Schnellsuche:

Brockhaus Konversationslexikon

Autorenkollektiv, F. A. Brockhaus in Leipzig, Berlin und Wien, 14. Auflage, 1894-1896

Diese Seite ist noch nicht korrigiert worden und enthält Fehler.

498
Wandpfeiler - Wangemann (Hermann Theodor)
Gesetzb. §§. 462 u. 493). Er tann statt der W. auch
die Minderungsklage (s. d.) erheben oder, wenn die
Abwesenheit der Mängel versprochen war oder der
Fehler arglistig verschwiegen wird, sein Interesse
(s. d.) fordern, das ans etwas anderes als Aufhebung
des Vertrags oder auf mehr gerichtet sein kann. Der
Anspruch ist nicht begründet, wenn der Erwerber den
Mangel oder das NichtVorhandensein der zugesagten
Eigenschaften kannte; ferner, wenn die Sache auf
Grund eines Pfandrechts in öffentlicher Versteige-
rung unter der Bezeichnung als Pfand verkanft
wurde (Deutsches Bürgert. Gesetzb. §.461). Die
Haftpflicht des Veräußerers ist begründet, wenn der
Mangel zu der Zeit vorhanden war, als der Ver-
trag abgeschlossen war; beim Abschluß unter einer
aufschiebenden Bedingung, wenn er znr Zeit, als die
Bedingung eintrat, vorhanden war. Bei Sachen,
welche zugezählt, zugemessen, zngewogen oder aus
einer Gattung ausgeschieden werden sollen, ent-
scheidet die Zeit der Ausscheidung; uach dem Deut-
schen Bürgert. Gesetzb. §. 459 die Zeit, wo die Ge-
fahr auf den Erwerber übergeht. Der Erwerber
bat, wenn ihm die Sache bereits übergeben war,
dieselbe mit allen Zubehörungcn, den daraus ge-
zogenen Früchten und sonstigen! Gewinn zurückzu-
geben und wegen der durch seine Verschuldung nicht
gezogenen Früchte und wegen der von ihm verschul-
deten Verschlechterung Ersatz zu leisten. Der Ver-
äußcrer hat die empfangene Gegenleistung mit Zin-
sen zurückzugeben, dem Erwerber die Auslagen zu
erstatten, welche dieser wegen des Vertrags gemacht
i'at, vorausgesetzt, daß auch der Veräußerer sie ge-
lnacht haben würde, und dem Erwerbcr den ihm durch
die mangelhafte Sache erwachsenen Schaden zu er-
statten (§. 467). Nach Preuß. Landrccht ist der zurück-
gebende Erwerber wegen der genossenen Früchte,
wegen Verbesserungen und Verschlechterungen als
redlicher Besitzer anzusehen, so daß er die in der
Zwischenzeit gezogenen Früchte behalten kann; er
dat dann aber auch keine Zinsen zu fordern. Ist die
erworbene Sache durch Zufall untergegangen, so daß
sie der Erwerber nicht zurückgeben kann, so nimmt
ibm das seinen Anspruch aufRückgewähr der Gegen-
leistung nicht. Anders nach Preuft. Allg. Landrecht.
Wegen der kurzen Verjährungsfristen s. Gewährs-
mängel. Die W. findet auch statt, wenn die zu lie-
fernde Sache nur der Gattung nach bestimmt war.
Nach Deutschem Bürgert. Gesetzb. §. 480 soll in die-
sem Falle der Erwerber statt der W. verlangen dür-
fen, daß ihm an Stelle der mangelhaften Sache
eine mangelfreie geliefert werde. Bei den: Verkaufe
von Pferden, Eseln, Manleseln und Maultieren, von
Rindvieh, Schafen und Schweinen steht nach Deut-
schem Bürgert. Gesetzbuch dem Erwerber nur die W.,
nicht die Minderungsklage zu, und nur wegen be-
stimmter Fehler (Hauptmängel), und nur, wenn sich
die Hauptmängel innerhalb bestimmter Fristen (Ge-
währsfristen) zeigen. Hauptmängel und Gewährs-
fristen werden durch eine mit Zustimmung des Bun-
desrats zu erlassende kaiserl. Verordnung bestimmt,
welche auch auf demselben Wege ergänzt und abge-
ändert werden kann (88.481 fg.). - Hat der Erwerber
noch nicht oder nickt vollständig erfüllt, fo kann er,
wenn er auf Erfüllung belangt wird, den Wande-
llmgsanspruch auch im Wege der Einrede erheben,
indem er zugleich eventuell, soweit er die Teilleistung
zurückverlangt oder Rücknahme der gelieferten Sache
und Ersatz der Kosten fordert, Widerklage erhebt.
Wandpfeiler, s. Pilaster.
Wandproteft, s. Windprotest.
Wandsbecker Bote, s. Claudius, Matthias.
Wandsbek (Wandsbeck), Kreisstadt im Kreis
Stormarn des prenß. Reg.-Vez. Schleswig, an der
Wanose, einem Zufluß der bei
Hamburg zur Elbe gehenden
Alster und der Linie Hambnrg-
Lübeck der Lübeck-Buchener
Eisenbahn, durch Dampfstraßen-
bahn mit dem anstoßendenHam-
burg verbunden, Sitz des Land-
ratsamtes, eines Amtsgerichts
(Landgericht Altona) und
Hauptzollamtes, hatte 1835:
3020, 1864: 7460, 1885: 17 760, 1895: 21666
(10 911 männl., 10 755weibl.) E., darunter 662Katho-
liken und 213 Israeliten, in Garnison das hannov.
Husarenregiment Nr. 15, Postamt erster Klasse, Te-
legraph, Fernsprecheinrichtung, evang. Kirche, Sy-
nagoge, Gymnasium mit Real- und Vorschule, drei
private höhere Mädchenschulen, Gasanstalt, Wasser-
werk, städtische ^par- und Leihkasse, private Spar-
kasse, Wandsbeker Bank; bedeutende Brauereien,
eine große Brennerei mit Hefefabrik, zwei artistische
Anstalten und große Pferdemärkte. Matthias (5lau-
dius (s. d.) liegt hier begraben und hat im Wands-
beker GeHolz ein Denkmal. W. ist feit 1870 Stadt.
Wandsworth (spr. wönnswö'rth), südwestl.
Stadtteil von London, in der Grafschaft Surrey,
an der Mündung des Wandle in die Themse, zwi-
schen Vattcrsea und Putney, hat, als Distrikt des
Arbeitsamtes, 156931 E. in 25391 Häusern, gegen
103 172 E. und 16143 Häuser im I. 1881, und
als Parlamentsborough 113244 (49 924 männl.,
63 320 weibl.) E. In W. sind zahlreiche Fabriken
nnd Brauereien.
Wanduhrkette, s. Kette.
Wanen, nordisches Göttergeschlecht, s. Vanen.
Wänern, schwed. See, s. Wenern.
Wanfried (Wannfried), Stadt im Kreis
Eschwege des preuß. Reg.-Bez. Cassel, rechts an der
schissbaren Werra, in 164 m Höhe, Sitz eines Antto-
gerichts (Landgericht Cassel), hat (1895) 2265 E.,
darunter 147 Katholiken und 86 Israeliten, Postann
zweiter Klasse, Telegraph, ein 1536 erbautes Schloß,
früber Residenz des Landgrafen von Hessen-Roten-
bnrg; Tabak-, Couvert- und Dütenfabrikation, Woll-
spinnerei, Gerberei, Dampffägewerk, Steinbrüche,
Tabak- und Obstbau (Kirschen).
Wang, Kirche in Brückenberg (s. d.).
Wanga, Hafenort in Deutsch-Ostafrika, liegt
zwischen zwei Mündungsarmen des Fluises Umba,
dicht an der Grenze von Englisch-Ostafrita und be-
steht aus 2-300 Lehmhütten. W. ist der Aus-
gangspunkt für Karawanen durch die Njika-Ebene
nach dem Massailande.
Wange, s. Backe. W. ist auch bergmännischer
Ausdruck für die Seitenstöße einer Strecke. Über
W. bei Treppen s. d.
Wangemann, Hermann Theodor, Missions-
direttor, geb. 27. März 1818 zu Wilsnack (Branden-
bnrg), studierte in Berlin und wurde 1845 Diakonus
und Rettor der Stadtschule in Wollin, 1849 Archi-
diakonus und Seminardirettor in Cammin. In dieser
Zeit veröffentlichte er: "Kurze Geschichte des evang.
Kirchenlieds" (Treptowa.d.Rega 1855 ;5.Aufl.,Verl.
1.^5), "Biblisches Hand- und Hilssbuch zu Luthers
Kleinem Katechismus" (Treptow a. d. Rega 1855;
4. Aufl., Verl. 1870), "Sieben Bücher preuß. Kirchen-