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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Volkhart - Volkmann

aber das Gebiet gegen die Araber nicht behaupten. Die Burgunder gründeten erst um 410 um Worms ein noch ganz german. Reich (das den Mittelpunkt der Nibelungensage bildet), wurden dann aber von Aetius geschlagen und an der Rhône angesiedelt. Hier schufen sie ein Reich, das neben dem Westgotischen der Schauplatz der Vereinigung von Germanen und Romanen wurde und dem Fränkischen Reiche vorarbeitete, in dem es im 6. Jahrh. aufging. (S. Burgund.) Das durch den Abzug der Germanen leer gewordene Land von der Weichsel bis zur Elbe, Saale und dem Böhmer Walde war schon in der ersten Hälfte des 6. Jahrh. von slaw. Völkerstämmen besetzt. (S. Slawen.) In Rußland währte das Drängen der Slawen gegen die finn. und türk.-tatar. Stämme, wie auch südwärts nach der Balkanhalbinsel und den Ostalpen noch längere Zeit. An der untern Donau, wo die Avaren (s. d.), denen die Langobarden Pannonien überließen, das mächtigste Volk waren, bis Karl d. Gr. sie 796 vernichtete, kam die Bewegung auch erst allmählich zum Stillstaude, nachdem im 7. Jahrh. die Bulgaren und zwar seit 679 in dem Lande zwischen der untern Donau und dem Balkan, die Serben und Kroaten seit 620 in den noch heute nach ihnen benannten Ländern feste Sitze genommen hatten. Die Ruhe wurde im 9. Jahrh. unterbrochen durch das Eindringen der Magyaren in Ungarn, deren Zügen nach Westen hin die sächs. Könige im 10. Jahrh. ein Ziel setzten. Im 8. und 9. Jahrh. drängten dann die Normannen (s. d.) auf das Fränkische Reich, aber dieses widerstand ihnen, wie auch dem anstürmenden Islam, dem die nicht von Germanen erneuerten röm. Lande nacheinander erlagen. - Vgl. E. von Wietersheim, Geschichte der V. (umgearb. von F. Dahn, 2 Bde., Lpz. 1880-81); Dahn, Die Könige der Germanen (7 Bde., Münch. und Würzb. 1861-95); Pallmann, Die Geschichte der V. (Bd. 1 u. 2, Gotha und Weim. 1863-64); Dahn, Urgeschichte der german. und roman. Völker (4 Bde., Berl. 1880-89); G. Kaufmann, Deutsche Geschichte bis auf Karl d. Gr. (2 Bde., Lpz. 1880-81). H. Lingg schuf eine epische Dichtung: Die V. (3 Bde., Stuttg. 1866-68).

Volkhart, Max, Maler, geb. 17. Okt. 1848 in Düsseldorf, besuchte die dortige Akademie bis 1870 und wurde, nachdem er den Feldzug 1870/71 mitgemacht, Schüler von Ed. von Gebhardt. Darauf bereiste er Belgien und Holland sowie Oberitalien. Er lebt jetzt in Düsseldorf. Von seinen Genrebildern sind zu nennen: Verbandstube in Gravelotte 1870, Stadtbleiche, Der neue Stadthauptmann, Das Ende vom Lied, Tändelei, Unentschlossen u. s. w.

Völklingen, Dorf im Kreis Saarbrücken des preuß. Reg.-Bez. Trier, rechts an der hier kanalisierten Saar und an den Linien Trier-Saarbrücken-Saargemünd der Preuß. Staatsbahnen und V.-Diedenhofen (70,6 km) der Elsaß-Lothr. Eisenbahnen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Saarbrücken), hat (1895) mit Obervölklingen 10473 E., darunter etwa 2950 Evangelische und 30 Israeliten, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, kath. und evang. Kirche, Krankenhaus für Bergleute, Spar- und Darlehnskasse, Wasserleitung, Gaswerk; chem. Fabrik, Thomasphosphatwerk, Eisen- und Glashütte, Ziegelei und Steinkohlenbergbau.

Volkmann, Alfred Wilh., Physiolog, geb. 1. Juni 1801 zu Leipzig, widmete sich daselbst mediz. und naturwissenschaftlichen Studien und habilitierte sich 1822 an der Leipziger Universität, an der er 1834 außerord. Professor wurde. 1837 wurde er ord. Professor der Physiologie in Dorpat. Hier setzte V. die bereits begonnenen Untersuchungen über das Nervensystem und den Gesichtssinn fort und begann die Forschungen über die Physik der Blutbewegung, die ihn in der Folgezeit beschäftigten. Durch Regierungsmaßregeln veranlaßt, seine Stellung in Dorpat aufzugeben, kehrte V. nach Deutschland zurück und erhielt Ende 1843 eine Professur der Physiologie zu Halle, mit der er seit d'Altons Tode auch die Professur der Anatomie und die Aufsicht über das Meckelsche Kabinett verband. Er starb 21. April 1877 in Halle. Von seinen Schriften sind zu nennen: "Anatomia animalium, tabulis illustrata" (Lpz. 1831-33), "Neue Beiträge zur Physiologie des Gesichtssinns" (ebd. 1836), "Die Lehre vom leiblichen Leben" (ebd. 1837), "Die Selbständigkeit des sympathischen Nervensystems" (mit Bidder, ebd. 1842); "Hämodynamik" (ebd. 1850), "Physiol. Untersuchungen im Gebiete der Optik" (ebd. 1863-64), "De musculorum elasticitate" (Halle 1856).

Volkmann, Richard von, Chirurg und Kliniker, Sohn von Alfred Wilhelm V., geb. 17. Aug. 1830 zu Leipzig, besuchte die Universitäten Halle, Gießen und Berlin, habilitierte sich 1857 in Halle und wurde 1867 zum ord. Professor der Chirurgie und Direktor der chirurg. Klinik daselbst ernannt. Am Deutsch-Französischen Kriege von 1870 und 1871 nahm er als konsultierender Generalarzt des 4. Armeekorps, später der Maas-, zuletzt der Südarmee teil. V. hat für die Neugestaltung der deutschen Chirurgie viel gethan, insbesondere erwarb er sich Verdienste um die Einführung und Vervollkommnung der antiseptischen Wundbehandlung. 1885 wurde V. von dem Deutschen Kaiser in den erblichen Adelstand erhoben. Er starb 28. Nov. 1889 zu Jena. 1894 wurde ihm vor den Universitätskliniken in Halle ein Denkmal (sitzende Marmorfigur, modelliert von seinem Neffen Arthur V.) errichtet. Unter seinen Schriften sind hervorzuheben: "Die Krankheiten der Bewegungsorgane" (im 2. Bd. von Pitha-Billroths "Handbuch der Chirurgie", Erlangen 1865-72), "Beiträge zur Chirurgie" (Lpz. 1875, mit 14 Tafeln); auch gab er eine "Sammlung klinischer Vorträge" (in Verbindung mit andern Klinikern, ebd. 1870 fg.) heraus. Unter dem Pseudonym Richard Leander veröffentlichte er: "Träumereien an franz. Kaminen", Märchen (Lpz. 1871; 22. Aufl. 1894), "Aus der Burschenzeit" (Halle 1876), "Gedichte" (3. Aufl., Lpz. 1885), "Kleine Geschichten" (2. Aufl., ebd. 1889), "Alte und neue Troubadourlieder" (2. Aufl., ebd. 1890). - Vgl. Krause, Zur Erinnerung an Richard von V. (Berl. 1890).

Volkmann, Rob., Komponist, geb. 6. April 1815 zu Lommatzsch in Sachsen, besuchte das Gymnasium und das Seminar zu Freiberg, ging 1836 nach Leipzig, um Pädagogik und Musik zu studieren, wandte sich aber alsbald ganz der Musik zu. Er machte unter C. F. Beckers Leitung kontrapunktische Übungen und wurde in seiner musikalischen Richtung ein Gesinnungsgenosse Schumanns. V. veröffentlichte zuerst 1839 sechs Klavierstücke als "Phantasiestücke". Im Herbst 1839 wurde er Musiklehrer in Prag, 1842 ging er nach Ungarn, 1854 nach Wien, kehrte aber 1858 nach Pest zurück, wo er 29. Okt. 1883 starb. Unter seinen Werken befinden sich zwei Sinfonien (von denen die in D-moll am bekanntesten geworden ist) und zwei Ouverturen (zum Jubiläum des Pester Konservatoriums und zu Shakespeares "Richard III."),