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Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

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Wald (Stadt) - Walbbrand

unsicher. (S. Waldfläche.) Ein ganz vergebliches Bemühen ist es, eine bestimmte Normalziffer für die Bewaldung einzelner Länder feststellen zu wollen. (S. auch Forst, Forstwirtschaft, Forstpolizei, Forststatistik, Waldbau, Waldeinteilung.)

Vgl. Roßmäßler, Der W. (3. Aufl. von Willkomm, Lpz. 1881); Ebermayer, Die Physik. Einwirkungen des W. auf Luft und Boden und seine klimatologische und hygieinische Bedeutung, Bd. 1 (Aschaffenb. 1873); Die Bodenkultur des Deutschen Reichs (hg. vom kaiserl. Statistischen Amt, Berl. 1881); T. Nördlinger, Der Einfluß des W. auf die Luft- und Bodenwärme (Berl. 1885).

Wald. 1) W. in der Rheinprovinz, Stadt im Kreis Solingen des preuß. Reg.-Bez. Düsseldorf, 3,5 km im NW. von Solingen, an der Nebenlinie Solingen-Vohwinkel der Preuß. Staatsbahnen, hat (1895) 15054 (7718 männl., 7336 weibl.) E., darunter 2827 Katholiken, Postamt zweiter Klasse, Telegraph, Fernsprechverbindung mit Solingen, evang. und kath. Kirche, höhere Lehranstalt, Sparkasse, Gas- und Wasserwerk; Fabrikation von Schirmen und Schirmgarnituren (5 Fabriken), Stahlbügeln (5), Bruchbandfedern (4), Margarine, Pferdegeschirren, Maschinen, Eisen- und Stahlwaren, besonders von Messern, Gabeln und Scheren, Branntweinbrennereien, Dampfschreinereien, Hammerwerke, Drahtzieherei, Dampfschleifereien, Ziegeleien und Steinbrüche. - 2) W., Klosterwald, Flecken im Oberamt Sigmaringen des preuß. Reg.-Bez. Sigmaringen, Sitz eines Amtsgerichts (Landgericht Hechingen), hat (1895) 512 E., darunter 26 Evangelische, Post, Fernsprechverbindung, kath. Kirche, ein 1806 säkularisiertes Cistercienserfrauenkloster, Vorschußverein, Jahrmärkte und ist Wallfahrtsort.

Wald, Dorf im Bezirk Hinweil des schweiz. Kantons Zürich, 9 km nordöstlich von Rapperswyl, im Thal der Jona, in 624 m Höhe, am Fuß des aussichtsreichen Bachtel (1119 m), an den Linien Winterthur-W. (40 km) der Tößthalbahn und Rüti-W. (7 km) der Verein. Schweizer Bahnen, hat (1890) 6339 meist deutsche E., darunter 963 Katholiken, Post, Telegraph, schöne Kirche, Sekundärschule; Maschinenfabrikation, Seiden- und Banmwollindustrie, Stickerei, Ackerbau und Viehzucht.

Waldáigebirge, richtiger Waldaihöhen, ruß. Waldajskija (Valdajskija) gory, ein Hügelland von durchschnittlich 165 m Höhe zwischen den Städten Krestzy, Borowitschi und Demjansk des russ. Gouvernements Nowgorod sowie den Städten Ostaschkow und Wyschnij Wolotschok des Gouvernements Twer. Die Waldaihöhen bilden die Wasserscheide der Nebenflüsse des Ilmen und der Wolga und gehören zu den Alaunischen Höhen (s. d.); sie sind von Torflagern überzogen, reich an erratischen Blöcken und Nadelwäldern und zeichnen sich durch ein rauhes Klima aus. Die mittlere Jahrestemperatur ist um 2° C. niedriger als diejenige der Umgebung. Infolgedessen wird das W. von manchen nordischen Pflanzen umgangen, die weiter im Süden wieder auftreten. Die Steinkohlenlager des W. sind von geringem Wert.

Waldalgesheim, Bürgermeisterei, s. Bingerbrück.

Waldameise, rote (Formica rufa), Hügelameise, eine der häufigsten europ. Ameisen, die in lichten Waldungen, namentlich in Nadelhölzern, die oft sehr großen, aus Baumnadeln und allerlei Genist bestehenden Bauten (Ameisenhaufen) in Gestalt von niedrig-kegelförmigen Haufen anlegt. Die 9 mm langen Männchen sind schwarz, die ebenso langen Weibchen und die sehr verschieden großen (4 bis 7 mm) Arbeiterinnen meist rot. Ihre Puppen kommen unter dem falschen Namen Ameiseneier in den Handel (Vogelfutter); von der W. gewinnt man den Ameisenspiritus (s. d.), jedoch leisten die W. den meisten Nutzen durch Vertilgen schädlicher Insekten.

Waldarfer, Christoph, auch Valdarfer, Buchdrucker aus Regensburg, nimmt unter den Deutschen, die im 15. Jahrh. die Buchdruckerkunst in Italien einführten und verbreiteten, eine hohe Stelle ein. Er erscheint zuerst 1470-72 in Venedig thätig. Seine dort erschienenen Drucke zeichnen sich ebenso durch Eleganz als durch Korrektheit ans, für welche letztere Eigenschaft namentlich sein Freund Ludovico Carbone sorgte. Außer Ciceros "Orationes" von 1471 verdankt man ihm die erste Ausgabe von Boccaccios "Decamerone", ebenfalls von 1471, die nur in einem vollständigen Exemplar erhalten ist und zu den höchst bezahlten Büchern gehört. 1473 ließ sich W. in Mailand nieder, wo er bis 1488 eine Reihe von Drucken lieferte, die zu den schönsten jener Zeit gehören, z. B. des Ambrosius "Opera" (1474), des Justinus "Historiae" (1476).

Waldau, Max, Pseudonym von Richard Georg Spiller von Hauenschild (s. d.).

Waldaxt, s. Fällaxt.

Waldbäche, s. Bach.

Waldbahn. 1) Bayrische W., von Plattling nach Eisenstein (71,6 km, 1877 eröffnet), bayr. Staatsbahn; 2) Frankfurter Waldbahn (s. d.).

Waldbahnen, soviel wie Waldeisenbahnen (s. d.).

Waldbau, Waldbaulehre, ein Teil der Forstwissenschaft, umfaßt die durch Erfahrung und Wissenschaft gewonnenen Grundsätze und Regeln zur An- und Nachzucht des Holzes und der Nebenprodukte des Waldes. Als Hauptaufgaben fallen ihm zu: Bestandesgründung, Pflege und Schutz des Waldes (s. Forstschutz). - Vgl. C. Heyer, Der W. oder die Forstproduktenzucht (4. Aufl., von Heß, Lpz. 1893); H. Cotta, Anweisung zum W. (Dresd. 1817; 9. Aufl. von H. von Cotta, Lpz. 1865); Burckhardt, Säen und Pflanzen (6. Aufl., Trier 1892); Gayer, Der W. (2. Aufl., Berl. 1882); W. Weise, Leitfaden für den W. (2. Aufl., ebd. 1894).

Waldbäume, im weitern Sinne alle im Walde vorkommenden Baumarten, im engern aber nur die wirklich waldbildenden Bäume, Laubhölzer wie Nadelhölzer (s. diese Artikel und die Tafeln Laubhölzer: Waldbäume I-VI und Nadelhölzer VII und VIII). Im deutschen Walde und ähnlich gelegenen Wäldern sind die Hauptholzarten: Fichte, Kiefer, Tanne, Lärche, Rotbuche, Eiche, Erle, Birke. Diese bilden hauptsächlich die Waldbestände. Die andern Holzarten, wie Esche, Ahorn, Hornbaum (Weißbuche), Rüster, Hasel, Eberesche, Weide, Pappel, Weymouthskiefer, Schwarzkiefer u. s. w. finden sich meist als Nebenholzarten in gemischten Beständen. - Vgl. Büsgen, Bau und Leben unserer W. (Jena 1897).

Waldbauschulen, s. Försterschulen.

Waldbrand, sowohl das Brennen der Bodendecke (trocknes Gras, Moos, Laub, Heide u. dgl.) als auch das der Bäume. Ersteres, das Lauffeuer oder Bodenfeuer, geht rasch über den Boden fort; letzteres, das Wipfelfeuer, greift die Bäume selbst an, verbreitet sich durch die Kronen derselben und wird in Nadelholzwäldern oft sehr gefährlich. Selten verbrennen die Bäume, aber sie