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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Von-Wisin - Vorarlberg

- Biographien verfaßten G. Brandt (2 Bde., Amsterd. 1682), Zeemann (ebd. 1831), Alberdingk Thijm (ebd. 1876), Baumgartner (Freiburg 1882), Haek (Hamb. 1890) u. a.; vgl. noch Unger, Bibliographie van V.s werken (Amsterd. 1888).

Von-Wisin (Fon-Vizin), Denis Iwanowitsch, russ. Dichter, geb. 14. (3.) April 1744 in Moskau, aus dem deutschen, zum Schwertorden gehörigen Adelsgeschlecht von Wiesen stammend, studierte in Moskau und Petersburg, diente kurze Zeit bei der Garde, bekam dann eine Anstellung im Auswärtigen Amt und wurde 1763 Sekretär beim Kabinettsminister Jelagin. 1766 schrieb er das Lustspiel "Der Brigadier", das ihn mit einem Schlage berühmt machte. Er wurde 1769 Sekretär beim Minister des Auswärtigen, Grafen N. Panin, und reiste mehreremal ins Ausland, 1777-78 nach Südfrankreich und Paris ("Briefe aus Frankreich"). 1782 wurde sein Hauptwerk, das Lustspiel "Nedorosl" ("Das Muttersöhnchen"), aufgeführt, durch das er den ersten Rang in der damaligen russ. Litteratur erlangte. In demselben Jahre erschienen in der Zeitschrift "Der Gesellschafter" die "Fragen an Katharina II.". Außerdem hat er neben einer Reihe kleinerer Schriften über Fragen der Zeit eine unvollendet gebliebene Autobiographie geschrieben: "Freimütiges Bekenntnis meiner Handlungen und Gedanken." Er starb 1792 in Petersburg. V.s Werke, Briefe und ausgewählte Übersetzungen gab P. Efremow (Petersb. 1816) heraus. Seine Biographie schrieb Fürst Wjasemskij im 5. Band der "Gesamten Schriften".

Vooraffe, s. Fehn- und Moorkolonien.

Voorne-en-Putten, Insel in der niederländ. Provinz Südholland, zwischen Maas und Haringvliet, westlich von Beijerland, ursprünglich zwei Inseln, welche aber infolge der Verschlammung des sie trennenden Flusses und der allmählich fortschreitenden neuen Polderanlagen zusammengewachsen sind. Durch die Insel führt der Kanal von Voorne, welcher bei Hellevoetsluis in das Haringvliet mündet.

Voracität (lat.), Gefräßigkeit.

Voragine, Jakobus de, s. Jakobus de Voragine.

Voranschlag, die vor Beginn einer Budgetperiode aufgestellte Übersicht aller zu erwartenden Ausgaben und Einnahmen eines Staates oder einer Gemeinde. Durch die Genehmigung dieses "Haushaltsetats" seitens der Faktoren der Gesetzgebung wird er zum Budget (s. d.).

Vorarlberg, das kleinste Kronland der Österreichisch-Ungarischen Monarchie, zu deren cisleithanischem Teile gehörig, mit besonderer Landesverfassung, eigenem Landtage und Landesverwaltung, in administrativer Beziehung jedoch mit Tirol vereinigt, grenzt im N. an Bayern, im O. an Tirol, im S. an die Schweiz und im W. an Liechtenstein, die Schweiz und Bodensee, und hat 2602,45 qkm Fläche. Der Name kommt her von seiner Lage vor dem Arlberge. (S. Karte: Tirol und Vorarlberg.)

Oberflächengestaltung. V., durch den Arlberg von der übrigen Monarchie getrennt, ist ein Gebirgsland, das im südl. Teil von der aus krystallinischem Gestein bestehenden Rhätikonkette, Silvretta- und Fervallgruppe der Centralalpen und im nördl. Teil von den aus tertiären Gesteinen zusammengesetzten Lechthaler Alpen und dem Bregenzer Wald (s. d.) erfüllt wird. Die Rhätikonkette, welche die südl. Grenze gegen die Schweiz bildet, hat eine mittlere Kammhöhe von 2492 m und zählt 25 Gipfel von 2500 bis 3000 m, darunter der höchste die Scesaplana (2967 m). Der höchste Punkt von V. ist das Fluchthorn (3408 m) in den Silvretta-Alpen (s. Ostalpen). Hauptthäler sind das Rheinthal von der Illmündung bis zum Bodensee, 63 km lang, 7 km breit, das Illthal (36 km), im obersten Teil Fermuntthal, sodann Montafon (s. d.) und im untern Teil Walgau genannt, das Thal der Bregenzer Ach (46 km) und das Lechthal. Größere Seitenthäler des Illthals sind links das Samina- (16 km) und Gamperton- oder Mönkbachthal (12 km), rechts das Walser- (20 km), das bis zum Arlberg reichende Kloster- (24 km) und das Silberthal.

Von dem 489 km großen Bodensee gehören 34 qkm zu Österreich; außerdem besitzt V. zahlreiche Hochgebirgsseen, darunter der schönste der in einem großartigen Felsenkessel tief eingebettete, 5 qkm große Lüner See (1924 m). Das Klima ist im Verhältnis zu der bedeutenden Höhenlage sehr gemäßigt, was hauptsächlich dem öftern Auftreten des Föhns (in Bludenz 31 Tage im Jahre) sowie der gegen Westen offenen Lage zuzuschreiben ist. Bregenz hat eine mittlere Jahrestemperatur von 8,4° C. Hingegen überragt V. hinsichtlich der Regenmenge selbst die benachbarten Gebirgsländer, indem Bregenz 1389, Bludenz 1218, Dornbirn 1413 mm. jährliche Regenmenge hat (gegen Salzburg 1062 mm).

Bevölkerung. Die Bevölkerung betrug 1880: 107373, 1890: 116073 (56790 männl., 59283 weibl.) E. Die Volksdichte betrug 1890 in Tirol und V. 32, in V. allein 45 E. auf 1 qkm. Dem Religionsbekenntnis nach waren 114711 Römisch-Katholische, 824 Evangelische Augsburger und 392 helvetischer Konfession und 136 Israeliten, der Nationalität nach 105259 Deutsche und 3085 Italiener. Die Zahl der Geburten betrug 1895: 3384, der Ehen 790, der Todesfälle 2574.

Land- und Forstwirtschaft. Von der gesamten Fläche sind 91,44 Proz. produktiv (3,02 Proz. Ackerland, 13,39 Wiesen, 34,88 Alpenweiden, 10,38 Hutweiden und 26,01 Proz. Wald). Der Ertrag an Getreide reicht nicht zur Ernährung der Bevölkerung hin. Wein gedeiht bis 650 m, Getreide, Flachs, Hanf und Obst bis 1125 m Meereshöhe. 1894 wurden geerntet 4340 hl Weizen, 10910 Spelz, 3900 Roggen, 6550 Gerste, 10480 Hafer, 26320 Mais, 2030 Hülsenfrüchte, 5760 Mengfrucht, 11071 t Kartoffeln, 2140 Runkelrüben, 618 Kraut, 454 Kürbis, 20 Hanf, 106600 t Heu, 1588 hl Wein und 2715 t Obst. Bedeutend ist die Viehzucht. 1890 wurden gezählt: 2763 Pferde, 58231 Rinder, 12204 Schafe, 12424 Ziegen, 11556 Schweine und 8007 Bienenstöcke. Das Rindvieh, besonders die Montavoner Rasse, ist berühmt. Auch das Molkereiwesen steht auf hoher Stufe. Die Holzgrenze reicht bis etwa 2000 m, in welcher Höhe nur die Legföhre vorkommt. In Wirtatobel bei Langen, östlich von Bregenz, werden drei 42 cm mächtige Kohlenflöze von einer bayr. Aktiengesellschaft abgebaut.

Industrie. Die Industrie ist infolge der Ausnutzung der Wasserläufe sehr entwickelt. Es bestehen 17 Baumwollspinnereien mit 179000 Spindeln und 1872 Arbeitern, 22 Webereien mit 3168 Webstühlen und 2294 Arbeitern, 14 Färbereien, Druckereien, Bleichereien und Appreturen mit 1092 Arbeitern; außerdem wird die Hand- und Maschinenstickerei als Hausindustrie betrieben. Bedeutend ist auch die Verfertigung von Holzwaren und von Alpenhütten (hölzerne Alpenhütten gehen zu Wasser nach der Schweiz), Schiffbau und Papierfabrikation. Den