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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Vorbehaltenes Gut – Vorderzeug

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Vorbehalt'

und andererseits die disponible Quote (portion. quotité disponible) der im Anschluß an das droit coutumier (réserve des quatre-quints) zur Entwicklung gekommenen Lehre von dem Pflichtteil (s. d.) an. Disponible Quote ist derjenige Teil des Vermögens einer Person, über welchen letztere durch freigebige Verfügungen unter Lebenden oder von Todes wegen frei verfügen kann; sie umfaßt das ganze Vermögen, wenn weder Nachkommen noch Ascendenten vorhanden sind, sie beträgt die Hälfte des Vermögens, wenn ein Kind, ein Drittel, wenn zwei Kinder, ein Viertel, wenn drei oder mehr Kinder, die Hälfte, wenn gar keine Kinder, aber Ascendenten beider Linien, drei Viertel, wenn Ascendenten nur einer Linie vorhanden sind. Der Vermögensteil, welchen hiernach der Erblasser den Nachkommen oder Ascendenten (Vorbehaltserben) hinterlassen muß, bildet deren V., dessen Verletzung gegen die vom Erblasser Bedachten mit der Reduktionsklage und gegen die Drittbesitzer von Liegenschaften mit der Bindikation verfolgt wird.

Vorbehaltenes Gut, Vorbehaltsgut, s. Eingebrachtes und Einhandsgut.

Vorbehaltserbe, s. Inventarrecht.

Vorbereitende Schriftsätze, s. Schriftsätze, vorbereitende.

Vorbereitendes Verfahren, s. Präparatorisches Verfahren.

Vorbereitungsschlag, die erste Lichtung des geschlossenen Altholzes im Femelschlagbetrieb (s. d.) Der V. ist eigentlich nur eine starke Durchforstung, die den Boden für den Abfall des Samens empfänglicher machen soll und mit Hilfe deren man jene Holzarten entfernt, von denen man eine Ansamung nicht wünscht. In vielen Fällen wird übrigens der V. überhaupt nicht gemacht, sondern sofort der Besamungs- oder Dunkelschlag (s. d.) geführt.

Vorblätter, s. Blütenstand.

Vorbruch, s. Molken.

Vörde, Dorf im Kreis Schwelm des preuß. Reg.-Bez. Arnsberg, an der Nebenlinie Hagen-V. (13,7 km) der Preuß. Staatsbahnen, hat (1890) 5695 E., darunter 156 Katholiken, Post, Telegraph, evang. Kirche, ein Waisenhaus (Lohernocken); Stahlhämmer und Puddlingswerke, Fabrikation von Eisen- und Stahlwaren, Holzschrauben und Schraubstöcken.

Vorderarm, s. Arm.

Vorderasien, der südwestl. Teil Asiens, zwischen dem Mittelländischen Meer und dem Indus, nördlich durch das Schwarze Meer, den Kaukasus, das Kaspische Meer und die nördl. Randgebirge Irans begrenzt, umfaßt die asiat. Türkei, das russ. Transkaukasien, Persien, Afghanistan, Belutschistan und Arabien.

Vorderblatt, Brustblatt, s. Sielengeschirr.

Vorderbrühl, s. Brühl (bei Wien).

Vordereifel, s. Eifel.

Vordereisen, s. Hufeisen.

Vorderhauptsbein, s. Stirn.

Vorderindien, s. Ostindien.

Vorderkiemer (Prosobranchia), die größte, etwa 15000 Arten umfassende und wichtigste Ordnung der Schnecken, die nur in wenigen Formen das Land (s. Landschnecken) und das süße Wasser bewohnt. Die fast stets vorhandene Schale ist meist fest, das Tier kann sich meist ganz in dieselbe zurückziehen und hat meist auch noch einen besondern festen, auf dem Rücken des Fußendes angewachsenen Deckel, um die Mundöffnung damit zu verschließen. Die Deckel größerer Arten waren früher unter dem ↔ Namen Meernägel offizinell. Die Gehäuse namentlich der den tropischen Meeren und zwar deren Uferzone entstammenden Arten bildeten den Hauptschmuck der Konchyliensammlungen. Die Geschlechter der teils und zumeist von animalischer, teils von vegetabilischer Kost lebenden Tiere sind mit Ausnahme besonders der Balvaten (s. Kammschnecken) getrennt, das Männchen hat meist eine äußere Rute. Wenige, wie die Sumpfschnecken (s. d.), sind lebendiggebärend; meist werden die Eier in hornige Kapseln eingeschlossen, die wiederum in der mannigfachsten Weise zu Klumpen, Bändern, Schüsseln u. s. w. vereinigt werden (s. Tafel: Eier, Fig. 10 u. 11). Nach der Beschaffenheit der Kiemen unterscheidet man drei Unterordnungen: die Kammkiemer, bei denen eine in ganzer Länge angewachsene Kieme vor dem Herzen in der Kiemenhöhle liegt; die Schildkiemer, bei denen die eine oder zwei Kiemen in der Atemhöhle nur mit der Basis befestigt sind, und die Kreiskiemer, bei denen die Kiemen im Kreis zwischen dem Rande der flachen Schale und dem Fuße angeordnet sind (s. die betreffenden Artikel). Fossil treten V. schon im Silur auf.

Vorderlader, Feuerwaffen, deren Läufe (Rohre) nur an dem vordern Ende offen sind, während das hintere durch einen festen Boden verschlossen ist. Die Ladung und das Geschoß müssen von der Mündung aus in das Rohr eingeführt werden. Im Gegensatz hierzu stehen die Hinterlader (s. d.), die jetzt wenigstens grundsätzlich überall die V. verdrängt haben. (S. Geschütz und Handfeuerwaffen.)

Vorderland, Bezirk im schweiz. Kanton Appenzell-Außerrhoden, hat (1888) 16053 E., davon 1169 Katholiken, in 8 Gemeinden. Hauptort ist Heiden.

Vorderlappen, s. Gehirn.

Vorderlastig, s. Lastigkeit.

Vordermaschine, s. Primärmaschine.

Vordernberg, Marktflecken in der österr. Bezirkshauptmannschaft und dem Gerichtsbezirk Leoben in Steiermark, am gleichnamigen Bache, in 809 m Höhe, an der Linie Hieflau-Eisenerz-V. 35 km) der Österr. Staatsbahnen und der Leoben-Vordernberger Eisenbahn (20 km), mit Zahnradbahn nach Eisenerz, hat (1890) 3118 E.; Eisensteinbergbau des Fürsten Schwarzenberg und großartige Hochofenanlagen der Alpinen Montangesellschaft mit 13 Hochöfen und 890 Arbeitern. V. ist Ausgangspunkt für Hochtouren und wird von Reisenden sehr besucht.

Vorderpferd, s. Bespannung.

Vorderpivotlafette, meist eine Rahmenlafette (s. d.), deren Rahmen vorn derart vermittelst eines Pivotbolzens festgehalten wird, daß er nur eine drehende Bewegung um diesen Punkt ausführen kann. Zur Erleichterung dieser Bewegung hat der Rahmen kleine Räder (Schwenkräder), die auf kreisbogenförmigen Schienen (Schwenkschienen) laufen. Die V. gestattet ein Schußfeld von annähernd 180°. (S. auch Mittelpivotlafette.) Tafel: Geschütze II, Fig. 5, zeigt Krupps 15 cm-Kanone in Grusons Minimalschartenlafette c 84/87, die um einen Punkt nahe der Mündung des Geschützrohrs drehbar ist.

Vorderreiter, s. Bespannung.

Vorderrhein, Quellfluß des Rheins (s. d.).

Vorderrhein, Bezirk im schweiz. Kanton Graubünden, hat (1888) 5806 kath. E. in 27 Gemeinden und umfaßt den Kreis Disentis. Hauptort ist Truns.

Vor der Schrift (frz., avant la lettre), s. Kupferstechkunst.

Vorderzeug, s. Sattel.