimmt, daß, wenn eine Seuche im Auslande in be-
drohlicher Weise herrscht, die Einfuhr lebender und-
toter Tiere und giftfangender Sachen untersagt odeu
beschränkt und Viehstand und Verkehr überhaupt in.
den Grenzbezirken einer besondern Kontrolle unter-
worfen werden darf. Zu den Vorschriften der zwei-
ten Art gehören besonders Anzeigepflicht, amtliche
Ermittelungen und weitgehende Veschränkungsrechte
der Polizei. Bei der Rinderpest ist jeder, bei einer
Anzahl anderer im Gesetz von 1880 genannten V.
sind Tierbesitzer oder deren Vertreter, Ausüber dev
Tierheilkunde, Fleischbeschauer und Verarbeiter der
Kadaver verpflichtet, jeden in Erfahrung gebrachten
Seuchenfall sofort anzuzeigen. Sobald die Polizei-
behörde vom Ausbruch Kenntnis erhält, ist sie ver-
pflichtet, den Tierarzt zuzuziehen und nach dessen
Gutachten Anordnung zu treffen. Ist das Vor-
bandensein der Seuche festgestellt, so kann die Polizei-
behörde anordnen: Absonderung, Bewachung und
polizeiliche Beobachtung, Beschränkungen in Be-
nutzung, Vermerkung und Transport seuchenkranker
und verdächtiger Tiere, Verbote des gemeinschaft-
lichen Weidegangs und Verkehrs mit solchen Tie-
ren, Statt-, Gehöfts-, Weide-, Orts-, Feldmarken-
fperren gegen den Verkehr mit Tieren und den An-
stcckungsstoff übertragenden Sachen, Impfungen
gefährdeter, tierärztliche Behandlung ertränkter
Tiere, Beschränkungen in der Vornahme von heil-
versuchen, Tötung seuchenkranker und verdächtiger
Tiere, unschädliche Beseitigung der Kadaver, Des-
infektionen, Einstellung von Vieh- und Pferde-
märkten, tierärztliche Untersuchung aller von der
Seuche gefährdeten Tiere. Am weitesten gehen die
Eingrifssrechte bei der Rinderpest; hier kann der
ganze Verkehr mit der Umgebung und für ganze
Bezirke gesperrt, und selbst gesunde Tiere können
getötet werden, wenn dies notwendig erscheint. Für
die auf Anordnung der Polizei getöteten und nach
dieser Anordnung an der Seuche gefallenen Tiere
wird, von einigen gesetzlichen Ausnahmen abgesehen,
dem Eigentümer Entschädigung gewährt, bei Rinder-
pest aus der Reichskasse, sonst aus nach Landeo-
gesetzen (in Preußen von 1881, 1892 und 1897) be-
stimmten Fonds.
Schließlich enthalten die Gesetze noch einige all-
gemeine Präventivmaßregeln gegen V., die ohne