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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vlotho – Vogel (Eduard)

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Vlissingen'

allem wichtig für die Überfahrt nach England (Queenborough), die die Gesellschaft Zeeland zweimal täglich unterhält. V. hat eine Jakobskirche (14. Jahrh.), Altertümersammlung im Rathaus, Denkmäler de Ruyters und holländ. Dichter und Dichterinnen. Kleine Dampfer vermitteln den Verkehr im Hafen nach Breskens auf dem linken Ufer und nach Terneuzen. Wichtig ist die Einfuhr von Petroleum, Hölzern, Kohlen, Eisen und Blech; die Ausfuhr von Landwirtschaftsprodukten, ferner Schiffbau und Maschinenbau, Schlächterei und Cigarrenfabrikation. V. ist Sitz eines deutschen Konsuls. – V. wurde 1585 an England verpfändet und von engl. Truppen bis 1615 besetzt gehalten. 1808 wurde V. dem franz. Kaiserreich einverleibt und 17. Aug. 1809 kapitulierte die Festung an die Engländer, welche beim Abzug im Nov. 1809 die Festungswerke und alle größern Etablissements, welche Napoleon I. angelegt hatte, demolierten.

Vlotho, Stadt im Kreis Herford des preuß. Reg.-Bez. Minden, links an der Weser, in einem von Hügeln umgebenen Thale, an der Linie Goslar-Löhne der Preuß. Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Bielefeld), hat (1895) 3975 E., darunter 374 Katholiken und 77 Israeliten, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Fernsprecheinrichtung, zwei evang., eine kath. Kirche, städtische Privatschule, Stahlquelle, Gasanstalt; zwei Zuckerraffinerien, bedeutende Fabriken für Tabak, Cigarren und Papier, Dampfsägewerk, Brauerei, Gerberei, Holzhandel, Schiffahrt, Kram- und Viehmärkte. Auf dem Gipfel des steilen Amthausberges die Ruinen des Stammschlosses der Herren von V. In der Nähe zwei Schwefelquellen, Seebruch und Senkelteich, welche zum Baden benutzt werden. Am 17. Okt. 1638 wurden bei B. die beiden Söhne des Kurfürsten Friedrich V. von der Pfalz durch den kaiserl. Feldmarschall Melchior von Hatzfeld besiegt. – Vgl. Harland, Geschichte der Herrschaft und Stadt V. (Vlotho 1888).

Vltava, czech. Name des Flusses Moldau in Böhmen.

v. Münst. oder Go. Münst., hinter der Benennung fossiler Organismen Abkürzung für Georg, Grafen zu Münster, einen deutschen Paläontologen, geb. 1776, gest. 1844 zu Bayreuth.

v. n., Abkürzung für vicario nomino (lat., d. i. als Stellvertreter).

Vocatīvus (lat.), der Casus der Anrede, des Anrufens, s. Casus.

Voce sola. (lat.), in der Musik, s. Assa voce.

Vöchting, Hermann, Botaniker, geb. 8. Febr. 1847 zu Blomberg in Lippe, beschäftigte sich praktisch mit Gärtnerei, studierte 1868–73 zu Berlin und Göttingen Naturwissenschaften und Mathematik, wurde 1877 außerord. Professor in Bonn, 1878 ord. Professor und Direktor des Botanischen Gartens in Basel, 1887 in gleicher Eigenschaft zu Tübingen. Von seinen zahlreichen Schriften sind zu erwähnen: «Beiträge zur Morphologie und Anatomie der Rhipsalideen» (Berl. 1874), «Über Organbildung im Pflanzenreich» (2 Tle., Bonn 1878 u. 1884), «Über Zygomorphie und deren Ursachen» (Berl. 1886), «Über die Bildung der Knollen» (Cass. 1887), «Über die Lichtstellung der Laubblätter» (Lpz. 1888), «Über Transplantation am Pflanzenkörper» (Tüb. 1892), «Über die Bedeutung des Lichts für die Gestaltung blattförmiger Kakteen» (Berl. 1894).

Vöcklabruck. 1) Bezirkshauptmannschaft in Oberösterreich, hat 1104,64 qkm und (1890) 68354 (33808 männl., 34546 weibl.) E. in 58 Gemeinden ↔ mit 773 Ortschaften und umfaßt die Gerichtsbezirke Frankenmarkt, Mondfee, Schwanenstadt und V. –

2) Stadt und Sitz der Bezirkshauptmannschaft und eines Bezirksgerichts (393,27 qkm, 23273 E.), an der Vöckla, einem Nebenflusse der Ager, in hügeliger, fruchtbarer Gegend, an der Linie Wien-Salzburg und V.-Kammer (12 km) der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 1566, als Gemeinde 1872 E., alte Thortürme, Bürgerspital, Krankenhaus, Sparkasse; Asbestfabrik, Baumwollweberei und Kunstmühle.

Vöcklamarkt, Marktflecken im Gerichtsbezirk Frankenmarkt der österr. Bezirkshauptmannschaft Vöcklabruck, an der Vöckla und der Linie Wien-Salzburg der Österr. Staatsbahnen, hat (1890) 933, als Gemeinde 2876 E., alte Pfarrkirche; Bortenfabrikation und Papiermühle.

Vodena, grch. Vodina, Stadt im türk. Wilajet und Sandschak Saloniki, am westl. Randgebirge der macedon. Ebene, an der Via Egnatia und der Bahn Saloniki-Bitolia, auf und an einer 80–100 m hohen Felswand gelegen, über welche die Wasserfälle eines rechts zum Mavroneri (Karasmak) gehenden Flusses herabstürzen, zählt über 14000 meist christliche slaw. E. und hat viele Kirchen und Moscheen; Tabaksfabrikation und Woll- und Baumwollweberei.

Vodnjan, österr. Stadt, s. Dignano.

Voetius (spr. vut-), Gisbert, reform. Theolog, geb. 3. März 1588 in Heusden in Holland, studierte in Leiden, wurde 1611 Pfarrer in Vlymen, 1634 Professor der Theologie in Utrecht, wo er 1. Nov. 1676 starb. V. war ein eifriger Vertreter der Orthodoxie; seine Hauptbedeutung lag auf dem praktisch-kirchlichen Gebiete. Unter seinen Schriften sind zu nennen: «Exercitia pietatis» (Gorinchem 1664) und «Diatribe de theologia» (1668). – Vgl. Ritschl, Geschichte des Pietismus, Bd. 1 (Bonn 1880); Düker, Gisbert V. (Tl. 1, Leid. 1893).

Vogel, Christian Leberecht, Maler, geb. 6. April 1759 zu Dresden, besuchte die dortige Kunstakademie, wohnte 1780–1804 in Wildenfels, wo er die gräfl. Solmssche Familie malte, wurde 1804 Mitglied, 1814 Professor der Akademie in Dresden und starb dort 11. April 1816. V.s erstes großes Bild war das Altargemälde in der Kirche zu Lichtenstein im Schönburgischen: «Lasset die Kindlein u.s.w.»; sein letztes, 30 Jahre später, derselbe Gegenstand für das Schloß zu Wildenfels. Er malte gute Bildnisse, namentlich treffliche Kinderscenen (das bekannteste ist das zweier kleiner Schönburgischer Prinzen in der Dresdener Galerie); ferner sind zu nennen: Amor und Psyche, Ganymed, Der Knabe mit dem Buche und dem Vogelbauer, Der Knabe mit dem Canarienvogel.

Vogel, Eduard, deutscher Afrikareisender, geb. 7. März 1829 zu Krefeld, Sohn des Schulmannes Joh. Karl Christoph V. (geb. 1795, gest. 1862), studierte in Leipzig und Berlin seit 1847 Naturwissenschaften, namentlich Astronomie, und wurde 1851 an Bishops Sternwarte zu London Assistent. 1853 übertrug ihm die engl. Regierung auf Petermanns Rat die Führung einer Expedition nach Centralafrika. Im Juni 1853 trat er in Tripolis die Reise nach Bornu an und gelangte über Mursuk 13. Jan. 1854 nach Kuka. Nach kleinern Exkursionen begleitete er den Scheich von Bornu auf einer Sklavenjagd nach dem Musgu- und Tuburilande, wobei er etwas südlicher vordrang als Barth und Overweg. Im Juli 1854 trat V. eine Reise nach Mandara an, in dessen Hauptstadt Mora er über einen Monat ge-

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 369.