Schnellsuche:
Info: Zur Zeit wird der Volltextindex aktualisiert. Sie erhalten daher bei Suchen nicht die volle Anzahl an Treffern. Die Aktualisierung dauert typischerweise wenige Minuten.

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Schlagworte auf dieser Seite: Wackernagel (Wilh.); Waco; Wad; Wadai

436

Wackernagel (Wilh.) – Wadai

Anmerkung: Fortsetzung des Artikels 'Wackernagel (Philipp)'

Halle, wurde 1823 an einer Erziehungsanstalt seines Lehrers K. von Raumer angestellt, 1829 Lehrer an der Gewerbeschule zu Berlin, 1830 an einer Erziehungsanstalt zu Stetten in Württemberg, 1845 Professor am Realgymnasium zu Wiesbaden, 1849 Direktor der Gewerbeschule zu Elberfeld, privatisierte seit 1861 in Dresden und starb daselbst 20. Juni 1877. Er erwarb sich große Verdienste um die deutsche Hymnologie, deren wissenschaftlicher Begründer er ist, durch sein «Deutsches Kirchenlied» (Stuttg. 1841; neue Bearbeitung, 5 Bde., Lpz. 1864–77), eine aus den Quellen zusammengestellte Sammlung der religiösen Lieder der Deutschen von den ältesten Zeiten an bis zu Anfang des 17. Jahrh., und die treffliche «Bibliographie des deutschen Kirchenliedes» (Frankf. 1854). Von den geistlichen Liedern Luthers (Stuttg. 1848), Joh. Heermanns (ebd. 1856) und Paul Gerhardts (ebd. 1843; 8. Aufl. 1888) veranstaltete er besondere Ausgaben. Streng kirchlich gesinnt, war er beteiligt an der Begründung des evang. Kirchentags 1848. – Vgl. L. Schulze, Philipp W. (Lpz. 1879).

Wackernagel, Wilh., Germanist, geb. 23. April 1806 zu Berlin, trieb 1824–27 unter Lachmanns Leitung altdeutsche Studien, privatisierte 1828–33 in Breslau und Berlin und folgte 1833 einem Rufe nach Basel; dort wurde er 1835 ord. Professor der deutschen Sprache und Litteratur, 1837 durch Ehrengeschenk Bürger von Basel, 1854 in den Großen Rat, 1856 in den Stadtrat gewägt. W. starb 21. Dez. 1869 zu Basel. Er war einer der vielseitigsten Germanisten, in Schärfe der Methode Lachmann, in der Freude an den Realien Jak. Grimm verwandt; als langjähriger Direktor der mittelalterlichen Sammlung in Basel zog er auch die bildenden Künste in den Kreis seiner Arbeiten. Seine Hauptwerke waren das «Deutsche Lesebuch» (3.Aufl., 4 Bde., Bas. 1873–79) mit dem zugehörigen «Wörterbuch» (5. Aufl., ebd. 1878) und die «Geschichte der deutschen Litteratur» (ebd. 1848–55, unvollendet; 2. Aufl. von E. Martin, 2 Bde., 1879–94), die auch die Sprach- und Kulturgeschichte, die Metrik u.a. berücksichtigt und das wissenschaftliche Material in knappster Darstellung, nach Dichtarten geordnet, erschöpft. Ferner gab W. heraus das «Landrecht des Schwabenspiegels» (Zür. 1840), «Altfranz. Lieder und Leiche» (Bas. 1846), «Vocabularius optimus» (ebd. 1847), Hartmanns «Armen Heinrich» (ebd. 1855; 2. Aufl. von Toischer, ebd. 1885), «Walther von der Vogelweide» (mit Rieger, Gieß. 1862), «Altdeutsche Predigten und Gebete» (Bas. 1876; aus dem Nachlaß). Seine akademischen Vorlesungen über «Poetik, Rhetorik und Stilistik» veröffentlichte L. Sieber (Halle 1873). Die Mehrzahl der überaus mannigfachen und reichhaltigen Arbeiten W.s sind kleinere Monographien, Programme, Vorträge und Aufsätze, unter denen die «Geschichte des deutschen Hexameters und Pentameters bis auf Klopstock» (Berl. 1831), «Die altdeutschen Handschriften der Baseler Universitätsbibliothek» (Bas. 1836), «Die deutsche Glasmalerei» (Lpz. 1855), «Voces variae animantium» (2. Aufl., Bas. 1869) und «Job. Fischart von Straßburg» (2. Aufl., ebd. 1874) genannt seien. Eine Sammlung seiner «Kleinern Schriften» veranstaltete M. Heyne (Lpz. 1874–75) in drei Bänden. Die naive Kraft, den schalkhaften Humor seines frischen poet. Talents bezeugen die «Gedichte eines fahrenden Schülers» (Berl. 1828), die «Neuern Gedichte» (Zür. 1842), «Zeitgedichte» (Bas. 1843) und vor allem ↔ das köstliche «Weinbüchlein» (Lpz. 1845); eine Auswahl seiner «Gedichte» erschien Basel 1873.

Waco, Hauptort des County McLennan im nordamerik. Staate Texas, südlich von Fort Worth, am Brazos-River, mit schöner Hängebrücke, mit Bahnen nach sechs Richtungen, zählte 1894 etwa 20000 E., hat beträchtlichen Baumwollhandel und mehrere Großhandelshäuser, Baumwollpressen, Getreidemühlen, Fabrikation von Baumwollöl; Theater, Straßenbahn, neun Kirchen, Gerichtshaus und eine höhere Unterrichtsanstalt.

Wad, ein Mineral, das aus Mangansuperoxyd mit Manganoxyd und Wasser besteht, nierenförmigknollige Massen, Stalaktiten und rindenartige Überzüge von nelkenbrauner bis bräunlichschwarzer Farbe bildet, die aus schaumähnlichen, zartschuppigen oder höchst feinerdigen Teilchen in so lockerer Verbindung zusammengesetzt sind, daß die sehr weiche und milde Masse auf dem Wasser schwimmt, obschon das eigentliche spec. Gewicht der Substanz 2,8 bis 3,7 beträgt. Das Mineral findet sich z.B. zu Elbingerode und Iberg am Harz, zu Arzberg in Franken, im Siegenschen u.s.w.

Wadāi (in der Schriftsprache auch Dar Salah, einer der mächtigsten Staaten im Sudan, mit unbestimmbaren Grenzen zwischen Darfur und Bagirmi (s. Politische Übersichtskarte von Afrika). Nachtigal schätzte den Umfang des ganzen Machtgebietes auf 440000 qkm und die Einwohnerzahl auf 2½ Mill. Das Land ist vorwiegend Steppengebiet, mit einzelnen kahlen Berggruppen besetzt; nur im O. steigt das Tirgegebirge bis zu 600 m an und im SW. das wild geklüftete, dicht bewaldete, fast 1000 m Höhe erreichende Geregebirge. Perennierende Wasserläufe scheinen nur im S. vorzukommen, wo sich das Flußsystem des Aukadebbe, eines mächtigen Nebenflusses des Schari (s. d.), findet. Unter den Wadi sind der Bahr es-Salamat und der Batha die bedeutendsten. Letzterer sammelt in der Regenzeit das Gewässer in dem Fitrisee (s. d.) im O. der Scharimündung. Flora und Fauna sind ähnlich derjenigen von Bornu (s. d.). Hauptnahrungsmittel sind Duchn (Pennisetum typhoideum Rich.), Weizen und Reis. Man züchtet ausgezeichnete Kamele, Pferde und Rinder. Die Haupthandelsartikel sind Straußenfedern, Elfenbein und Sklaven. Die herrschende, ein Siebentel der Gesamtzahl ausmachende Bevölkerung sind die Maba, ein Negerstamm, der zuerst den Mohammedanismus eingeführt und sich der Sekte der Snûssi (s. d.) angeschlossen hat. Zu den Einwanderern gehören die Araber in großer Menge. Die Mahamid treiben Kamel- und Pferdezucht, die Dschellaba Handel nach Bornu und Dar-Banda. Vasallenstaaten sind Fitri, Ost-Kanem und Dar-Runga. Städte giebt es nicht, nur Marktflecken. Abesche (s. d.) ist die Residenz des jetzigen Sultans, früher war es Wara. – Das Reich W. wurde 1635 von Abd el-Kerim gegründet, der 20 Jahre regierte und Tribut an Darfur und an Bornu zahlte. Der kräftigste seiner Nachfolger, Abd el-Kerim Sabun, herrschte 1803–13. Der später, seit 1859 regierende Sultan Ali eroberte die Osthälfte Kanems, das Land Runga und später Borku, im Norden W.s. Der Sudanese Rabah eroberte 1892/93 W. und dehnte von hier aus seine Herrschaft über Bagirmi und Bornu aus. Über die gegenwärtigen polit. Verhältnisse W.s ist man vollkommen im unklaren. Der erste Europäer, der W. betrat, war Eduard Vogel (s. d.). Bereist und erforscht wurde es

Anmerkung: Fortgesetzt auf Seite 437.