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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Villaviciosa - Villehardouin

Kriegsrates, 1718 zum Staatsminister ernannt. Im Polnischen Thronfolgekriege schickte Ludwig XV. 1733 den 80jährigen V. an der Spitze eines Heers nach Italien, wo er im Verein mit dem König von Sardinien das Mailändische und das Herzogtum Mantua eroberte. Mit seinem Waffengefährten unzufrieden und erschöpft, forderte er indessen seine Rückberufung. Er erkrankte auf der Reise nach Frankreich und starb 17. Juni 1734 zu Turin. Von seinen "Memoires" (3 Bde., Haag 1734-58; neu hg. von Vogüé, 5 Bde., Par. 1884-93) ist nur wenig aus seiner Feder geflossen. - Vgl. Anquetil, Vie du maréchal de V. (4 Bde., Par. 1784); Vogüé, V. d'après sa correspondance (ebd. 1888).

Villaviciosa (spr. willja-), Orte in Spanien. 1) V. de Guadalajara, Ort im Bezirk Brihuega der Provinz Guadalajara, hat (1887) 165 E.; bekannt durch den Sieg der Franzosen unter Vendôme über die Verbündeten unter Starhemberg 10. Dez. 1710. - 2) V. de Cordoba, Stadt in der Provinz und im Bezirk Cordoba, rechts vom Guadiato, der rechts zum Guadalquivir geht, am Südostfuß der Sierra de los Santos, nordwestlich von Cordoba, hat (1887) 4007 E. und viel Weinbau. - 3) V. de Odon, Ort im Bezirk Navalcarnero der Provinz Madrid, links vom Rio de Guadarrama, nördlich der Station V. der Schmalspurbahn Madrid-Villa del Prado, hat (1887) 1588 E., ein interessantes, früher dem Grafen Chinchon gehöriges Schloß, ein Franziskanerkloster und starken Obsthandel. - 4) V. de Oviedo, Bezirks- und Hafenstadt der Provinz Oviedo, rechts am Linares und an der 9 km langen Ria (Bucht) de V., im NO. von Oviedo, am Cantabrischen Meer, hat (1887) 21 037 E., Steinkohlengruben, Obstbau, Ciderbereitung.

Villa Viçosa (spr. wißō-, Orden Unserer Lieben Frau der Empfängnis von V. V.), portug. Orden, vom König Johann VI. 6. Febr. 1818 gestiftet und 10. Sept. 1819 mit Statuten versehen, ursprünglich für 12 Großkreuze, 40 Commandeure, 100 Ritter und 60 Dienende bestimmt. Ordenszeichen ist ein neunstrahliger, weiß emaillierter goldbordierter Stern mit neun kleinen weißen Sternen zwischen den Strahlen, auf goldener Strahlenunterlage. Auf dem runden mattgoldenen Mittelschild steht innerhalb blauen Bandes mit der Umschrift: Padroeia do Reino ("Patronin des Königreichs") ein den engl. Gruß (Ave Maria) darstellendes Monogramm. Der Stern hängt an goldener Königskrone und wird an hellblauem, weiß gerändertem Bande getragen.

Villa Viçosa (spr. wißō-), Stadt im NO. des portug. Distrikts Evora in Alemtejo, am Nordostfuß der Serra d'Ossa, ist gut gebaut und hat (1890) 3791 E., ein altes Kastell, einen Palast (früher Residenz der Herzöge von Braganca) nebst großem Garten; Handel mit Wein und Öl.

Ville (frz., spr. wil), Stadt.

Ville, an Braunkohlen reicher Landrücken im preuß. Reg.-Bez. Köln, schließt sich im SO. von Meckenheim an die Eifel an, begleitet in nordwestl. Richtung das rechte Ufer der Erft, zieht bis Grevenbroich und erreicht 188 m Höhe.

Ville d'Avray (spr. wil dawräh), westl. Vorort von Paris im Arrondissement Versailles des franz. Depart. Seine-et-Oise, westlich von Sevres, reizend am Südende des Parkes von St. Cloud gelegen, an der Eisenbahn Paris (rive droite)-Versailles, hat (1896) 1511 E.

Villefranche (pr. wil'frángsch), häufiger Ortsname in Frankreich, darunter: 1) V. de Lauragais, Arrondissement im O. des Depart. Haute-Garonne in Languedoc, hat auf 936,93 qkm (1896) 47 456 E., 6 Kantone und 93 Gemeinden. - 2) Hauptstadt des Arrondissements V. de Lauragais, am L'Hers und Südkanal sowie an der Linie Toulouse-Carcassonne der Südbahn, hat (1896) 1835, als Gemeinde 2224 E., Gerichtshof erster Instanz, Ackerbaukammer und bedeutenden Getreidehandel. - 3) V. de Rouergue, Arrondissement im W. des Depart. Aveyron in Guyenne, hat auf 1290,96 qkm (1896) 10 1420 E., 8 Kantone und 65 Gemeinden. - 4) Hauptstadt des Arrondissements V. de Rouergue, rechts am Aveyron (am Einfluß des Alzou), an der Linie Limoges-Toulouse der Orléansbahn, hat (1896) 5592, als Gemeinde 8426 E., Gerichtshof erster Instanz, Ackerbaukammer, Collège, Bibliothek, Kirche Notre-Dame (13. bis 16. Jahrh.), auf dem linken Ufer eine alte Kartause (jetzt Hospiz); Hüttenwerke, Glockengießerei, Mahl- und Ölmühlen, Lohgerberei und Handel mit Getreide, Leinwand, Trüffeln, Schinken, Wein und Branntwein. - 5) Villefranche-sur- Saône, Arrondissement im Depart. Rhône, hat auf 1498,43 qkm (1896) 165 729 E., 10 Kantone und 134 Gemeinden. - 6) Hauptstadt des Arrondissements Villefranche-sur-Saône, am Morgon, an der Linie Mâcon-Lyon der Mittelmeerbahn, hat (1896) 12 205, als Gemeinde 13 627 E., Gerichtshof erster Instanz, Handels- und Schiedsgericht, Gewerbe- und Ackerbaukammer, Lehrerseminar, Hospital, Sparkasse, Theater; Baumwollspinnerei, Fabrikation von Kattun und Decken, Spedition und Handel mit Getreide, Vieh und Wein von Beaujolais. - 7) Villefranche-sur-Mer, Hafenstadt bei Nizza, s. Villafranca.

Villegas (spr. willjē-), José, span. Maler, geb. 26. Aug. 1848 in Sevilla, besuchte bis zum 19. Jahre die Kunstschule daselbst, kopierte in Madrid die Meisterwerke Tizians und des Velazquez und ging 1869 nach Rom, wo er jetzt lebt. Seine Gemälde, inhaltlich meist mit einem Anflug von Tragik, ragen hervor durch Größe und brillante Farbengebung. Zu nennen sind von den Historienbildern: Columbus sucht Schutz im Kloster La Rabida, Letzte Unterredung zwischen Philipp II. und Don Juan d'Austria, Entdeckung des Verrats Carmagnolas, Verurteilung des Dogen Marino Falieri, Triumph der Dogaressa Foscari 1424 (1893); ferner von den Genrebildern: Palmsonntag in Venedig, Taufe in Sevilla, Arm und Reich (Kirchhofsscene), Der Meister ist tot (aus dem Leben des Stierkämpfers).

Villeggiatur (ital., spr. -leddscha-), Landaufenthalt zur Erholung.

Villehardouin (spr. wilardŭäng), Geoffroy de, franz. Geschichtschreiber, geb. um 1160 auf dem Schloß V. bei Bar-sur-Aube, wurde 1197 Marschall des Grafen Thibaut von der Champagne, mit dem er 1199 das Kreuz nahm und sich an dem von dem Dogen Dandolo geleiteten Unternehmen beteiligte, das mit der Erstürmung Konstantinopels und der Errichtung des Lateinischen Kaisertums endete. Als Marschall von Romanien mit Besitzungen am Hebrus belehnt (1207), rettete V. das Heer der Franken vor der Vernichtung durch die Bulgaren. Er starb 1213. Seine "Conqueste de Constantinople", das älteste franz. Geschichtswerk, berichtet über die Ereignisse des vierten Kreuzzugs von 1197-1207. Die letzte sorgfältige Ausgabe mit der Fort-^[folgende Seite]